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Wenn der Hund wegen des Schädlings Pulli trägt

Eichenprozessionsspinner in Selm

Seit Wochen hält das Thema an: Der Eichenprozessionsspinner verbreitet sich in unserer Region rasend schnell. Renate Flörke aus Bork ist betroffen, sie plagt ein schwerer Juckreiz. Auch hier Hund ist betroffen. Doch Hilfe ist noch nicht in Sicht.

Bork

, 16.06.2018
Wenn der Hund wegen des Schädlings Pulli trägt

Hündin Nele kratzt sich ständig, darum hat ihr Renate Flörke ein T-Shirt übergezogen. Auch die jungen Welpen plagt der Juckreiz. © Foto Malte Bock

Renate Flörke juckt es. Am ganzen Körper. An den Handgelenken hat sie die kleinen roten Pusteln bereits blutig gekratzt. Die Stellen ziehen sich jedoch an beiden Armen hoch. „Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll“, sagt sie. Den Grund für den Juckreiz hat die Borkerin längst ausgemacht. Es ist das Tierchen, das seit Wochen in aller Munde ist: Der Eichenprozessionsspinner.

Hunde leiden unter Juckreiz

Renate und Ulrich Flörke wohnen in Bork im Rauhen Busch – direkt neben dem Kinderspielplatz, auf dem gleich mehrere Eichen stehen. Der Spielplatz wiederum ist gesperrt, ein Hinweis am Eingang verweist auf den Prozessionsspinner als Grund. Die Nester der Raupen sind aber auch vom Bürgersteig gut sichtbar, hoch oben in den Bäumen. Vor rund fünf Wochen sei die Sperrung durch Mitarbeiter der Stadtwerke erfolgt, erzählt Renate Flörke. Die 63-Jährige hat sich am Donnerstag telefonisch in unserer Redaktion gemeldet. „Ich bin niemand, der schnell zur Zeitung geht“, stellt sie später im Gespräch klar. Mehrmals habe sie zuvor mit den Stadtwerken telefoniert. Alle seien immer nett gewesen, hätten Hilfe versprochen. Sie wolle auch nicht die Stadt schlecht machen, aber passiert sei nichts.

Denn, was Renate Flörke am meisten trifft, ist, dass nicht nur sie unter dem Juckreiz leidet, sondern auch ihre Hunde.

Wenn der Hund wegen des Schädlings Pulli trägt

So sehen die Hautreizungen aus, die der Eichenprozessionsspinner verursacht hat. © Foto Malte Bock

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Die Borkerin, die mit ihrem Mann vor sechseinhalb Jahren aus Dortmund in den Rauhen Busch gezogen ist, hat sich vor kurzem einen Traum erfüllt. Sie ist Hundezüchterin und hatte Glück: Golden Retriever-Hündin Nele hat vor sechs Wochen gleich neun Welpen geworfen. Seit drei Wochen sind die Kleinen draußen, tollen im Garten herum – und jucken sich auffallend oft. „Natürlich kratzen sich Welpen mal, aber längst nicht so häufig“, sagt Renate Flörke. Hündin Nele trägt sogar schon ein T-Shirt am Körper – eben weil sie Juckstellen aufweist.

„Ich kann die Tiere aber nicht die ganze Zeit im Haus lassen“, beschreibt Flörke die Situation.

Lange Hosen und lange Ärmel

Sie selber gehe nur noch in langen Hosen und mit langen Ärmeln raus. Sie habe sogar Angst, die Fenster zum Lüften zu öffnen. Denn sie wisse, dass es gerade die kleinen Härchen des Eichenprozessionsspinners sind, die den Juckreiz auslösen. Und die fliegen eben durch die Luft. „Und wir haben hier Südwestwind“, erklärt Ulrich Flörke.

Verbreitet sei der Juckreiz auch schon in der Nachbarschaft im Rauhen Busch, sogar bereits ärztlich bestätigt, ausgelöst durch den Prozessionsspinner. Hautarzt Andreas Leibing sagt auf Anfrage, dass der Juckreiz mehr als zwei Wochen anhalten könne. Behandelt werde meistens mit Cortison oder Antibiotikum.

Schwierige Lösung

Für die Stadt ist das Problem schwer zu lösen. Malte Woesmann, Pressesprecher der Stadt Selm, verweist darauf, dass die von der Stadt beauftragten Firmen zur Schädlingsbekämpfung arbeiten würden. Sie arbeiteten eine Prioritätenliste ab. Zunächst dort, wo viele Menschen mit dem Tier in Berührung kommen könnten. Aber eins stellt Woesmann klar: „Die Firmen arbeiten nicht nur für uns und sind völlig überlastet.“ Auch Förster Marco Adamek bestätigt auf Nachfrage: „Die Raupen sind in diesem Jahr überall.“ Und dann sagt er einen Satz, der den Flörkes in Bork kaum Hoffnung geben wird: „So schnell werden wir den Eichenprozessionsspinner nicht mehr los und es ist schier unmöglich, ihn überall zu entfernen.“ Malte Woesmann zeigt zumindest eine Lösung auf und sagt, dass die Stadt zukünftig präventiv gegen die Plage vorgehen wolle.