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Zeitungsausträger: Die Nachtwerkerin

SCHWERTE Wenn die Nacht am tiefsten ist, werden sie aktiv. Quer durch die Straßen der Ruhrstadt verteilen sich die Zeitungszusteller. Ihr Ziel: die Briefkästen.

von von Jürgen Koers

, 14.06.2008
Zeitungsausträger: Die Nachtwerkerin

Mit viel Fingerspitzengefühl sorgt Ulla Witt dafür, dass früh morgens die Ruhr Nachrichten in den Briefkästen der Abonnenten landen. Während die ganze Stadt schläft, verrichtet Witt ihr Nachtwerk.

„Wenn man das Aufstehen erst einmal hinter sich hat, ist das eigentlich ein ganz schöner Job“, sagt Ulla Witt. Es ist kurz vor drei Uhr morgens, als die 54-Jährige an der Sammelstelle mehrere Bündel Ruhr Nachrichten in ihren Renault lädt.

Mitten in der Nacht liegt die Stadt im Tiefschlaf. Die Luft ist klar. Es ist still in den Straßen. Sehr still. „Bei diesem Haus die drei Briefkästen von oben“, flüstert Ulla Witt. Alle Namen der Empfänger könne sie sich nicht merken, meint sie. Aber die Briefkästen kennt sie alle. Da gibt es leichte aus Plastik, schwere, klobige Kästen aus Aluminium oder sogar reich verzierte Prunkstücke. Manche sind an der Treppe angebracht, andere haben einen Schlitz in der Tür. „Schwierig wird es nur, wenn die Zeitungen sehr dick sind. Dann sind manche Kästen zu schmal“, weiß Ulla Witt. Sie kennt alle Einwurforte in Schwerte. Seit zehn Jahren stellt sie Zeitungen zu. An diesem warmen Junimorgen kommt sie dabei sogar ins Schwitzen. In ihrer Umhängetasche schleppt sie 50 Mal die Schwerter Zeitung von Haustür zu Haustür. In einigen Ecken stehen keine Straßenlaternen. Bäume fangen in den Eingängen das Mondlicht ab. Ulla Witt zückt die Taschenlampe, erleuchtet sich den Weg. „Auch wenn man alle Ecken kennt, muss man aufpassen. Manche Kollegen sind im Dunkeln schon mal gestürzt.“ Vorsicht ist also angesagt.

Mit dem natürlichen Feind der Postboten und Zeitungszusteller steht sie nicht auf Kriegsfuß, nur einmal sei sie von einem Hund angefallen worden. In dieser Nacht bellen keine Hunde. Nur eine dicke schwarze Katze thront als Königin der Nacht neugierig auf einem Pfeiler. Nach ungezählten „Klappe auf – Klappe zu“ leert sich der Vorrat. Ein Motorroller brummt. Der Zusteller einer anderen Zeitung. Kurze Begrüßung. Man kennt sich. Ob er eine Ruhr Nachrichten haben könne, fragt er. Die sei doch besser... Gegen halb fünf gehen in den Häusern die ersten Lichter an. Ulla Witt ist fertig mit ihrer Tour. Die Leser können ihre Zeitung zum Frühstück genießen – die Zusteller haben ihr Nachtwerk vollbracht.

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