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Seehofer will Parteivorsitz und Ministeramt abgeben

Unions-Krise

Paukenschlag in München: Völlig überraschend bietet CSU-Chef und Bundesinnenminister Seehofer seinen Rücktritt an. Doch die CSU-Spitze will ihn davon abbringen. Hat sie eine Chance?

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München

, 01.07.2018
Seehofer will Parteivorsitz und Ministeramt abgeben

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat den Rücktritt von seinen Ämtern angeboten. © dpa

Als Konsequenz aus dem erbitterten Asylstreit mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will Bundesinnenminister und CSU-Chef Horst Seehofer seine beiden Ämter aufgeben. Das kündigte er am späten Sonntagabend in einer CSU-Vorstandssitzung in München an. Dies bestätigten mehrere Teilnehmer der Vorstandssitzung. Die engste Parteispitze will ihn allerdings von diesem Schritt abhalten und zum Weitermachen bewegen. Dazu wurde die Sitzung unterbrochen, die engste Parteispitze zog sich mit Seehofer zu Beratungen zurück.

Seehofer sagte nach fast achtstündigen Beratungen laut Teilnehmern, es gebe drei Optionen: Entweder die CSU beuge sich dem Kurs von Merkel in der Asylpolitik. Oder er ordne als Innenminister die Zurückweisung bestimmter Migranten an der deutschen Grenze an - mit allen damit verbundenen Gefahren für den Fortbestand der Koalition. Und die dritte Option sei, dass er als Parteichef und Minister zurücktrete - und das habe er auch vor zu tun. Er werde am kommenden Mittwoch 69 Jahre alt, und er habe viel erreicht.

Dobrindt will Seehofer nicht gehen lassen

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt widersprach daraufhin umgehend. „Das ist eine Entscheidung, die ich so nicht akzeptieren kann“, sagte er nach Angaben von Teilnehmern in der Sitzung des CSU-Vorstands. Dobrindt habe dafür lang anhaltenden Applaus erhalten, hieß es. Letztlich habe die Uneinsichtigkeit der Kanzlerin die CSU in die jetzige Situation gebracht. Wie lange die seit fast acht Stunden andauernde Gremiensitzung pausieren würde, war zunächst unklar.

Der CSU-Vorstand hatte seit dem Nachmittag über die Konsequenzen der CSU aus dem Asylstreit mit der CDU diskutiert. Dabei hatten Seehofer und seine Parteifreunde sich mehrheitlich gegen die Beschlüsse des EU-Gipfels und für einen nationalen Alleingang ausgesprochen - was Merkel vehement ablehnt.

Seehofer ist erst seit rund 100 Tagen in der neuen großen Koalition Bundesinnenminister, seit 2008 ist er CSU-Vorsitzender.

von dpa