Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

„Sichtbarer Migrationshintergrund“ Grund für Diskriminierung

Berlin. Wer keine weiße Haut hat, Kopftuch oder Sari trägt, wird oft gefragt, wie lange er oder sie denn schon in Deutschland sei. Und für wann denn die Rückkehr in die Heimat geplant sei. Das nervt vor allem dann, wenn man sein ganzes Leben in Neuss oder Berlin-Wedding verbracht hat.

„Sichtbarer Migrationshintergrund“ Grund für Diskriminierung

Zwei Frauen mit Kopftüchern gehen in Frankfurt spazieren. Foto: Laura Lewandowski

Wer sich durch seine Hautfarbe, ein Kopftuch oder andere äußerliche Merkmale von der Mehrheitsbevölkerung abhebt, erlebt weitaus häufiger Diskriminierung als andere Menschen mit Migrationsgeschichte.

Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten repräsentativen Untersuchung des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) hervor.

Die von den Betroffenen empfundene Diskriminierung reicht von Gewalt, beleidigenden Äußerungen, Benachteiligungen bei der Job- und Wohnungssuche bis hin zu Handlungen, die vom Gegenüber vielleicht gar nicht unbedingt negativ gemeint sind. Dazu zählt aus Sicht vieler Zuwanderer die oft ohne böse Absicht gestellte Frage, „Wo kommst Du denn eigentlich her?“. Ein Tourist würde sich darüber wohl nur in den seltensten Fällen empören. Ein 50-jähriger Deutscher, der akzentfrei spricht und einen Afroamerikaner zum Vater hat, reagiert aber vielleicht mit Recht genervt, wenn ihm diese Frage einmal pro Woche von Menschen, die er zum ersten Mal trifft, gestellt wird. Seit dem Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 sei dieses „immer wieder neu ankommen“ noch häufiger geworden, erzählen Betroffene.  

Von den Zugewanderten, die ihr eigenes Aussehen in der SVR-Befragung als „typisch deutsch“ beschrieben, gaben rund 17 Prozent an, sie fühlten sich aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt. Von den Studienteilnehmern „mit sichtbarem Migrationshintergrund“ berichteten dagegen 48 Prozent von Diskriminierungserfahrungen. Wenn Menschen aus dieser Gruppe der „phänotypisch Differenten“ außerdem mit Akzent Deutsch sprachen, stieg dieser Wert sogar auf 59 Prozent an.

Einen großen Effekt hat aber auch die Religionszugehörigkeit von Menschen mit ausländischen Wurzeln. Den Angaben zufolge fühlen sich 55 Prozent der zugewanderten Muslime diskriminiert. Unter den Christen mit Migrationshintergrund sind es 29 Prozent, unter den Zuwanderern ohne Glaubenszugehörigkeit 32 Prozent.

Die von der Stiftung Mercator geförderte Studie trägt den Titel: „Wo kommen Sie eigentlich ursprünglich her? Diskriminierungserfahrungen und phänotypische Differenz in Deutschland“. Ihr Autor, Alex Wittlif, weist darauf hin, dass das subjektive Erleben der Befragten nicht mit objektiver Diskriminierung gleichzusetzen sei. Denn einerseits sei nicht jede Benachteiligung für die Betroffenen erkennbar. Andererseits könnten Zuwanderer auch bestimmte Situationen fälschlicherweise als diskriminierend einstufen.

So glaubt ein Bewerber, der eine Stelle nicht erhält, womöglich, er werde aufgrund seiner Hautfarbe abgelehnt. Der Arbeitgeber hat ihm vielleicht gesagt, man habe sich für den Job in einem Szene-Café einen „anderen Typ“ vorgestellt. In Wirklichkeit liegt es aber gar nicht an seiner Hautfarbe, sondern die Betreiber wünschen sich jüngere, weniger konservativ gekleidete Servicekräfte.

Wer gebildeter ist und sich selbst als besonders gut integriert empfindet, hat zudem oft einen höheren Anspruch in Sachen Akzeptanz und Chancengleichheit als Menschen mit niedrigem Bildungsniveau. Das könnte auch erklären, weshalb die in Deutschland ansässigen Türkeistämmigen mit hoher Bildung besonders häufig über Benachteiligungserfahrungen klagen. Der Studie zufolge hat jeder zweite Türkeistämmige mit niedriger Bildung nach eigener Aussage schon Diskriminierung erlebt. Unter den Befragten mit hoher Bildung lag der Anteil sogar bei fast 62 Prozent.

Bei den Spätaussiedlern ergibt sich ein umgekehrtes Bild. In dieser Gruppe fühlen sich die Menschen mit niedriger Bildung (40,4 Prozent) stärker diskriminiert als die Spätaussiedler mit hoher Bildung (28,7 Prozent).

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Berlin. In Baden-Württemberg wird ein Stolperstein verlegt für den von den Nazis ermordeten KPD-Chef Thälmann, eine umstrittene Figur. Der AfD-Politiker Gedeon stellt deshalb diese Art des Gedenkens generell in Frage - und stößt auf scharfe Kritik des Bundesjustizministers.mehr...

Berlin. Ist die SPD jetzt auch noch auf den Hund gekommen? „Lima“ wird zum Politikum und Streitfall: Die „Bild“ wollte testen, wie gut die Schutzmechanismen der Partei funktionieren, um eine Unterwanderung durch fragwürdige Mitglieder beim Votum über die Groko zu verhindern.mehr...

Berlin/Hannover. Die AfD fühlt sich durch den Absturz der SPD in den Umfragen in ihrem Rechtskurs bestätigt. Die SPD habe jetzt die Quittung dafür erhalten, dass sie einen Teil ihrer früheren Anhängerschaft mit seinen „Überfremdungsängsten“ alleingelassen und teilweise sogar beschimpft habe.mehr...

Gütersloh. Viele private Initiativen sind bei der Flüchtlingshilfe für den Staat in die Bresche gesprungen. Für ihre Arbeit brauchen sie Geld. Aber nur knapp mehr als ein Drittel ruft die vorhandenen Fördergelder auch ab. Die Gründe dafür sind vielfältig.mehr...

Berlin. CDU-Chefin Merkel hat mit der Entscheidung für ihre neue Parteimanagerin eine Überraschung gelandet - und erntet ein positives Echo aus den eigenen Reihen. Inhaltliche Erwartungen gibt es auch.mehr...

Berlin. Nun liegt alles in der Hand der SPD-Mitglieder. Für oder gegen die GroKo unter Merkel - das Mitgliedervotum bei den Sozialdemokraten ist eröffnet. Die designierte SPD-Chefin Nahles kämpft für ein Ja der Genossen und gegen immer neue Tiefstände in den Umfragen.mehr...