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Namen der Kriegstoten sollen lesbar bleiben

Wendfelder Kriegerehrenmal wird restauriert

19 Wendfelder verloren im Zweiten Weltkrieg ihr Leben. Der Gedenkstein, der ihre Namen trägt, soll nun restauriert werden. Die Untere Denkmalbehörde gibt strenge Auflagen vor.

Stadtlohn

, 03.04.2018
Namen der Kriegstoten sollen lesbar bleiben

Das Gedenkkreuz von 1937 © Stefan Grothues

Die Erinnerung droht zu verblassen. Dreizehn Wendfelder sind im Zweiten Weltkrieg gefallen, sechs weitere Männer aus der Stadtlohner Bauerschaft sind seither vermisst. Ihre Namen sind seit 65 Jahren auf einem Sandstein verewigt, der das Wendfelder Kriegerehrenmal am Ottensteiner Dyk für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs ergänzt. Damals verloren bereits 15 Wendfelder ihr Leben. Nun hat der Schützenverein Wendfeld die Initiative ergriffen. Das Kriegerehrenmal wird restauriert. Die Stadt Stadtlohn beteiligt sich zu einem Drittel an den Kosten. Das hat der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Ein weiteres Drittel fließt aus Denkmalfördermitteln des Kreises Borken. Die Gesamtkosten werden auf 2400 Euro geschätzt.

Jede Familie betroffen

Gerhard Lammerding, der den Förderantrag im Namen der Wendfelder Schützen gestellt hatte, ist froh über diese Entscheidung: „Praktisch jede Familie in Wendfeld hat ja Opfer zu beklagen, einige sogar mehr als nur eines.“ Er zeigt auf die 19 Namen auf dem Sandsteinblock, der zurzeit auf seinem Hof liegt, fertig für den Abtransport zu einem Restaurationsbetrieb in Hörstel. Einige der Namen sind kaum noch zu lesen. Wind und Wetter haben auf dem Sandstein ihre Spuren hinterlassen. Das einfachste wäre, den Stein glatt zu schleifen und die Namen neu einzugravieren. Diese Einschätzung habe ihm ein Steinmetz gegeben, so Gerhard Lammerding.

Namen der Kriegstoten sollen lesbar bleiben

Auf dem Gedenkstein für die Opfer des Zweiten Weltkrieges beginnen die Namen zu verblassen. © Stefan Grothues

Doch der Stein ist 1987 von der Stadt Stadtlohn als Untere Denkmalbehörde als „Anlage von stadtgeschichtlichem und kulturhistorischem Interesse“ unter Denkmalschutz gestellt worden. Und Denkmalschützer lassen es nicht zu, die Spuren der Geschichte einfach fortzuwischen und zu erneuern. Im „Erlaubnisbescheid“ ist der Unteren Denkmalbehörde ist das Verfahren genau festgelegt worden. Die Gedenkplatte und das Ehrenmal dürfen nur mit Wasser und Bürste schonend gereinigt werden. Statisch problematische Risse dürfen mit Epoxidharz gefüllt werden, ansonsten darf nur Restauriermörtel verwendet werden. Die Schrift soll anschließend mit Silikatfarbe ausgelegt werden. Sandstrahlen, Abfräsen und eine Vertiefung der Schrift sind ausdrücklich verboten.

Kreuz wurde 1937 aufgestellt

Die farbige Auslegung der Schrift soll analog zu den Namen der Opfer des Ersten Weltkriegs erfolgen. Die sind unter der Inschrift „Sie werden auferstehen“ noch sehr gut lesbar. Überhaupt besteht an dem Kreuz, das den auferstandenen Christus zeigt, zurzeit nur wenig Restaurationsbedarf, nachdem der Schützenverein im Jahr 2017 mit Kraneinsatz eine Schieflage des Kreuzes wieder ins Lot gebracht und das Fundament befestigt hat.

Das Kreuz mit den Namen der Opfer des Ersten Weltkriegs wurde 1937 aufgestellt und eingeweiht. Geschaffen hat es der Stadtlohner Bildhauer Josef Brinkamp, der auch den Kiepenkerl an der Stadthalle in Stein gehauen hat. Tragische Fußnote der Geschichte: Nur zwei Jahre nach der Fertigstellung des Ehrenmals wurde Josef Brinkamp selbst zum Militär eingerufen. Mit nur 38 Jahren fiel er kurz vor Kriegsende.

Restaurierung bis August

Eine weitere historische Fußnote: Das Denkmal sollte 1937 ursprünglich direkt an der B70 aufgestellt werden. „Doch das christliche Symbol war den damaligen Machthaber wohl nicht heldenhaft genug“, weiß Gerhard Lammerding aus den Erzählungen der älteren Wendfelder. So durfte es nur weiter weg von der Straße nahe dem Hof Berghaus aufgestellt werden. Weil Lärm- und Schmutzbelastungen durch den zunehmenden Verkehr immer größer wurden, versetzte der Schützenverein das Denkmal 1978 an den heutigen Standort, wo die Anlage seither von 20 Familien im Wechsel gärtnerisch gepflegt wird.

Spätestens im August soll die Renovierung abgeschlossen sein. Dann feiern die Wendfelder Schützen ihr Schützenfest. Und die Kranzniederlegung am Ehrenmal ist jedes Mal ein „elementarer Bestandteil“.