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Rollstuhlfahrer wartet seit Jahren auf Einbau eines Lifts in der Marienschule

Aufzug fehlt

Seit 2015 ist er beschlossene Sache, doch immer noch gibt es keinen Aufzug in der ehemaligen Marienschule. Jetzt aber soll etwas geschehen. Rollstuhlfahrer Rudolf Kropp bleibt skeptisch.

STADTLOHN

, 26.06.2018
Rollstuhlfahrer wartet seit Jahren auf Einbau eines Lifts in der Marienschule

Endstation Treppe: Für Rudolf Kropp führt kein Weg zum Josef-Albers-Saal. Nun soll ein Aufzug in die ehemalige Marienschule eingebaut werden. © Stefan Grothues

Rudolf Kropp wird langsam ungeduldig. Kopfschüttelnd blickt der 79-Jährige im Foyer der ehemaligen Marienschule die Treppe hinauf. Sie führt zum Josef-Albers-Saal ins Obergeschoss. Rudolf Kropp sagt: „Alles wird immer nur weiter hinausgeschoben. Warum dauert das alles so lange?“ Er weiß noch gut, wie er die Treppe hinaufgesprungen ist, oft zwei Stufen auf einmal. Das ist schon fast 70 Jahre her. „Ich war hier Schüler, als die Schule 1950 eingeweiht wurde.“

Später ging er die Treppe viele Jahre lang bedächtiger hinauf: zu den Proben des Männerchores im Josef-Albers-Saal. 47 Jahre war er aktiver Sänger. Dann erkrankte Rudolf Kropp an Multipler Sklerose. Seit 2014 ist er auf den Rollstuhl angewiesen. Seither kann er an den Proben nicht mehr teilnehmen. Nicht wegen der Stimme, sondern wegen der Treppe, die für ihn seit vier Jahren ein unüberwindliches Hindernis ist.

Beschluss von 2015

Seit Jahren hofft er auf den Einbau eines Aufzuges in der Marienschule – und das mit gutem Grund: Schon 2015 beschloss der Bauausschuss der Stadt den barrierefreien Umbau der Marienschule: mit einer Rampe im Außenbereich, einem Aufzug ins Obergeschoss und einem behindertengerechten WC. Schließlich wird der Josef-Albers-Saal nicht nur für die Proben des Männerchores genutzt, sondern auch für Konzerte und Ausstellungen, die auch für Menschen mit Behinderung erreichbar sein sollen. Bis zum Bau des behindertengerechten Eingangs vergingen fast anderthalb Jahre. Auf den Aufzug wartet Rudolf Kropp immer noch.

Wieder auf der Tagesordnung

Szenenwechsel: Rudolf Kropp verfolgt im Zuschauerraum die Sitzung des Planungs- und Bauausschusses am 19. Juni. Wieder einmal steht der Aufzug für die Marienschule auf der Tagesordnung. Architekt Hermann-Josef Steverding stellt die konkreten Planungen für den Aufzug und die Behindertentoilette vor. Die Zahl, die er zum Schluss nennt, verschlägt manchem Ausschussmitglied den Atem: 140.000 Euro sollen Lift und WC kosten. „Das ist eine Hausnummer, mit der wir alle nicht gerechnet haben“, erklärt Heinrich Ellers (CDU). Wie er plädiert auch Richard Henrichs (Grüne) dafür, die Entscheidung noch einmal zurückzustellen und erneut in den Fraktionen über das Thema zu beraten.

Die Verschiebung will Hermann Steverding (UWG) auf keinen Fall mittragen. „Die Kosten sind tatsächlich sehr hoch. Aber wir sprechen schon so lange davon. Wir dürfen es nicht schon wieder verschieben.“ Ähnlich argumentiert auch Ludger Brockherde (SPD): „Nichtmachen geht nicht. Da hilft auch keine Vertagung.“ Erwin Plate (UWG) sieht das genauso: „Verschieben ändert ja nichts an der Sachlage. Wir sollten heute entscheiden. Wir müssen in den sauren Apfel beißen.“

Diesen Argumenten wollen sich Heinrich Ellers und Richard Henrichs nicht verschließen. Einstimmig beschließt der Bauausschuss, die Planungen umzusetzen

Mittel für 20189 eingeplant

Wird der Aufzug denn noch dieses Jahr eingebaut? „Der jetzt im Bauausschuss gefasste Beschluss zur Installation von Aufzug und Behinderten-WC ist ohnehin verteilt auf die Jahre 2018 und 2019 mit entsprechenden Finanzmitteln berücksichtigt“, erklärt Fachbereichsleiter Mathias Pennekamp auf Anfrage. Weil die Maßnahme teurer als geplant wird, müssen im Haushalt 2019 noch weitere Mittel eingeplant werden. Um die Kosten im Griff zu halten, sollen die Gewerke wie Elektro, Maler, und Fußböden in einer Auftragsvergabe für Aufzug und Behinderten-WC erfolgen.

Zuvor muss jetzt der Bauantrag gestellt werden, der anschließend noch vom Kreis zu genehmigen ist. „Hierfür geht sicherlich noch wieder ein wenig Zeit ins Land, aber der Druck soll aufrechterhalten werden. Wir gehen davon aus, dass im Frühjahr 2019 die Maßnahme komplett abgeschlossen sein wird“, so Mathias Pennekamp. Dann werden vier Jahre seit dem Beschluss vergangenen sein. Warum hat die Umsetzung eine solch lange Zeit benötigt? Mathias Pennekamp verweist auf den bereits erfolgten Bau der Rampe außen und der neuen Eingangstür. Zwischenzeitlich sei auch noch umgeplant worden: Man habe überlegt, das Behinderten-WC entgegen den ursprünglichen Überlegungen ins Obergeschoss zu verlegen, weil es im Erdgeschoss nur während der Öffnungszeiten des Stadtarchivs erreichbar gewesen wäre.

„Personal war ausgelastet“

„Danach“, so Pennekamp, „war unser Baupersonal wegen des Ankaufs, des Baus und der Instandsetzung von Flüchtlingsunterkünften mehr als ausgelastet.“ Hinzu seien noch unvorhergesehene Großbauprojekte wie der Kindergarten St. Joseph und der jetzt noch anstehende Bau des Kindergartens am Erningfeld gekommen. „Da die Politik im Interesse der Behinderten weiterhin Druck gemacht hat, wurde der Planungsauftrag an den Architekten Steverding fremdvergeben. Am Willen der Verwaltung, alles schneller fertig zu bekommen, hat es nicht gefehlt“, betont Mathias Pennekamp.

Freut Rudolf Kropp sich über die Ankündigung fürs Frühjahr 2019? Nein, er mag noch nicht daran glauben: „Wer weiß, was bis dahin noch passiert.“ Seine Chorkarriere sei jetzt ohnehin beendet: „Nach vierjähriger Zwangspause habe ich den Anschluss verloren.“

Haus Hakenfort: Architekt Hermann-Josef Steverding stellte im Bauausschuss auch die Planungen für den Anbau einer behindertengerechten WC-Anlage am Haus Hakenfort vor. Kostenpunkt: 115.000 Euro. Mit der Platzierung im Innenhof war der Ausschuss nicht einverstanden. Einstimmig sprach er sich für neue Pläne aus. Das WC soll nun im Bereich der Teeküche an der Dr.-Joseph-Vogtt-Gasse errichtet werden. Die überarbeiteten Pläne werden erneut im Ausschuss beraten. Durchgang am Rathaus: Im Februar hat der Rat auf Antrag der SPD den behindertengerechten Ausbau der Toilettenanlage am Rathaus noch im Jahr 2018 beschlossen. Auf Nachfrage der SPD erklärte Bürgermeister Helmut Könning in der vergangenen Woche, die Maßnahme sei im Haushaltsplan vorgesehen, für die Umsetzung aber habe dem Fachbereich Planen und Bauen bislang aufgrund vieler anderer Bauvorhaben die Zeit gefehlt.
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