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Schmuckes Wohnen in der alten Hörder Polizeiwache

Gemeinschaftliches Wohnprojekt

Warum alleine wohnen, wenn es auch in guter Gemeinschaft geht? Verlässliche Nachbarschaft nennen die Interessierten das, wonach sie an der Alten Benninghofer Straße in Hörde suchen.

Hörde

von Peter Wulle

, 05.07.2018
Schmuckes Wohnen in der alten Hörder Polizeiwache

Eine Kerngruppe für das gemeinschaftliche und genossenschaftliche Wohnen in der früheren Polizeiwache hat sich bereits gefunden. Architekt Norbert Post zeigt, wie das Haus in etwa zwei Jahren aussehen könnte. Eine grüne Dachterrasse soll ins Dach geschnitten werden. © Oliver Schaper

Eine ins Dach geschnittene große, gemeinschaftliche Dachterrasse soll das Herzstück des genossenschaftlichen Mehrgenerationen-Wohnprojektes in der ehemaligen Hörder Polizeiwache an der Alten Benninghofer Straße werden.

Dort oben, hoch über dem Burgunderviertel, möchten sich in etwa zwei Jahren Angela Roelofsen, sie ist 70, und Inga und Jens Lührs, sie sind beide 35, zum Kaffeetrinken oder Kartenspielen treffen. Sie sind drei von aktuell 10 Interessenten, die gerne in die alte Wache einziehen würden. Nicht als Mieter, sondern eher als -Eigentümer.

Mitglieder zahlen einmalig eine Genossenschaftseinlage

„Die Bewohner gründen quasi eine Firma, deren Mieter sie werden“, sagt Birgit Pohlmann, die als Moderatorin für Wohnprojekte das in Hörde entstehende Genossenschaftswohnen begleitet. Die Dachgenossenschaft soll die noch junge Ko-Operativ eG NRW werden. Sie soll Entlastung für das Einzelprojekt bieten und die langfristige Selbstverwaltung und Selbstbestimmung sichern.

Um eine der etwa 20 Wohnungen in der alten Polizeiwache, die Architekt Norbert Post derzeit plant, zu beziehen, bezahlen die Mitglieder einmalig eine Genossenschaftseinlage. Wie Birgit Pohlmann der Kerngruppe mit den bisherigen Interessenten erklärte, wird mit einer Einlage von 600 Euro pro Quadratmeter kalkuliert. Die Einlagen der Mitglieder bilden das Eigenkapital der Genossenschaft.

Menschen, die das solidarische Miteinander und das Gemeinschaftliche suchen

„Es gibt keinen Vermieter oder Investor mit Gewinn-Interessen. Wir zahlen in die eigene Tasche“, sagt Christoph Klein (76). Neben diesem finanziellen Aspekt, der ihm ein vom Mietmarkt entkoppeltes Wohnen mit kalkulierbaren Ausgaben ermögliche, fasziniert ihn vor allem das Gemeinschaftliche, das Miteinander unter einem Dach.

„Ich möchte nicht, wenn meine Tochter im nächsten Jahr Abi macht und auszieht, in einer einsamen Appartementwohnung alt werden. Ich möchte lieber hier dabei sein, wo sich Zusammenschlüsse bilden“, sagt Christoph Klein. Dafür zieht er auch gern aus dem Tremonia-Viertel nach Hörde.

„Das Besondere an einem solchen Wohnprojekt ist ja, dass nur Leute zusammenkommen, die ganz bewusst das solidarische Miteinander und das Gemeinschaftliche suchen“, sagt Birgit Pohlmann. Angela Roelofsen beschreibt ihr Interesse so: „Ich wohne jetzt allein und erhoffe mir nette Nachbarn, mit denen man etwas unternehmen oder beispielsweise gemeinsam kochen kann und die sich gegenseitig unterstützen.“

Wunsch nach verlässlichen Nachbarn

Das junge Ehepaar Inga und Jens Lührs erhofft sich eine verlässliche Nachbarschaft, anstatt anonymen Nebeneinanderherlebens. Dafür ernten sie zustimmendes Kopfnicken in der Runde.

Genau dieser Wunsch nach verlässlichen Nachbarn – vor allem im Alter – macht gemeinschaftliche Wohnprojekte begehrt. „Der Bedarf ist groß. Es ist nur schwer für solche Gruppen, an Grundstücke zu kommen“, so Birgit Pohlmann. Sie wünscht sich mehr Konzeptvergaben seitens der Stadt, die Grundstücksnutzungen an konkrete Wohnformen binden.

Wer in eine Genossenschaftswohnung wie in Hörde einziehen will, braucht zusätzlich zum monatlichen Entgelt Eigenkapital oder muss dieses über einen Kredit bereitstellen. Er hat zwar ein lebenslanges Wohnrecht, muss allerdings einkalkulieren, dass er bei einem Auszug mitunter zwei Jahre auf die Rückzahlung seiner Anteile warten muss.

Vier Millionen Euro werden investiert

Rund vier Millionen Euro sollen inklusive Fördermitteln in den Umbau der einstigen Polizeiwache investiert werden. „Hörde wartet auf so einen Standort in integrierter Lage für unterschiedliche Altersgruppen“, sagt Brigitte Karhoff von der Wohnbund-Beratung NRW.

Dass unten in der Polizeiwache während der Zeit des Nationalsozialismus ein Keller der Gestapo war, stört Christoph Klein als künftigen Bewohner nicht. Im Gegenteil: Auf der grünen Dachterrasse will er bei sich und den anderen das Geschichtsbewusstsein wachhalten.

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