Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

Sibylle Luithlens starkes Romandebüt

München. Sibylle Luithlen beschreibt in eindringlicher Form, wie eine junge Lehrerin eine schwierige Trennungsphase durchlebt. Und sich auf den Weg macht, sich selbst besser zu ergründen.

Ein junges Paar mit einer kleinen Tochter trennt sich. Die beiden Erwachsenen heißen Feline und Lars. Ihre Tochter Youna kam schon während des Studiums zur Welt. Und noch bevor sich die zwei beruflich richtig etabliert sind, ist ihre Liebe am Ende. Das klingt traurig, aber zugleich nach einer sehr alltäglichen Geschichte.

Was Autorin Sibylle Luithlen daraus in ihrem Romandebüt „Wir müssen reden“ macht, ist dennoch alles andere als alltäglich: Sie erzählt in einer feinfühligen, eindringlichen Sprache von Sehnsüchten und der Verzweiflung ihrer Hauptfigur Feline - und von deren ersten Schritten zum Neuanfang.

Die Geschichte beginnt mit Lars' Geständnis. „Wir müssen reden“, so läutet er ein, dass er sich neu verliebt hat. Sibylle Luithlen, geboren 1972 in Bonn, schildert in der 3. Person, dabei jedoch stets aus der Perspektive von Feline Kugler. Sie berichtet, wie die junge Pädagogin in die Krise steuerte - und wie sie mit dem Beziehungsaus umgeht.

Die Autorin lässt ihre Leser und Leserinnen tief in die Gedankenwelt und die Gefühle ihrer Protagonistin eintauchen. Sie schildert eine junge, nach außen energisch und erfolgreich wirkende Frau, die unter der Trennung der eigenen Eltern gelitten hat. Die beim Versuch, Lehrerin zu werden, überraschend vor der Klasse scheitert. Und die nach der Aussprache mit Lars für ein paar Sommerwochen in die schwäbische Provinz flüchtet.

Dort lernt sie Silver kennen. Einen Mann, der ohne große Plänen in den Tag hinein lebt und Hilfsarbeiten macht. In vielem wirkt er wie das Gegenteil von Feline. Was die zwei verbindet, ist ihre Verletzlichkeit. So fühlen sie sich stark zueinander hingezogen und beginnen eine Affäre. Als Feline allerdings begreift, dass Silver Alkoholiker ist, wird ihr klar: Diese Liebesbeziehung ist auf Dauer nichts für sie - auch wenn sie sie gerade jetzt voll genießt.

Als eine der großen Stärken des Romans erweist sich - neben dem nie voyeuristischen Eindringen in die Innenwelt Felines - der hervorragende, oft auch humorvolle Umgang mit Sprache. So nennt die betrogene Mutter Lars' neue Freundin beim Grübeln nicht einfach beim Namen, sondern wählt häufig den Zusatz „Prinzessin“ Loles. Trauer, Verzweiflung, Wut, vieles schwingt in dieser Wortwahl mit.

Ein weiterer Höhepunkt ist die kurze Geschichte in der Geschichte über Felines Großvater. Sie handelt von dessen tragischer Lebensliebe. Und von einem - von Feline phantasievoll ausgeschmückten - Italienabenteuer.

Wer angesichts dieser Problemballung denkt, der Roman könne seine Leser nur betrübt hinterlassen, der irrt: Feline kehrt aus ihrer Sommer-Flucht gestärkt zurück und beginnt ihr neues Leben mit Tochter Youna. Es ist etwas in ihr in Gang gekommen. Ziel? Offen.

Sibylle Luithlen: Wir müssen reden, Deutsche Verlags-Anstalt, München, 249 Seiten, 20 Euro, ISBN 978-3-421-04795-3

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Berlin. Auf seine alten Tage reist der DDR-Schriftsteller Landolf Scherzer als Tourist zum ersten Mal nach Kuba - und schreibt ein Buch darüber. Auf den Sozialismus lässt er nichts kommen.mehr...

Berlin. Zwischen Lächerlichkeit und Entsetzen: Der französische Autor Éric Vuillard seziert den Aufstieg der Nationalsozialisten in brillanten Momentaufnahmen.mehr...

Berlin. Gesunde Männer für ein starkes Amerika: Ein wiederentdeckter Ratgeber zeigt Walt Whitmans Vorliebe für schöne, starke Männer und sein darwinistisches Menschenbild.mehr...

Berlin. Das Berliner Luxushotel Adlon direkt am Brandenburger Tor war vor 100 Jahren Schauplatz eines Verbrechens, das Kriminalgeschichte schrieb. Helmut Böger stellt den Fall in „Mord im Adlon“ in geschichtlichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen dar.mehr...

Berlin. War der Krieg im Mittelalter wirklich brutaler als heute? Die Gräber von Verdun und Katyn sagen etwas anderes. Doch auch damals kämpften nicht nur edle Ritter. Schon eher Raufbolde, deren Profession das Töten war.mehr...

Martha hat Begabungen, die aus dem Rahmen fallen. Sie kann Töne sehen und Geige spielen wie sonst niemand. Und sie will am Bauhaus herausfinden, was das bedeutet. Dort trifft sie Paul Klee und Wassili Kandinsky.mehr...