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Neandertaler konnten tief atmen - aber weniger zubeißen

Frankfurt/Main. Neandertaler hatten ein ganz anders geformtes Gesicht als der moderne Mensch. Der Ursache spürten Forscher nun in Computersimulationen nach. Nicht die Beißkraft, sondern das Atmen von besonders viel und gut erwärmter Luft war demnach die Ursache.

Neandertaler konnten tief atmen - aber weniger zubeißen

Die Nachbildung eines älteren Neandertalers steht im Neanderthal-Museum. Foto: Federico Gambarini

Neandertaler konnten sehr tief Luft holen, aber nicht ganz so kräftig zubeißen wie bisher vermutet: Das haben Computersimulationen der Schädelmuskulatur von Neandertalern im Vergleich zum modernen Menschen und dem Frühmenschen Homo heidelbergensis ergeben.

Die Studie, an der das Senckenberg Institut für Naturforschung in Frankfurt beteiligt war, wird im Fachjournal „Proceedings B“ der britischen Royal Society vorgestellt.

In der Untersuchung ging es um die deutlichen Formunterschiede der Gesichter von Neandertalern und modernen Menschen. Die Annahme, dass die Neandertaler mit ihren kräftigen Kiefern und vergleichsweise breiten Nasenlöchern und Nasen besondere Bisskraft hatten, ließ sich dabei nicht bestätigen. Die Druckmodelle am Rechner zeigten jedenfalls keine signifikanten Unterschiede. Wissenschaftler waren zuvor davon ausgegangen, dass Neandertaler besonders kräftig zubeißen konnten, da vor allem Vorderzähne bei erwachsenen Neandertalern starke Abnutzungserscheinungen aufwiesen.

Dagegen zeigten die Simulationen, dass die Neandertaler erheblich mehr Luft beim Atmen aufnehmen konnten. Bei ihren Untersuchungen verglichen die Wissenschaftler Strömungsberechnungen zur Atemluft von Neandertalern, aber auch modernen Menschen aus verschiedenen Klimaregionen - Inuit ebenso wie Menschen aus tropischen Regionen. „Wenn ein Neandertaler eingeatmet hat, konnte er ein wesentlich größeres Luftvolumen einatmen“, sagte der Senckenberg-Wissenschaftler Ottmar Kullmer, zu dessen Forschungsschwerpunkten die Evolution des Menschen gehört.

„Damit konnte er einen höheren Sauerstoffgehalt aufnehmen – und das kommt der Muskulatur zugute, zumal bei körperlichen Aktivitäten wie der Jagd.“ Auch der Homo heidelbergensis, so ergaben die Berechnungen, konnte mehr Luft einatmen als der moderne Mensch. „Aber der Neandertaler konnte noch mal mehr Luft einatmen mit weniger Atemzügen.“

Die körperlich gedrungenen, sehr muskulösen Neandertaler hätten für die Jagd einen hohen Energiebedarf gehabt, der so gesichert werden konnte. Berechnungen gehen von einem täglichen Kalorienbedarf von 3360 bis 4480 Kalorien bei den Neandertalern aus - gerade in den nördlichen, kühleren Gebieten. Auch eine Anpassung an kalte Witterungsverhältnisse durch eine schnellere Erwärmung der eingeatmeten Luft ließ sich mit den Computerberechnungen bestätigen.

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