Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

Gesetzentwurf für G9 in Landtag eingebracht

Sorge vor hohen Kosten bei Rückkehr zu G9

Düsseldorf Das neunjährige Gymnasium in Nordrhein-Westfalen rückt näher. Alle Fraktionen im Landtag sind dafür. Aber es gibt eine große Unbekannte: Wie teuer wird die Umstellung vom „Turbo-Abi“ auf G9?

Sorge vor hohen Kosten bei Rückkehr zu G9

Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium in NRW rückt immer näher. Foto: dpa

Die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren in Nordrhein-Westfalen die erste parlamentarische Hürde genommen - doch es gibt Sorgen wegen der hohen Kosten. Der G9-Gesetzentwurf der CDU/FDP-Landesregierung wurde am Donnerstag in erster Lesung in den Landtag eingebracht. Noch vor der Sommerpause solle der Wechsel vom acht- auf das neunjährige Gymnasium vom Landtag beschlossen werden, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). „Der Gesetzentwurf markiert den Anfang vom Ende einer jahrelangen Debatte.“

Doch die Umstellung kostet viel Geld. Das Land werde „fairer Partner der Kommunen“ sein und die Kosten etwa für zusätzliche Räume in Gymnasien übernehmen, versprach die Ministerin. Die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren werde auch nicht zu Lasten anderer Schulformen gehen. Gleichzeitig zum G9-Gesetz müsse deshalb ein Gesetz zum Belastungsausgleich in Kraft treten. Die Kosten des Umstiegs auf G9 würden derzeit geschätzt.

DORTMUND Bei Intelligenztests von G8- und G9-Schülern schneiden die Jugendlichen besser ab, die nach neun Jahren Abitur machen. Das hat ein Forscherteam der Universitäten Dortmund und Marburg herausgefunden.mehr...

Der SPD-Schulpolitiker Jochen Ott prognostizierte: „Mit einer Milliarde werden Sie nicht hinkommen.“ Er warnte davor, dass in den nächsten Jahren sämtliche Mittel in die Gymnasien flössen, um G9 umzusetzen. In Bayern etwa kostet die Umstellung auf G9 nach Schätzungen 350 bis 500 Millionen Euro.

Erster regulärer G9-Jahrgang macht 2027 Abitur

Die Umstellung an öffentlichen Gymnasien in NRW startet laut Gesetz im Schuljahr 2019/20 mit den Klassen fünf und sechs. Der erste reguläre G9-Jahrgang macht 2027 Abitur. Schüler, die jetzt ein Gymnasium besuchen, machen noch das Abitur nach acht Jahren.

Im Plenum zeigten sich alle Fraktionen einig, dass NRW wie andere Bundesländer auch zum G9 zurückkehren müsse. „Alle gemeinsam haben wir einen großen Fehler gemacht“, sagte Ott mit Blick auf das viel kritisierte „Turbo-Abi“ nach acht Jahren. Anstatt auf das Wohl der Kinder zu achten, habe man sich seinerzeit dem Druck der Wirtschaft gebeugt. Inzwischen aber wundere man sich in Unternehmen, dass sich nach dem Wegfall der Wehrpflicht und der Reform der Studiengänge Bachelor-Absolventen vorstellten, die erst 21 Jahre alt seien.

Die CDU-Abgeordnete Petra Vogt sagte zur Umstellung auf G9: „Auf diesen Tag haben die Menschen in NRW lange gewartet.“ Der AfD-Politiker Helmut Seifen sagte: „Kinder sind keine Leistungsmaschinen.“ Das G8 sei damals „ohne Empathie durchgedrückt worden“ - teilweise „ohne Sinn und Verstand“.

Möglichkeit des Halbtagesbetriebs stößt auf Kritik

Kritik gab es aber daran, dass Gymnasien auch bei G8 bleiben können, wenn die Schulkonferenz einen einmaligen Beschluss dazu fasst. Die SPD forderte in einem eigenen Antrag eine ausnahmslose Rückkehr aller Gymnasien zu G9. Die Oberstufe solle außerdem so reformiert werden, dass das Abitur nach neun Jahren zwar die Regel, aber auch das Abitur nach acht Jahren möglich bleibe. Die AfD warf der Landesregierung vor, mit der Wahlmöglichkeit der Schulen ein „neues Durcheinander“ zu schaffen. Das Schulministerium rechnet damit, dass mehr als 90 Prozent der Gymnasien zu G9 zurückkehren werden.

Anmeldungen zu weiterführenden Schulen

Rückkehr der Container an weiterführenden Schulen

DORTMUND Dortmund wächst. Und damit auch die Zahl der Schülerinnen und Schüler an den weiterführenden Schulen. Dazu kommt die Rückkehr zu G9 an den Gymnasien. Das wird spätestens in zwei Jahren Konsequenzen haben. Denn die Räume werden knapp.mehr...

Auch die von Gebauer zugesagte Möglichkeit des Halbtagesbetriebs der Gymnasien unter G9-Bedingungen stieß auf Kritik. Die Grünen-Abgeordnete Sigrid Beer forderte, die Möglichkeit des Ganztagesbetriebs „als Angebot einer umfassenden Bildung“ aufrechtzuerhalten. Die Uhr dürfe jetzt nicht wieder zurückgedreht werden.

dpa

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Toronto. Der Westen will wieder mit Russland ins Gespräch kommen. Aber die Dialogbereitschaft hat Grenzen. Beim G7-Treffen in Toronto wird nur über statt mit Russland geredet. Außenminister Maas bekräftigt seine harte Linie gegenüber Moskau - und bekommt viel Gegenwind.mehr...

Peking/Seoul/Washington. Kim Jong Un will seine Atom- und Raketentests stoppen. Aber sein Arsenal will Nordkoreas Machthaber nicht aufgeben. Es ist sein Faustpfand. Nur wie sind da Fortschritte bei seinen baldigen Gipfeln mit Moon und Trump möglich? Experten sind vorsichtig optimistisch.mehr...

Berlin. Die AfD beherrscht das Spiel mit Provokationen. Ihre Anfrage zu Behinderten in Deutschland hat weithin Empörung ausgelöst. Die Sozialverbände sehen sich „an die dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte“ erinnert - und gehen in die Offensive.mehr...

Berlin. Ein halbes Jahr vor der Landtagswahl in Bayern hat die CSU einer neuen Umfrage zufolge an Zustimmung gewonnen. 42 Prozent der Befragten würden den Christsozialen ihre Stimme geben, wenn schon am Sonntag Wahl wäre.mehr...

Wiesbaden. Die SPD-Führung hatte sich ein Aufbruchsignal vom Parteitag in Wiesbaden erhofft. Das bleibt aus. Andrea Nahles muss bei ihrer historischen Wahl zur SPD-Vorsitzenden eine schwere Schlappe hinnehmen. Eine eindringliche Warnung hat Vorgänger Martin Schulz.mehr...

Kabul. Der IS tötet Dutzende im kriegszerrissenen Afghanistan: Sie wollten im Oktober bei den Parlaments- und Provinzwahlen ihre Stimme abgeben. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich inmitten der Menge in die Luft.mehr...