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Mit dem Tennisschläger in der Hand am Leben teilhaben

THC Blau-Weiß

Training auf dem Tennisplatz - für Jugendliche mit geistigen Beeinträchtigungen nicht das naheliegendste Hobby. Genau das will der THC Blau-Weiß in Lütgendortmund mit seinem Projekt ändern.

Dortmund

05.07.2018
Mit dem Tennisschläger in der Hand am Leben teilhaben

Marcel, Trainer Maurizio Neitzel und Vereinsmitglied Hartmut Neitzel sind überzeugt von ihrem Tennis-Projekt beim THC Blau-Weiß in Lütgendortmund. © Stephan Schuetze

Es ist heiß an diesem sonnigen Samstagnachmittag, aber Marcel schwingt den Tennisschläger mit viel Elan. Einen Ball nach dem anderen reicht ihm Trainer Maurizio Neitzel. Und der 20-Jährige prescht sie routiniert übers Netz. Seit September trainiert der junge Mann mit geistigen Beeinträchtigungen auf den Plätzen des THC Blau-Weiß.

Projekt läuft in Kooperation mit der Lebenshilfe

Das Projekt „Inklusion durch Sport“ läuft in Kooperation mit der Lebenshilfe. Die Idee entstand in Neitzels Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Der passionierte Tennisspieler gründete eine Tennis-AG als Teil seines Examens. „Ich habe mir das angesehen und festgestellt: Die haben total viel Spaß“, sagt Vater Hartmut Neitzel. Schnell war klar: Diese Idee könnte auch etwas für den Heimatverein Blau-Weiß sein.

„Der Vorstand hat schnell entschieden, dass wir für benachteiligte Jugendliche eine Plattform schaffen wollen“, sagt Neitzel. Man wolle den Jugendlichen Spaß am Leben und ein gesellschaftliches Zugehörigkeitsgefühl vermitteln. Platz, Schläger, Trainingsbekleidung, kostenfreie Getränke – und im Winter die Miete der Tennishalle –werden vom Verein übernommen. Denn die Jugendlichen verfügen oft nur über geringe finanzielle Mittel. Sohn Maurizio ist als ehrenamtlicher Trainer im Einsatz.

Manchmal sind allein die Bewegungsabläufe eine Herausforderung

Meistens trainiert der 24-Jährige die jungen Frauen und Männer in einer Vierer-Gruppe. Je nachdem, welche Einschränkungen die Teilnehmer mitbringen, passt Maurizio Neitzel das Training an. „Manche haben zum Beispiel Koordinationsschwierigkeit“, erklärt er. Dann sind allein die Bewegungsabläufe eine Herausforderung. „Wir versuchen auch miteinander zu spielen und den Ball so lange wie möglich im Spiel zu halten“, sagt Maurizio. Begeistert sind sie alle.

Bislang sind es eher junge Menschen Anfang 20, die beim THC Blau-Weiß trainieren. Ab August soll es aber eine zweite Gruppe geben, für die Jugendliche ab 12 Jahre in Frage kommen. Hartmut Neitzel rührt schon fleißig die Werbetrommel für die neuen Stunden: „Wir hoffen, dass bald noch mehr junge Menschen den Spaß genießen können“, betont der Vereinsmensch.

Rückhand muss Marcel noch üben

Marcel hat den Korb leergespielt und muss nun erst einmal alle Bälle wieder einsammeln. „Ich bin ein sportlicher Typ“, sagt er. Tennisspielen mache ihm viel Spaß, Maurizio sei ein lockerer Trainer. Vorhand mag Marcel am liebsten. Ob es etwas gibt, das er noch üben müsse. „Ja, Rückhand“, sagt der 20-Jährige und grinst.

Wunsch sei es, das Projekt über einen längeren Zeitraum durchzuführen. Die Schaffung eines barrierefreien Zugangs ist deshalb ein großes Ziel des Vereins. Auch die behindertengerechte Aufbereitung der Sportanlage sei zwingend erforderlich, betont Hartmut Neitzel. Knapp 80.000 Euro beträgt der Kostenvoranschlag für diese Arbeiten.

Förderungen für barrierefreien Zugang in Aussicht gestellt

Förderungen von den Sport- und Freizeitbetrieben und der „Aktion Mensch“ sind in Aussicht gestellt. Auch die Bezirksvertretung Lütgendortmund hat einen Zuschuss in Aussicht gestellt. Ein Platz auf dem Treppchen beim Dortmunder Engagement würde das Projekt in greifbare Nähe rücken.

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