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Die Glocken verlassen das Paul-Gerhardt-Haus

Evangelische Kirche Schwerte gibt Glocken ab

Nach dem Verkauf des Paul-Gerhardt-Hauses hatte die Evangelische Gemeinde drei Glocken zu viel. Die reisten gestern nach Mecklenburg. Verkauft wurde das Geläut, das einst der reformierten Kirche gehörte, aber nicht.

Schwerte

, 05.04.2018
Die Glocken verlassen das Paul-Gerhardt-Haus

Zuletzt wurde die große, 300 Kilogramm schwere Glocke aus dem Gebäude gebracht. Mühlbauer


Ein echtes Läuten der Glocken im Paul-Gerhardt-Haus konnte man zuletzt 2001 hören. Dann wurde der kleine Glockenturm am Gemeindehaus in Schwerte-Ost wegen Baufälligkeit abgerissen. Seitdem standen die drei Glocken im Eingangsbereich des Hauses und wurden vor Gottesdiensten symbolisch mit der Hand dreimal angeschlagen. Doch seit die Evangelische Kirchengemeinde das Paul-Gerhardt-Haus an die tamilische Maranatha-Gemeinde abgegeben hat, wurden die Glocken gar nicht mehr genutzt. Die Gemeinde, die aus Mitgliedern der ganzen Region besteht, läutet traditionell keine Glocken zu ihren Gottesdiensten.

Geläut für 800 Jahre alte Dorfkirche

Gleichzeitig suchte man in Woserin schon lange nach einem Geläut für die über 800 Jahre alte Dorfkirche. Denn die besitzt zwar einen Glockenturm. Der ist aber mit Eisenguss-Glocken ausgestattet, die seit einer Untersuchung vor einigen Jahren nicht mehr geläutet werden sollten. Seitdem hat es Astrid Lange, die Frau des verstorbenen Dorfpfarrers, zur Aufgabe gemacht ein neues Geläut für die alte Kirche zu finden. Aus traditioneller Bronze sollten die Glocken sein.

Unbrauchbare Glocken aus Eisen

Der Glockensachverständiger Claus Peter aus Hamm hatte einst die Empfehlung ausgesprochen, die alten Mecklenburger Glocken nicht mehr zu nutzen. Gleichzeitig hatte er Verbindungen nach Schwerte und wusste um das ungenutzte Geläut des Paul-Gerhardt-Hauses. Am Donnerstagmorgen wurden die drei Glocken feierlich übergeben. Eine Delegation aus Dabel, so heißt die Gemeinde, zu der auch Woserin gehört, holte die Glocken mit einem Transporter ab. Der war auch nötig. Denn obwohl es sich um relativ kleine Glocken handelt, sind die mit einem Gewicht von 100 bis 300 Kilogramm nicht einfach zu bewegen.

Die Glocken verlassen das Paul-Gerhardt-Haus

Mit einem Radlader wurden die Glocken aus dem Paul-Gerhardt-Haus abtransportiert und auf einen Lkw verladen.Mühlbauer

Ursprünglich Glocken des Calvinhauses

Die Geschichte des Geläuts hat Finanzkirchmeister Ulrich Halbach aufgeschrieben. Die beiden älteren Glocken waren nach dem 1. Weltkrieg als Ersatz für das zerstörte Geläut der reformierten Kirche (das heutige Calvinhaus) gegossen worden. Als das Calvinhaus 1945 bei einem Bombenangriff nahezu komplett zerstört wurde, fielen die Glocken nahezu unversehrt auf den Trümmerberg, wo sie geborgen werden konnten. Als das Paul-Gerhardt-Haus 1956/57 gebaut wurde, hängte man die beiden Glocken dort in einem Stahlglockenstuhl auf, der neben dem Gebäude stand. Da die beiden kleinen Glocken alleine nicht reichten, wurde eine dritte, größere Glocke, bei einer Gießerei in Apolda in Auftrag gegeben.

Delegation kam mit LKW und Spende

Mit einer kleinen Andacht übergaben die Schwerter nun die drei Bronze-Glocken an die Gemeinde aus Mecklenburg. Die war mit einer kleinen Delegation, einem Lastwagen und einer Spende für die Sanierung der St.-Viktor-Kirche angereist. Denn die Glocken wurden nicht verkauft, sondern übergeben. Der Dabelner Pfarrer Frank-Michael Wessel sah die Übergabe deshalb auch als ein Zeichen, dass die Christen zu „einer Gemeinde“ gehören. Er lud die Schwerter zu einem Gegenbesuch ins rund 500 Kilometer entfernte Woserin ein, wenn die Glocken eingeweiht werden. Ein Termin dafür steht aber noch nicht fest. Für die Schwerter Kollegen gab es zudem noch ein paar Spezialitäten aus der Region, zum Beispiel Schwarzbier.

Maranata-Gemeinde zog schon ein

Das Paul-Gerhardt-Haus sei notariell zwar noch nicht verkauft, werde aber bereits seit einiger Zeit von der Maranata-Gemeinde genutzt, erklärte Ulrich Halbach. Nun verfüge man noch über die Orgel des ehemaligen Gemeindehauses. Denn die brauche die tamilische Gemeinde auch nicht für ihre Gottesdienste. Im Presbyterium werde derzeit diskutiert, was man mit dem Instrument, das einst von van Vulpen in Utrecht gebaut wurde, machen solle.