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Scott Matthew: Opulenz, Traurigkeit und Licht

Berlin. Traurigkeit ist die Grundstimmung: Mit seinen Songs steigt Scott Matthew in die Finsternis hinab. Auf seinem Album „Ode To Others“ ist aber vieles neu.

Scott Matthew: Opulenz, Traurigkeit und Licht

Scott Matthew rührt das Herz an. Foto: Michael Mann

Ein Spitzendeckchen auf dem Cover - das muss man sich erst einmal trauen. Aber man kann das Tüchlein gut gebrauchen, um seine Tränen zu trocknen. Auch Scott Matthews neues Album „Ode To Others“ ist traurig grundiert.

In einem verdunkelten Zimmer, wie man vielleicht meinen könnte, lebt Scott Matthew dennoch nicht. „Ich bin genauso glücklich wieder jeder andere auch, wenn ich aber meine Lieder schreibe, dann steige ich in die Finsternis hinab“, sagte einmal.

Auf seinen fünf bisherigen Alben hat der in Australien geborene und in New York heimisch gewordene Singer-Songwriter vornehmlich die Schmerzen der Liebe, jede Menge Selbstzweifel und die Angst vor der Einsamkeit in ihren dunkelsten Winkeln durchleuchtet. Auf „Ode To Others“ lenkt er nun aber seinen Blick in eine neue Richtung. Die entschleunigte und herzzereißende Melancholie seiner Balladen, in die diesmal aber etwas Licht fällt, ist gleichwohl geblieben.

„Ich habe Oden an Menschen verfasst, die ich liebe oder verehre, auch fiktive Menschen - und an Orte, die in meinem Herzen sind“, sagt Scott Matthews zu seiner Horizonterweiterung.

Manche Menschen haben allerdings gar keinen Platz in seinem Herzen. Der kämpferische Opener „End Of Days“ ist direkt auf Donald Trump gemünzt und ruft zum Widerstand auf - geleitet von der Liebe. Seinen Protestsong hat Matthew in einen verführerischen Shuffle verpackt, der diese Ode an alle Widerständigen damit nur noch emotionaler macht.

Überhaupt versteht sich Scott meisterhaft darauf das Herz anzusprechen und Gefühle zu evozieren. Dafür hat er diesmal zu einem ganz „großen Orchester“ gegriffen, das seinen zehn Songs (inkl. einiger Coverversionen) eine ganz neue Opulenz gibt.

Cello, Trompete, Posaune und Geige schweben um seine sanft-warme Stimme, die aber immer im Vordergrund steht. Und der Mann, der mit seiner Ukulele einen ganzen Club in Verzückung versetzen kann, erweist sich dabei als ganz großer Crooner.

Ein großer Sänger, der ergreifende Lieder schreibt. In „The Wish“ geht es um das Attentat in Orlando, als in dem Club „Pulse“ 49 Menschen getötet wurden. Einen „Anschlag auf die Liebe“ nennt es Scott Matthew, der zu dunklen und schmerzlichen Pianoklängen gleichzeitig seine Ohnmacht beklagt. Besonders greifbar wird der Schmerz in dem Video zu „The Wish“, das allein von der Präsenz Scott Matthews lebt, der fast vollständig ins Dunkel getaucht die richtigen Bilder findet.

„Ode To Others“ ist ein beeidruckendes Werk, das durch die opulentere Instrumentierung und thematische Öffnung das bisher reifste Album von Scott Matthew ist.

Tourdaten: 09.05. Köln - Kulturkirche, 10.05. Dresden - Societaetstheater, 11.05. Mannheim - Alte Feuerwache, 12.05. Hamburg - Gruenspan, 13.05. Berlin - Heimathafen, 15.05. Leipzig - UT Connewitz 16.05. Münster - Pumpenhaus, 17.05. Frankfurt - Mousonturm, 18.05. Schorndorf - Manufaktur, 19.05. Beverungen - Orange Blossom Special, 21.05. München - Theatron Festival

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