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Berthold Dittmann tritt aus der SPD aus

Verzicht auf Stadtlohner Ratsmandat

Eigentlich war er immer ein Sozialdemokrat mit Leib und Seele. Jetzt aber ist das Maß voll. Berthold Dittmann gibt sein SPD-Parteibuch zurück. Er hat seine Gründe.

Stadtlohn

, 15.02.2018
Berthold Dittmann tritt aus der SPD aus

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Mit Franz Müntefering (l.) warb Berthold Dittmann 2017 noch gemeinsam für die SPD. © Markus Gehring

In der nächsten Ratssitzung wird Berthold Dittmann auch sein Ratsmandat niederlegen. Über diesen Schritt hat der 47-Jährige, der in Stadtlohn auch das Amt eines stellvertretenden Bürgermeisters bekleidet, seine Fraktion und auch Bürgermeister Helmut Könning unterrichtet. Die Begründung hat in aller Kürze zusammengefasst nur sechs Buchstaben: Berlin.

Über 20 Jahre lang hat Berthold Dittmann die Kommunalpolitik in Stadtlohn mitgestaltet. „Ich habe mich mein Leben lang der SPD nahe gefühlt. Schon mein Vater war für die SPD im Rat“, sagt Berthold Dittmann am Donnerstag im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. Mit 27 trat er in die SPD ein, wirkte als sachkundiger Bürger in der Ratsarbeit mit. Seit 2006 ist er gewähltes Ratsmitglied. 2014 bewarb er sich als SPD-Bürgermeisterkandidat für den Chefposten im Stadtlohner Rathaus und erhielt 24 Prozent der Stimmen. Nach der Kommunalwahl wählte ihn der Rat zu einem der stellvertretenden Bürgermeister.

„Ich habe immer gerne Kommunalpolitik gemacht. Es hat eine Menge Spaß gemacht, hier in der Stadt vieles zu bewegen und mitzugestalten“, betont Berthold Dittmann. „Die Zusammenarbeit in Stadtlohn war immer freundschaftlich und gut.“

Durcheinander in Berlin

Doch in der Bundespolitik habe die SPD einen Weg eingeschlagen, den er nicht mehr mitgehen wolle. Und dafür brauchte es nicht einmal die Personalquerelen der vergangenen Tage. „Ich habe meine Entscheidung, die SPD zu verlassen, schon am 18. Dezember getroffen“, sagt Berthold Dittmann. An das Datum kann er sich noch genau erinnern. „Das ist ja der 104. Geburtstag von Willy Brandt – meinem großen politischen Idol.“ Nur wenige Tage zuvor hatte die SPD in in Berlin beschlossen, Sondierungsgespräche für eine erneute Große Koalition zu führen. Aus Sicht von Berthold Dittmann die falsche Entscheidung. Viel schlimmer aber sei das Hin und Her gewesen.

Logische Konsequenz

„Die SPD hätte eine klare Linie fahren müssen.“ Aus diesem Durcheinander bietet aus Dittmanns Sicht auch die Mitgliederbefragung keinen Ausweg mehr. „Jetzt kann sich die SPD ja nur noch falsch entscheiden. Viele Bürger verstehen sie nicht mehr – und ich auch nicht.“ Die Ereignisse der letzen Tage hätten ihn noch einmal in seiner Einschätzung bestärkt.

„Da ich mein Ratsmandat über einen SPD-Listenplatz bekommen habe, ist ein Verzicht auf das Mandat für mich die logische Konsequenz aus dem Parteiaustritt – auch wenn es mir schwer fällt.“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Otger Harks bedauert Berthold Dittmanns Rückzug. „Wir akzeptieren ihn aber und bleiben freundschaftlich im Gespräch. Berthold Dittmann hat sich sehr um die Stadt verdient gemacht.“ Nach Angaben von Otger Harks hat es in den vergangenen Wochen auch Neueintritte in den SPD-Ortsverein gegeben – „und zwar von Groko-Befürwortern“. Nachfolger als Ratsmitglied soll Ludger Brockherde werden, der für die SPD bereits als sachkundiger Bürger im Bauausschuss sitzt. Die Entscheidung über die Nachfolge Berthold Dittmanns als Vorsitzender des Schul- und Bildungsausschusses sowie als stellvertretender Bürgermeister fällt in der Ratssitzung am 28. Februar.
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