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SVS: Trinkwasser nicht im Garten verschwenden

Wasser wird knapp

Die Trockenperiode lässt den Grundwasserspiegel extrem absinken. Thomas Spieß, Chef der SVS-Versorgungsbetriebe, appelliert dringend an die Bürger, aufs Rasensprengen verzichten.

Vreden, Stadtohn, Südlohn

, 06.07.2018
SVS: Trinkwasser nicht im Garten verschwenden

Stündlich 300 Kubikmeter Wasser werden durch diese Pumpen in die Stadtlohner und Südlohner Haushalte gepumpt, in den Rasensprengstunden sind es zurzeit mehr als doppelt soviel. © Stefan Grothues

Abends ab sechs runzelt Wassermeister Markus Hörbelt in diesen Tagen regelmäßig die Stirn. Auf seinen Kontrollmonitoren im Wasserwerk Hundewick steigen drei Kurven steil an, eine schwarze, eine violette und eine orangefarbene. Die drei Kurven zeigen den aktuellen Wasserverbrauch in Stadtlohn, Vreden und Südlohn an. Um 20 Uhr bricht die Spitze ab. Nicht weil der Wasserverbrauch nicht mehr steigt, sondern weil so hohe Verbrauchswerte in der Grafik nicht vorgesehen sind.

Markus Hörbelt weiß genau was in diesen Stunden bei vielen der 12.000 Wasserkunden passiert: Feierabend. Die Sonne brennt nicht mehr so heiß. Jetzt wird der Rasen gesprengt. Stundenlang. In dieser Zeit verdoppelt sich der Wasserverbrauch der Stadtlohner und Südlohner auf stündlich 750 Kubikmeter und der der Vredener auf 600 Kubikmeter pro Stunde.

„Wichtiges Lebensmittel“

Erst ab 22 Uhr ist der Wasserspuk vorbei. Die Kurve senkt sich wieder in den Normalbereich ab. In der Spitzenlast stößt das Wasserwerk Hundewick in diesen Tagen an seine Grenzen. Und es wird immer schwieriger, den Vorrat in den Speicherbehältern wieder aufzufüllen. Hörbelt: „Im Brunnen 4 stehen nur 1,70 Meter über der Pumpe. In Normalfall sind es 10 bis 15 Meter.“ Und auch in den anderen vier Brunnen sinkt der Pegel.

„Die Grundwasserneubildung war schon im Winter nicht sehr ausgeprägt, weil es nur wenig Niederschläge gab“, erklärt SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß. Dem trockenen Winter folgte ein trockenes Frühjahr. Und auch jetzt ist noch kein Regen in Sicht. „Wir sind jetzt am Limit. Daher bitten wir alle Bürger dringend um Mithilfe: Jeder sollte aufs Rasensprengen mit Trinkwasser verzichten“, sagt Thomas Spieß. „Jeder sollte sich klar machen, dass es sich bei dem Leitungswasser um ein wichtiges Lebensmittel handelt, dass vor allem in diesen Wochen nur beschränkt zur Verfügung steht.“

SVS: Trinkwasser nicht im Garten verschwenden

Wassermeister Markus Hörbelt zeigt den Anstieg des Wasserverbrauchs durch Rasensprengen in den Abendstunden. © Stefan Grothues

Müssen sich die Menschen in Stadtlohn, Vreden und Südlohn ernsthafte Sorgen um ihre Trinkwasserversorgung machen? „Nein“, sagt Thomas Spieß, „die Lage ist nicht dramatisch. Aber das soll sie ja auch nicht werden.

Bereits vor einem Jahr hatte die SVS einen ähnlichen Sparappell an die Wasserverbraucher gerichtet – und das mit durschlagendem Erfolg: „Die abendlichen Spitzen sind sofort spürbar abgesunken“, sagt Wassermeister Markus Hörbelt.

Neuer Speicher bis 2020

SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß befürchtet, dass aufgrund der Klimaveränderungen trockene Sommer in Zukunft häufiger Probleme bereiten. Wie stellte sich die SVS darauf ein:

Eine Sofortmaßnahme ist die Verminderung des Wasserdrucks, die den Verbrauch verringert. Markus Hörbelt legt zurzeit Nachtschichten ein, um die Anlage möglichst flexibel zu steuern.

Das kann bei den Wasserkunden zu Druckschwankungen führen. Bis 2020 soll auch der Bau eines neuen, 3000 Kubikmeter Trinkwasser fassenden Speicherbehälters abgeschlossen sein.

Um die Wasserversorgung sicherzustellen, bezieht die SVS jährlich auch rund eine Million Kubikmeter Trinkwasser von den Stadtwerken Borken. Daher gibt es auch Überlegungen, zur Bohrung neuer Brunnen in Stadtlohn. Thomas Spieß: „Konkrete Absichten gibt es aber noch nicht. Die Erkundungs- und Genehmigungsverfahren ziehen sich auch über Jahre hin. Was uns jetzt konkret und schnell hilft, das ist der Verzicht aufs Rasensprengen.“