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Revolverheld: Tanzbar, ruhig und nachdenklich

Hamburg. Die Hamburger Band Revolverheld bringt nach langer Studiopause ein neues Album raus. „Zimmer mit Blick“ bietet gefühlvolle Stücke, aber auch tanzbare Musik und Songs, die zum Nachdenken anregen.

Revolverheld: Tanzbar, ruhig und nachdenklich

Strandjungs: Revolverheld lassen sich von ihrem Alltag inspirieren. Foto: Daniel Bockwoldt

Fünf Jahre ist es her, dass die Band Revolverheld ein neues Studioalbum veröffentlicht hat. Die Auszeit haben die vier Hamburger Musiker unter anderem für ein „MTV Unplugged“-Album genutzt.

Jetzt meldet sich die Rockband mit neuen Songs aus dem Studio zurück. „Zimmer mit Blick“ kombiniert viele klassische Revolverheld-Sounds mit durchaus neuen Tönen. „Wir haben lange an der Platte gearbeitet, über ein Jahr“, sagt Frontmann Johannes Strate (38) im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

2005 hatten Revolverheld ihr erstes Album vorgelegt - seitdem platzierten sie jede ihrer vier Studioplatten in den Top Ten und landeten Hits wie „Lass uns gehen“, „Ich lass für dich das Licht an“ (beide 2014) und „Mit dir chilln“ (2006). „Sicherlich gibt es irgendwo auch Erwartungshaltungen“, erzählt Gitarrist Niels Hansen (37), der gemeinsam mit Strate, Schlagzeuger Jacob Sinn (37) und Gitarristenkollege Kristoffer Hünecke (39) die Band bildet.

Ihr viertes Album („Immer in Bewegung“) war - gemessen an den Verkaufszahlen - ein Kassenschlager. Jetzt soll nachgelegt werden. Mit Liedern, die dazu einladen, in Nostalgie zu schwelgen, nachzudenken und hin und wieder auch zu tanzen. Gleich zu Beginn wird etwa über die Schulzeit, Billig-Schnaps von der Tanke und Panini-Stickeralben gesungen. „Immer noch fühlen“ ist zudem einer der wenigen schnelleren und sehr tanzbaren unter den 12 neuen Titeln.

Für ihre Lieder lassen sich die Musiker von ihrem Alltag inspirieren, erzählen sie. Etwa wenn sie die Herausforderungen einer durchdigitalisierten Gesellschaft thematisieren: „Wir alle hoffen, kämpfen, suchen jeden Tag. Unser Leben ist vollkommen durchgeplant“, heißt es im Lied „Unsichtbar“. Auch ihre Herkunft spiele dabei eine Rolle: „Wir sind Kinder der Nordsee“, sagt Hünecke. Die sei ein Ort, um zur Ruhe zu kommen. Kleine Beobachtungen, die sie etwa bei einem Strandspaziergang machten, flössen ebenso in die Texte mit ein.

Beim ersten Hören der Platte prägen sich vor allem der schnelle Start und ein nachdenkliches Ende ein. Dort findet sich das bisher politischste Lied der Band, wie die Hamburger selber sagen. Mit einer Aufforderung an die Fans, die eigene Komfortzone zu verlassen und daran zu denken, dass es diese Welt übermorgen noch geben sollte. Zwar verstehen sie sich nicht als politische Band, engagieren sich jedoch regelmäßig etwa für die Hamburger Organisation Viva con Agua, die beispielsweise Brunnen in Entwicklungsländern baut.

Dabei schafft es die Band, politische Statements zu setzen, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben. „Die Hurricane-Saison kommt früh, dieses Jahr so schnell wie nie. Die Wellen schwappen übern' Deich, der nächstes Jahr wohl nicht mehr reicht“, singt Strate im Lied „Zimmer mit Blick“. „Was erzähl ich meinem Kind? Das überall auf dieser Erde einfach nur Verrückte sind? Wir haben das alles ja gewusst, doch unternommen haben wir nichts.“

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