Diese Website speichert Cookies auf Ihrem Computer. Diese Cookies werden verwendet, um Ihre Website zu optimieren und Ihnen einen persönlich auf Sie zugeschnittenen Service bereitstellen zu können, sowohl auf dieser Website als auch auf anderen Medienkanälen. Mehr erfahren über die von uns eingesetzten Cookies finden Sie in unserer Datenschutzrichtlinie
Anzeige

Pralles Leben auf dem Geisterschiff: Wracktauchen in Florida

Key West. Weil die Riffe viel von ihrer Pracht verloren haben, setzt man in Florida auf Wracks - sehr zur Freude der Taucher. Doch vor dem Versenken kommt das Ringen mit den Behörden.

/
urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205601
Hunderte Fische umschwimmen das Wrack der „Vanderberg“ - das versenkte Schiff lockt maritimes Leben an. Foto: Don Kincaid/Florida Keys News Bureau

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205993
Versunkene „Vandenberg“: Nach dem Hurrikan „Irma“ haben sich einige Gegenstände in dem Wrack noch einmal verschoben. Foto: Manuela Kirschner

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205602
USA-Flagge an der „Vandenberg“ - es dauerte zwölf Jahre, bis man die Gelder zum Versenken des Schiffs beisammen hatte. Foto: Scott Belt/Florida Keys News Bureau

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205603
Ein zeieinhalb Meter großer, versenkter Jesus Christus: Die Statue ist mittlerweile von Feuerkorallen überwuchert. Foto: Stephen Frink/Florida Keys News Bureau

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205608
Ziel für Sonnenanbeter - und Taucher: Key West aus der Luft. Foto: Laurence Norah/Florida Keys News Bureau/dpa-tmn

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205607
Tauchboot vor Islamorada: Die Wracks am Meeresboden locken Taucher aus aller Welt nach Florida. Foto: Andy Newman/Florida Keys News Bureau

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205605
Korallen vor Key Largo: Weil das drittgrößte Barriereriff der Welt seit den 1970er Jahren schrumpft, wurden als Attraktionen für Taucher viele Schiffe versenkt. Foto: Bob Care/Florida Keys News Bureau

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205600
Taucher am Wrack der „Bibb“, einem ehemaligen Schiff der Küstenwache - es ist Teil des Florida Shipwreck Trails. Foto: Rocky Welch/Florida Keys News Bureau

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205599
Rob Holston ist Gründer der Tauchschule Dive Key West. Foto: Florian Sanktjohanser

Ein Seil weist den Weg in die Tiefe, Hand für Hand ziehen sich die Taucher abwärts. Unten schält sich ein riesiger Schatten aus dem trüben Blau der karibischen See: die „Spiegel Grove“, 155 Meter lang, eines der berühmtesten Wracks der Welt.

Das Landungsschiff der US-Navy fiel keinem Sturm und keinen feindlichen Torpedos zum Opfer. Die Amerikaner versenkten es selbst, zehn Kilometer vor Key Largo. Das ausgeschlachtete Kriegsschiff sollte zum Lebensraum für Korallen und Fische werden, zum Abenteuerspielplatz für Tauchtouristen. Denn die Florida Keys brauchten dringend neue Attraktionen unter Wasser.

Seit den 1970er-Jahren ist der Korallenteppich des drittgrößten Barriereriffs der Welt drastisch geschwunden. Schon früh setzte man deshalb auf künstliche Schauwerte. Seit gut 50 Jahren steht eine zweieinhalb Meter große Christus-Statue auf dem Meeresgrund, mittlerweile von Feuerkorallen bewachsen. Wer Jesus anfasst, verbrennt sich die Finger. In den 1980er-Jahren wurden die „Duane“ und die „Bibb“ versenkt, Boote der Küstenwache. Für viele Jahre war die „Duane“ das meist betauchte Wrack der Welt. Zusammen mit acht anderen Wracks bildet sie den Florida Shipwreck Trail.

Die „ Spiegel Grove“ gehört nicht dazu, sie wurde erst 2002 versenkt. Allerdings nicht ganz so, wie man sich das vorgestellt hatte. Beim Sinken drehte sie sich kopfüber und landete schließlich auf ihrer Steuerbord-Seite - bis Hurrikan „Dennis“ sie 2005 perfekt aufrichtete.

„Der Sturm reparierte die Fehler der Menschen“, sagt Yariem Hernandez Aguilá. Der 41-jährige Kubaner, den alle nur Aqua nennen, ist Tauchlehrer in Key Largo und der Guide der Gruppe heute. Aqua taucht voraus, an einem Turm hinab. Zwei Fledermausfische schauen um die Ecke, ein Kaiserfisch zieht seelenruhig vorbei. Die Gruppe sinkt immer tiefer, 25 Meter, 30 Meter. Das trübe Wasser verstärkt die gespenstische Stimmung. Aqua quert das Vorschiff, vorbei an einem Ausguck mit US-Fahne. Ein Riesenzackenbarsch lauert unter einem Überhang. Immer wieder öffnen sich finstere Luken und Bullaugen.

Ein Schiff als künstliches Riff auf den Meeresboden zu setzen, ist teuer. Und kompliziert. Niemand weiß das besser als Joseph Weatherby, 56. Der Chef der Firma Artificial Reefs International war treibende Kraft hinter dem bisher größten Projekt: der „Vandenberg“. Sie war Truppentransporter, Flüchtlings- und Spionageschiff. Ein Jahrzehnt lang stritt Weatherby mit den 18 Behörden, die alle zustimmen mussten. Am Ende half eine Verbindung direkt ins Weiße Haus. Eine Firma, die normalerweise Bürotürme und Stadien sprengt, ließ das Schiff in wenigen Minuten gleichmäßig sinken.

Bis heute ist das Wrack sehr beliebt. An manchen Tagen liegen zehn Tauchschiffe an den Bojen vertäut. Dennoch ist das Versenken von Schiffen bis heute umstritten. Gegner monieren, dass das Meer vermüllt werde und die Artenvielfalt an natürlichen Riffen leide, weil ein Wrack Fische abziehe. Weatherby macht dagegen eine einfache Gleichung auf: „Mehr Lebensraum, mehr Fische.“

Tatsächlich sitzt die „ Vandenberg“ auf einer Premiumlage und zieht so wie ein Magnet Lebewesen an: Eine Sandbank hebt es vom Grund ab, es gibt viel Licht und wenig Schwebstoffe, und die Kajüten und Lagerräume bieten jede Menge Nischen und Schutz vor Räubern. Schnell siedelten sich die ersten Weichkorallen auf dem Stahl an, später folgten Hartkorallen. Heute hat die „Vandenberg“ eine ähnliche Artenvielfalt wie ein natürliches Riff, fanden Forscher der Organisation Reef in einer dreijährigen Studie heraus. „Wracks werden besser mit dem Alter“, sagt Weatherby. „Wie guter Wein.“

/
urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205601
Hunderte Fische umschwimmen das Wrack der „Vanderberg“ - das versenkte Schiff lockt maritimes Leben an. Foto: Don Kincaid/Florida Keys News Bureau

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205993
Versunkene „Vandenberg“: Nach dem Hurrikan „Irma“ haben sich einige Gegenstände in dem Wrack noch einmal verschoben. Foto: Manuela Kirschner

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205602
USA-Flagge an der „Vandenberg“ - es dauerte zwölf Jahre, bis man die Gelder zum Versenken des Schiffs beisammen hatte. Foto: Scott Belt/Florida Keys News Bureau

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205603
Ein zeieinhalb Meter großer, versenkter Jesus Christus: Die Statue ist mittlerweile von Feuerkorallen überwuchert. Foto: Stephen Frink/Florida Keys News Bureau

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205608
Ziel für Sonnenanbeter - und Taucher: Key West aus der Luft. Foto: Laurence Norah/Florida Keys News Bureau/dpa-tmn

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205607
Tauchboot vor Islamorada: Die Wracks am Meeresboden locken Taucher aus aller Welt nach Florida. Foto: Andy Newman/Florida Keys News Bureau

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205605
Korallen vor Key Largo: Weil das drittgrößte Barriereriff der Welt seit den 1970er Jahren schrumpft, wurden als Attraktionen für Taucher viele Schiffe versenkt. Foto: Bob Care/Florida Keys News Bureau

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205600
Taucher am Wrack der „Bibb“, einem ehemaligen Schiff der Küstenwache - es ist Teil des Florida Shipwreck Trails. Foto: Rocky Welch/Florida Keys News Bureau

urn-newsml-dpa-com-20090101-180507-99-205599
Rob Holston ist Gründer der Tauchschule Dive Key West. Foto: Florian Sanktjohanser

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Reise und Tourismus

Das Geschäft mit dem Reisehunger

Berlin. Stulle vergessen? Auf Bahnfahrten, Busreisen und Flügen wollen Unternehmen eigene Speisen verkaufen. Im ICE geht dabei ein Gericht noch öfter über den Tresen als Chili con Carne.mehr...

Tunis. Orientalisches Flair, schöne Strände und einsame Wüsten - das ist, was Tunesien als Reiseland auszeichnet. Wäre da nicht das Problem mit der Sicherheit. Vor allem Sahara-Touren machen Besucher am besten nicht auf eigene Faust.mehr...

Reise und Tourismus

Thalys-Züge werden moderner

Köln. Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys, der zwischen Köln, Brüssel und Paris verkehrt, soll Reisenden künftig mehr Komfort bieten. In den kommenden Jahren bekommt sein Inneres daher eine neue Ausstattung.mehr...

Reise und Tourismus

Essbare Stadt Andernach

Andernach. Kohl, Kräuter und Kürbisse, Hopfen, Wein und Salate - all das wächst in der Andernacher Altstadt. Pflücken ist erlaubt, denn Andernach ist eine „Essbare Stadt“.mehr...

Oban. Fähre, Reisebus, Ausflugsboot: Mit drei Verkehrsmitteln geht es für Urlauber vom schottischen Festland bis zur kleinen Insel Staffa. Die Tagestour an der Westküste gestaltet sich wie ein Staffellauf. Mit Übergaben, die an das Gedränge einer Wechselzone im Stadion erinnern.mehr...

Heidelberg. Reist man in die nördlichsten Länder der Erde, kann man zur richtigen Jahreszeit die geheimnisvollen Polarlichter am Himmel sehen. Aber wie ist es in der Nähe der Antarktis? Gibt es das Naturphänomen auch im Süden?mehr...