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Zeitumstellung auf Sommerzeit

Nicht vergessen: Uhren werden umgestellt

Dortmund Viele Menschen sind genervt – schon wieder werden in der Nacht zu Sonntag die Uhren auf die Sommerzeit umgestellt. Einige Menschen fühlen sich dadurch einer wertvollen Stunde ihres Schlafes beraubt. Doch das könnte sich bald ändern. Hintergrund ist ein EU-Vorstoß.

Nicht vergessen: Uhren werden umgestellt

In der Nacht zum Sonntag werden die Uhren wieder auf Sommerzeit umgestellt - von 2 auf 3 Uhr. Foto: dpa

Wer sich am Sonntag wieder mal einer Stunde Schlaf beraubt fühlt – die rechtliche Grundlage dafür findet sich in der gültigen EU-Richtlinie 2000/84/EG. Diese regelt die Sommerzeit für alle Mitgliedstaaten auf unbegrenzte Dauer. Seit 1980 gibt es die Sommerzeit in Deutschland, seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern einheitlich die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde von 2 auf 3 Uhr vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück. Hintergrund waren die Erfahrungen mit der Ölkrise. Ziel war es, Energie zu sparen.

Doch die Zeiten ändern sich und der Nutzen der Sommerzeit ist umstritten: Laut Umweltbundesamt knipsen die Deutschen wegen der Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends weniger häufig das Licht an – im Frühjahr und Herbst jedoch wird morgens dafür mehr geheizt. Gesundheitsrisiken für empfindsame Menschen sind nicht ausgeschlossen.

Eine große Mehrheit der Menschen in Nordrhein-Westfalen wünscht sich nach einer neuen Umfrage die Abschaffung der Zeitumstellung. In der repräsentativen Forsa-Umfrage für die DAK gaben 76 Prozent der Befragten in NRW an, dass die Zeitumstellung überflüssig ist und abgeschafft werden sollte. Aber: 40 Prozent der Befragten glauben nicht, dass sie wirklich abgeschafft wird. „Obwohl die Menschen an Rhein und Ruhr wenig von der Zeitumstellung halten, glauben in keinem anderen Bundesland mehr an ein Fortbestehen“, sagt Klaus Overdiek, Leiter der DAK-Landesvertretung in Nordrhein-Westfalen.

Berufstätigen kommt die Stunde entgegen

Die Psychologieprofessorin Katja Mierke von der Hochschule Fresenius empfiehlt, schlicht das Beste aus der Situation zu machen. Durch die Sommerzeit bleibt es nämlich abends eine Stunde länger hell. „Die sollte man so gut es geht ausnutzen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Berufstätigen kommt die Stunde am Abend entgegen, sagt Mierke – jedenfalls in sozialer Hinsicht: „Seien wir ehrlich: Morgens um halb sechs trifft sich niemand mit Freunden zum Grillen.“ Abends passiert das schon eher.

Dieser Ansicht ist auch der Dorstener Heinrich Brosthaus: „Mir gefällt die Sommerzeit. Abends eine Stunde mehr. Was nützt mir die Sonne morgens um vier“, schreibt er auf unserer Facebook-Seite. Wir hatten dort gefragt, wie die Zeitumstellung ankommt. Im Sozialen Netzwerk sind die Meinungen geteilt. Leo Baumann etwa teilt Heinrich Brosthaus‘ Meinung. Er schreibt: „Ich empfinde die Sommerzeit als ausgesprochen positiv wegen der langen, hellen Sommerabende.“

Andere wiederum halten die Zeitumstellung für Blödsinn. Vor allem das Argument, die Sommerzeit helfe, Energie zu sparen, zieht bei ihnen nicht. Nicole Junker etwa. Sie schreibt: „Ich finde die Umstellung sinnlos. Nicht nur wir, sondern auch die Tiere kommen aus dem Rhythmus. Energieersparnis ist da Fehlanzeige. Ist nämlich egal, ob ich morgens oder abends das Licht einschalte. Von den Millionen mal abgesehen, die es kostet, die Uhr umzustellen, denn nicht alles ist Funk. Für mich spricht vieles dafür, eine Zeit zu lassen. Egal welche.“

"Eine Stunde bringt keinen aus dem Biorhythmus"

Thomas Rudolph meint: „Ich denke nicht, dass die Uhrenumstellung den gewünschten Einspareffekt bringt, aber es ist doch sehr schön, wenn es so lange hell ist. Bitte lasst uns die Umstellung beibehalten. Die eine Stunde bringt keinen Körper aus dem Bio-Rhythmus, aber jeder kann die langen Tage genießen. Auf die Umstellung auf die Winterzeit freut sich wohl kaum einer. Es wäre schön, wenn man sich diese Umstellung sparen könnte.“ Im Gegensatz dazu schreibt Martin Ludorf: „Endlich ist es abends wieder schön lange hell. Ich hoffe, die Sommerzeit wird niemals abgeschafft!“

Umfrage

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115 abgegebene Stimmen

Auch Daisy Kammermeier stört die Zeitumstellung herzlich wenig. Sie kommentiert auf Facebook: „Jedes Jahr machen ganz viele Menschen eine Fernreise, in deren Rahmen sie nicht nur eine Stunde Zeitverschiebung in Kauf nehmen, sondern meist sechs bis acht oder gar zwölf Stunden. Oftmals werden auch die Kinder mitgenommen auf solch eine Reise. Komisch, da ist es innerhalb von zwei bis drei Wochen dann kein Problem? Dann gibt es ja noch das Argument mit den Haustieren, die dann total verwirrt seien. Unserem kleinen Kater war es so was von Wurst, wann er sein Futter bekam .... Von mir aus kann die Sommerzeit gerne bleiben. Ich freue mich über jede Stunde, die es abends länger hell ist.“

Auch im Münsterland wollten wir wissen, wie die Menschen zur Sommerzeit stehen. „Es ist völlig überflüssig. Meine Kinder (zwei und ein Jahr) brauchen ewig, bis sie wieder im neuen Rhythmus drin sind, obwohl es nur eine Stunde ist“, schreibt Aniyah Ostermann. Christel Boll findet „die Zeitumstellung schlimm. Kleine Kinder, ältere Menschen und auch Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, leiden sehr darunter.“ Aber auf der anderen Seite melden sich viele Befürworter. „Ich freu mich riesig drauf. Endlich mehr vom Feierabend!!!“, schreibt Denise Hovermann. Auch Michael Brammen macht Freizeit bei Tageslicht mehr Spaß. Er hat sogar errechnet, dass uns die Sommerzeit acht zusätzliche Wochen beschert, in denen es erst um 21 Uhr dunkel wird.

Große Resonanz auf unsere Facebook-Umfrage

Auch die Dortmunder Redaktion wollte es genauer wissen, was die Menschen vor Ort von der Zeitumstellung halten und fragte nach über Facebook.

Die Resonanz innerhalb nur eines Tages war riesig: Eine klare Mehrheit der Follower ist gegen die Zeitumstellung, zum Teil äußerten sich die User mit drastischen Worten. Reaktionen reichten von „Mir geht dieser unnötige Mist so auf die ...“, über „Ich dachte, es wurde abgeschafft! Ist doch beschlossen!“ und „Denkt mal an die Tiere, die sind es gewohnt, zu einer bestimmten Zeit gefüttert oder gemolken zu werden“ bis hin zum schlichten „Nervt!!!“. Überhaupt glauben offenbar einige, durch das Votum des Europäischen Parlaments, die Sommerzeit überprüfen zu lassen, sei sie schon automatisch abgeschafft worden.

Befürworter schrieben unter anderem „Herrlich, länger hell draußen. Und dann noch viel Sonne, was will man mehr.“ Oder: „Bei mir überwiegt da die Freude darüber, abends länger natürliches Licht zu haben statt funzeliger Beleuchtung.“ Einige Freunde der Sommerzeit antworteten schlicht: „Ich freu mich schon drauf!“ und „Sommerzeit = beste Zeit“.

Nicht vergessen: Uhren werden umgestellt

Mit Beginn der Sommerzeit bleibt es abends länger hell: Zeit für Treffen mit Freunden und der Familie. Foto: dpa

Bleibt nach der Arbeit eine Stunde mehr Licht, hat das auch einen psychologischen Effekt, vermutet Mierke: „Gefühlt bleibt so einfach noch mehr vom Tag übrig.“ Dass die Menschen die Sommerzeit entsprechend nutzen, habe auch eine amerikanische Studie gezeigt, sagt Mierke. Die Forscher fanden heraus, dass Erwachsene durch die Sommerzeit im Schnitt eine halbe Stunde länger draußen ihre Freizeit genießen – und neun Minuten weniger vor dem Fernseher hängen.

Doch zur Sommerzeit gibt es viele Studien, und sie kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) hat sie ausgewertet. Fazit: „Der bis dato vorliegende Erkenntnisstand liefert (…) keine belastbaren Hinweise darauf, dass die Anwendung der Sommerzeit ernsthafte positive oder negative energetische, wirtschaftliche oder gesundheitliche Effekte nach sich zieht.“

Naheliegend ist jedoch: Wer ohnehin schon Probleme hat, morgens früh aufzustehen, wird durch die Zeitumstellung noch weiter belastet. Im Grunde handle es sich um einen öffentlichen Beschluss, nach dem alle eine Stunde früher zur Arbeit beziehungsweise in die Schule gehen müssen, sagt Till Roenneberg, Leiter die Human-Chronobiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Kindern merkt man Zeitumstellung an

Wer früh ins Bett muss, tut sich allerdings manchmal schwer, wenn es noch hell ist. Das merken zum Beispiel die Erzieherinnen in der AWO-Kita Regenbogen an der Beckestraße. Kader Dikenli berichtet, dass es bei vielen Kindern einige Tage dauert, bis sie sich an die Umstellung gewöhnt haben. „Selbst die Kleinsten schlafen unter Umständen schlechter ein, hatten weniger Schlaf und sind deshalb knötteriger als sonst. Aber das gibt sich nach wenigen Tagen.“ Ältere Kinder in diskutierfähigem Alter tragen gern das Argument vor, dass es ja noch gar nicht dunkel und deshalb zu früh zum Zubettgehen sei. In vielen Internet-Foren tauschen Eltern seit Jahren Tipps für die Gewöhnung der lieben Kleinen an die Zeitumstellung aus. Und Kader Dikenli und ihre Kolleginnen warten zweimal im Jahr einfach ein paar Tage ab, bis die innere Uhr ihrer Schützlinge den kleinen Jetlag überwunden hat.

Diese Einschätzung bestätigt Katharina Gonsalves von der Wiegestube Wichtelstübchen in Schwerte-Westhofen: „Manche Kinder leiden mehr unter der Umstellung als andere. Manche haben eh schon einen empfindlichen Schlaf, wofür viele Faktoren eine Rolle spielen können. Da ist die Zeitumstellung ein weiterer Aspekt.“

Das könnte sich jedoch bald ändern: Der Ball liegt bei der EU-Kommission. Sollte sie zu dem Schluss kommen, dass die schädlichen Folgen der Sommerzeit überwiegen, könnte sie den Mitgliedstaaten und dem Parlament einen Vorschlag zur Änderung der entsprechenden Richtlinie unterbreiten. Denn nur die Kommission kann eine Änderung der EU-Richtlinie 2000/84/EG auf den Weg bringen. Doch so lange diese noch gilt, hilft gegen den Ärger nur, an Frühlingsabenden ganz bewusst die Sonne zu genießen.

Mit Material aus den Lokalredaktionen und von dpa

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