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Lidl-Erpresser erneut zu Haftstrafen verurteil

Milderes Urteil in neuem Prozess um Rohrbombenanschläge

Bochum Im zweiten Prozess um drei Rohrbombenanschläge beim Discounter Lidl hat das Bochumer Landgericht am Dienstag die Haftstrafen gegen ein Erpresser-Paar reduziert. Weil das Urteil der ersten Verhandlung vom Bundesgerichtshof aufgehoben wurde, musste der Fall neu verhandelt werden.

Milderes Urteil in neuem Prozess um Rohrbombenanschläge

Die Angeklagten beim Prozessauftakt am 22. März an der Seite ihrer Anwälte.

Statt zweimal zehn Jahre wurden nun einmal neun Jahre gegen den 50-jährigen Gelsenkirchener sowie acht Jahre und neun Monate gegen seine fünf Jahre ältere Lebenspartnerin verhängt.

Das arbeitslose Paar war vor Jahren dem Traum von einem sorgenfreien Luxus-Leben im sonnigen Süden verfallen und hatte einen perfiden Plan geschmiedet, das nötige Geld dafür aufzutreiben. Am 23. Oktober 2012 ließen sie erstmals vor einer Lidl-Filiale in Bochum-Wattenscheid eine Rohrbombe hochgehen. Am 14. Dezember 2012 in Bottrop und schließlich am 15. April 2016 in Herten folgten zwei weitere Anschläge. Zweimal blieb es bei Sachschäden. In Herten jedoch wurde eine Angestellte durch Bombensplitter am Bein verletzt.

„Zahlen sie oder sterben sie“

Nach den Anschlägen hatte das Paar via E-Mail die Lidl-Zentrale bedroht. Getarnt als „Mister X“ forderte das Duo unter anderem: „Zahlen Sie oder sterben Sie!“ Das Unternehmen hatte zwischenzeitlich sogar tatsächlich eine Million Euro auf ein Online-Konto überwiesen, auf das die Angeklagten auch Zugriff hatten. Als das Paar nach monatelangem Zögern im Juni 2016 verkleidet mit Maske und Klebe-Bart erstmals Geld an einem Automaten abhob, war ihre Festnahme quasi besiegelt. Im Juli 2017 wurden die Angeklagten schließlich festgenommen.

Dass die Strafen der Lidl-Erpresser nun niedriger als in einem ersten Prozess ausgefallen sind, hat nicht zuletzt mit den persönlichen Lebensumständen des Paars zu tun. Der IT-Techniker und seine Partnerin sollen beide gesundheitlich stark angegriffen sein. Daneben stuften die Bochumer Richter auch die insgesamt gesehen lange Verfahrensdauer als mildernd ein.

Erstes Urteil aus rechtlichen Gründen aufgehoben

Auch die zweiten Urteile lauten am Ende auf versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung, besonders schwere räuberische Erpressung und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion. Der zweite Prozess war notwendig geworden, nachdem der Bundesgerichthof die Zehn-Jahre-Urteile vom 2. März 2017 aus rechtlichen Gründen aufgehoben hatte.

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