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"Bildung ist kein Produkt"

Stadtlohn/Kreis Die Volkshochschule ist nicht nur inhaltlich in Bewegung, sondern auch räumlich: In Stadtlohn kann sie noch in diesem Jahr neue Räume beziehen, in Ahaus zeichnet sich ebenfalls ein neuer Standort ab. Redakteur Thorsten Ohm hat VHS-Direktor Dr. Claus Urban dazu und zu den Perspektiven des kommunalen Bildungsträgers befragt.

11.06.2008

"Bildung ist kein Produkt"

<p>Dr. Claus Urban ist seit 1975 Direktor der Volkshochschule - seit Beginn des dazu gegründeten Zweckverbands. </p>

In Stadtlohn neigen sich die Bauarbeiten an der Klosterstraße dem Ende zu. Ist die VHS mit dem Ergebnis zufrieden?

Urban: Mehr als zufrieden. Es ist ein Traum, solche Räumlichkeiten für die Arbeit der VHS zur Verfügung zu haben. Von der zentralen Lage her, von der räumlichen Gestaltung und der hochprofessionellen Ausstattung ist dieses neue VHS-Gebäude mustergültig. Die VHS ist der Sparkasse Stadtlohn und auch der Stadt Stadtlohn sehr dankbar, dass dieses ungewöhnliche Projekt so realisiert werden konnte.

Wie ist es mit Blick auf alle Standorte um die räumlichen Möglichkeiten der VHS bestellt?

Urban: Die VHS ist zufrieden mit dem eigenen Haus in Vreden. Ein großer Wunsch wäre noch der Ausbau des Dachgeschosses für Unterrichtszwecke und die Verbesserung der Parkmöglichkeiten. In den VHS-Gemeinden ohne eigenes Gebäude haben wir die Möglichkeit, in Bürgerhäusern oder anderen öffentlichen Gebäuden das Veranstaltungsangebot angemessen durchzuführen, etwa das Dormitorium in Asbeck, wo uns der Heimatverein tatkräftig unterstützt.

Und was ist mit den Räumlichkeiten auch der Geschäftsstelle in Ahaus?

Urban: Das müssen Sie die Stadt Ahaus fragen. Ich kann nur sagen, dass wir nach vielen vergeblichen Versuchen endlich eine realistische, für die VHS - was Lage und Ausstattung betrifft - attraktive Unterbringung brauchen. Die Bernsmannskampschule, entsprechend umgebaut, wäre für Geschäftsstelle und Unterricht geeignet. Bis zu ihrem Freiwerden in vier Jahren sind Pavillon-Container an der VHS als überbrückende Notlösung erträglich.

In der Ahauser Verwaltung gibt es Überlegungen, die Musikschule in die Volkshochschule einzugliedern.

Urban: Aus Sicht der VHS gibt es keinen vernünftigen Grund, den Musikschulen im Gebiet unserer VHS ihre Selbstständigkeit zu nehmen und sie in die VHS einzugliedern. Wenn ich sehe, wie erfolgreich bei aller Unterschiedlichkeit zum Beispiel die Musikschulen Stadtlohn, Vreden und Südlohn arbeiten, wäre es kontraproduktiv, ihre Organisationsform zu zerstören.

Die VHS steht für sieben Städte und Gemeinden. Außerhalb von Ahaus kommt mitunter das Gefühl auf, bei den Höhepunkten im Programm nicht im gleichen Maß berücksichtigt zu werden.

Urban: Die VHS ist seit jeher bemüht, so dezentral wie möglich zu arbeiten. Das Ahauser Schloss nimmt als Veranstaltungsort mit überregionaler Ausstrahlung sicher eine Sonderrolle ein. Die VHS-eigenen Gebäude in den Städten übernehmen natürlich zentrale Funktionen für unser Angebot - nicht zuletzt vor dem Anspruch unserer Verbandskommunen, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln wirtschaftlich umzugehen.

Ein Blick in die Zukunft: Welche Bedeutung wird der Bildungsauftrag der Volkshochschulen in Zukunft besitzen?

Urban: Die VHS als die kommunale Einrichtung der Erwachsenenbildung wird wie bisher schon für die allgemeine, umfassende Bildung zuständig sein. Die allgemeine Bildung ist das mögliche Gemeinsame gegenüber der Aus- und Weiterbildung als der gesonderten Vorbereitung, Einarbeitung, ständigen Informationsaufnahme auf spezialisierten Gebieten. Bildung ist keine "Dienstleistung", kein "Produkt", kein "punktuelles, maßgeschneidertes Wissen", sondern eine Lebensform, eine Weise, sich zu geben, zu lernen, zu erfahren. Bildung heißt nicht nur Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen, sondern auch Distanznahme gegenüber politischen, sozialen und ökonomischen Strukturen, die Übergriffe auf das Subjekt, den Einzelnen, provozieren. Bildung, wie die VHS sie versteht, ist ein lebenslanges Projekt.

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