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Praxis mit Meerblick - Der Prozess

Berlin. Wenn eine Arztpraxis sogar Meerblick bietet, dann könnten die Patienten eigentlich sofort wieder gesund werden. Dass das doch nicht so ganz klappt, zeigt die TV-Reihe mit Tanja Wedhorn im Ersten.

Praxis mit Meerblick - Der Prozess

Es knistert zwischen Nora (Tanja Wedhorn) und dem Fischer Matthias (Shenja Lacher). Foto: ARD Degeto/Boris Laewen

Vor gut einem Jahr hat die „Praxis mit Meerblick“ auf der Insel Rügen eröffnet. Und da sich gleich gut fünf Millionen Zuschauer einstellten, kommen nun zwei neue Folgen.

Am letzten Freitag waren 4,4 Millionen Zuschauer dabei, und an diesem Freitag (20.15 Uhr) gibt es im Ersten die dritte Folge mit dem Titel „Der Prozess“.

Nora Kaminski (Tanja Wedhorn) ist mittlerweile 43 und noch immer ohne Doktortitel, und wohl auch deshalb hat sie weniger Patienten als ihr Studienfreund Dr. Richard Freese (Stephan Kampwirth), in dessen Haus sie nun auch wohnt. Während sie der gestürzten Malerin Roswitha Wing (Petra Kelling) in deren Haus zu Hilfe eilt, stapft er derweil durch den Wald, wo er Bäumen erst die Hand gibt und sie sodann umarmt.

Das ist Teil der Therapie, mit der er seine Zwangsneurosen in den Griff bekommen will: Er leidet an Mysophobie, also an einer übersteigerten Angst vor Keimen und Bakterien, und fasst daher weder andere Menschen noch Türklinken an.

Doch ansonsten ist Freese eher harmlos, was man von Noras eitlem Kollegen Dr. Heckmann (Patrick Heyn) aus der Rügenklink nicht gerade sagen kann. Im Gegensatz zu dem Mann mit Profilneurose stellt Nora natürlich stets die richtigen Diagnosen. Dummerweise bekommt sie es erneut mit ihrer Vergangenheit als Ärztin auf einem Kreuzfahrtschiff zu tun, denn die Witwe eines ehemaligen Patienten macht ihr jetzt den Prozess - mit Hilfe eines dubiosen Zeugen. Noras Ex-Mann Peer (Dirk Borchardt) steht ihr spontan als Anwalt bei, während beider Sohn Kai (Lukas Zumbrock) mit seinem Jurastudium hadert. Auch über Noras frischer Liebe zu dem Kutterfischer Matthias Butenschön (Shenja Lacher) liegt ein Schatten, denn er ist pleite und muss sich zudem um seinen Bruder Robin (Max Dominik), der Down-Syndrom hat, kümmern.

Regisseurin Sibylle Tafel („Zwei Bauern und kein Land“; „Der Barcelona-Krimi“, beide Das Erste) zeigt gleich drei Ärzte, die im Grunde selbst zum Arzt gehen sollten. Immerhin sind die Handlungsstränge ganz hübsch miteinander verwoben, und die (etwas zu vielen) Figuren werden von den Schauspielern mit viel Wohlwollen verkörpert. Kameramann Klaus Merkel zeigt dazu schöne Bilder von Rügen.

Die Hauptdarstellerin hat offenbar eine Vorliebe für Inseln - ihre ARD-Reihe „Reiff für die Insel“ spielte auf der Nordseeinsel Föhr. Hier wie dort gibt Tanja Wedhorn eine sympathische Figur mit starkem Helfersyndrom und etwas unheimlich anmutenden Allwissen ab - und doch bleibt ihre patent angelegte Rolle nicht ganz ohne Schrammen. Ihr Charme mag etwas spröde sein, aber ihren Job macht sie natürlich gut - nur in der Liebe hat sie offenbar kein so gutes Händchen.

Tanja Wedhorn (46, „Die Lebenden und die Toten - Ein Taunuskrimi“, ZDF) sagt über ihre Rolle als Nora, dass sie „wurzellos“ und „beruflich stark angeschlagen“ sei. „So holprig ihr Start auf der Insel auch ist, hat sie immerhin einen Job, ein Zimmer und Freese, der an sie glaubt. Sie ist pragmatisch, hält erstmal durch und konzentriert sich auf ihren Prozess. Danach sieht sie weiter.“

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