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Geteilte Leidenschaft für Brieftauben

Brieftaubenzüchterin

Veronika Graf ist Brieftaubenzüchterin. Sie wollte ihrem Mann sein zeitraubendes Hobby nicht ausreden, darum teilt sie es mit ihm. Und ist eine der wenigen Frauen die dieser besonderen Freizeitbeschäftigung nachgehen.

Stadtlohn

03.07.2018
Geteilte Leidenschaft für Brieftauben

„Bei den Jungtauben ist sie der Chef“: Ein zehn Tage altes Taubenküken in den Händen von Veronika Graf. © Stefan Grothues

Wenn Frank Graf von der Arbeit nach Hause kommt, kann ihn seine Frau Veronika schon vom Fenster aus sehen. Aber sie muss sich noch ein wenig gedulden. Der erste Weg ihres Mannes führt nicht die Wohnung zu ihr. Auch Hund, Papagei und Wellensittich müssen warten. Der 38-Jährige geht zuerst zum Taubenschlag in den Garten. Immer.

„Aber ich wusste ja, worauf ich mich einlasse“, sagt Veronika Graf (35) lachend. Ihr Mann ist ja schließlich schon von Kindesbeinen an ein leidenschaftlicher Taubenzüchter. Und was das heißt, war der gebürtigen Gelsenkirchenerin durchaus bekannt. Gegen diese Leidenschaft ihres Mannes anzukämpfen kam ihr nicht in den Sinn. Veronika Graf fand einen besseren Weg: Sie teilt die Leidenschaft. Die gelernte Landschaftsarchitektin hat nun selber ihr Herz der Brieftaubenzucht verschrieben.

Zwei Züchterinnen

Als „Familie Graf“ schicken die beiden nun gemeinsam ihre gefiederten Rennpferde bei den Preisflügen der Reisevereinigung Stadtlohn (RV) auf Reisen. 43 Taubenschläge sind in der RV vertreten. Offiziell registriert sind aber nur zwei Züchterinnen. Veronika Graf ist eine von ihnen. „Natur- und tierlieb war ich schon immer“, sagt sie.

Als sie vor neun Jahren ihren heutigen Mann kennenlernte, sei sie froh gewesen, dass er ein Hobby gehabt habe. Und schon bald half sie im Schlag mit, den Frank Graf damals noch gemeinsam mit seinem Züchterfreund Werner Föcker aus Südlohn betrieb. Ihr Mann wusste damals schon genau: „Das ist fast wie mit Drogen: Wer sich einmal auf Tauben einlässt, der kommt nicht wieder davon los.“

Hobby seit Kindertagen

Bei ihm hat es begonnen, als er zwölf war. „Der Gartennachbar meines Opas hatte Tauben. Ich wollte auch welche. Meine Eltern waren aber dagegen. Da hab ich gesagt: ‚Wollt ihr lieber, dass ich mich in den Park setze und Bier trinke?‘“. Dann hat ihm sein Opa den ersten Taubenschlag gebaut. Seither geht die Liebe zu den Tauben bei ihm einher mit sportlichem Ehrgeiz: „Ich will auch gewinnen.“ So ist das Hobby samstags oder sonntags eher aufreibend als entspannend. Wenn die Tauben von ihren bis zu 600 Kilometer langen Wettflügen heimkehren, zählt jede Sekunde. „Wenn wir warten, laufe ich vor Nervosität einen Graben hier in den Rasen. Dann kann man auch wirklich von Taubensport sprechen“, sagt Frank Graf augenzwinkernd.

In solchen Situationen kam es anfangs auch zu Spannungen beim Züchterpaar. „Da kommen sie!“, rief die noch unerfahrene Veronika Graf damals immer wieder mal – wenn Dohlen oder Wildtauben am Himmel auftauchten. Die Zeit der nervenzerrüttenden Fehlalarme ist längst vergangen. Und im Schlag sorgt eine strikte Aufgabenteilung dafür, dass die züchterische Harmonie nicht gestört wird. „Bei den Jungtauben bin ich der Chef, bei den Alttauben mein Mann“, sagt Veronika Graf.

Geteilte Leidenschaft für Brieftauben

Veronika Graf – hier mit „Georg“ in den Händen – ist eine von wenigen Brieftaubenzüchterinnen. Sie teilt das Hobby ihres Mannes Frank Graf. © Stefan Grothues

Ansonsten arbeiten sie Hand in Hand – und das nicht zu wenig. In der Flugsaison investieren die beiden fünf bis sechs Stunden täglich für die Pflege ihrer knapp 100 Tauben: fürs Säubern des Schlages, für Trainingsflüge, für Aufzucht der Jungtauben… Schließlich sind die Tauben Hochleistungsportler. Veronika und Frank Graf setzen dem Leistungsgedanken aber Grenzen. „Das wichtigste ist, dass die Tauben wieder gesund heimkehren. Wenn sie nicht ganz gesund sind oder das Wetter zu schlecht ist, dann lassen wir unsere Tauben erst gar nicht starten“, betont Veronika Graf.

Vor einer Gefahr können die Brieftaubenliebhaber ihre Vögel allerdings nicht schützen: vor dem Wanderfalken, der in der Nachbarschaft auf dem Wasserturm nistet. Eine verletzte Taube ist vor kurzem für anderthalb Wochen zur Intensivpflege in die Wohnung der Grafs gezogen. „Im Schlag hätte ich sie nicht so gut wieder aufpäppeln können“, sagt Veronika Graf.

Charakter zählt

Was genau fasziniert sie denn eigentlich an den Brieftauben: „Dass die so schlau sind und ohne Navi Hunderte Kilometer wieder nach Hause fliegen können“, sagt sie. „Und jede hat ihren eigenen Charakter: der eine kloppt sich gerne, der andere ist schlauer und der hier – Nummer 488 – hat einen Kuscheltick.“ Mit Veronika Graf sind sogar einige Namen in den Taubenschlag eingezogen. Üblicherweise benennen die Zücher ihre Tauben nur mit Nummern Jetzt hält Veronika Graf „Georg“ in den Händen. „Der ist so anhänglich. Und der da drüben heißt Hasso – weil der so bissig ist.“ Frank Graf nimmt es lächelnd hin. Er selbst hat bislang nur einen Namen für sportlichen Erfolg vergeben: „Der Blaue hier heißt Londonfighter“. Mit dem Erfolg der Grafschen Renner ist er zufrieden – „auch wenn wir noch nicht ganz vorne mit dabei sind.“

Die Zukunft des Brieftaubensports sehen Veronika und Frank Graf mit gemischten Gefühlen. „Noch gibt es in der RV Stadtlohn genügend Züchter. Das sieht woanders schlechter aus. Aber auch in Stadtlohn sind die meisten Züchter schon im Rentenalter“, sagt Frank Graf. Ob es in zehn oder zwanzig Jahren noch genügend Brieftaubensportler geben wird, um Wettflüge zu veranstalten, sei fraglich. Darum möchten er und seine Frau auch Werbung für den Brieftaubensport machen und ihre Hilfe für den Start anbieten: „Junge Menschen, die sich für die Brieftaubenzucht interessieren, können unseren Schlag gerne einmal besuchen. Einfach unter (02563) 9695547 anrufen.“ Allerdings warnt Frank Graf: „Das Hobby ist nicht ganz billig und sehr zeitaufwendig.“ Es ist aber auch, das haben die Grafs unter Beweis gestellt, paarverträglich.

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