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Pläne für Pflege-WG an der Berkel auf Eis gelegt

Kneipe Berger in Stadtlohn bleibt Leerstand

Das Gebäude der alten Kneipe Berger in Stadtlohn bleibt weiterhin ein Leerstand. Über den Abriss und Neubaupläne konnten sich Stadt und Investoren nicht einigen.

Stadtlohn

, 23.05.2018
Pläne für Pflege-WG an der Berkel auf Eis gelegt

Berthold Dittmann und Dirk Wörmer (v.l.) wollten mit Michael Avermann auf ihrem Anfang des Jahres erworbenen Grundstück in Nachbarschaft der Berkelmühle ein neues Haus für Seniorenwohngemeinschaften errichten. Die alte Kneipe Berger (im Hintergrund) sollte abgerissen werden. Aber Investoren und Stadt kamen nicht auf einen Nenner. © Stefan Grothues

Seit Anfang des Jahres hat die alte Kneipe Berger an der Mühlenstraße neue Eigentümer. Berthold Dittmann, Dirk Wörmer und Michael Avermann wollten den alten Gebäudekomplex möglichst schnell abreißen und auf dem prominent an der Berkel gelegenen, gut 800 Quadratmeter großen Grundstück einen Neubau errichten: mit einem Versicherungsbüro im Erdgeschoss und Pflegewohngemeinschaften in den beiden Obergeschossen. 22 bis 24 Senioren sollten hier ein neues Zuhause finden. Das war der Plan.

Aber daraus wird erst einmal nichts. Weil die Stadtverwaltung zu sehr auf die Bremse getreten habe, so sagen die Investoren. Die Stadt dagegen beruft sich auf ihre städtebauliche Verantwortung an diesem sensiblen Punkt. Auf dem Nachbargrundstück haben gerade die Umbauarbeiten an der historischen Berkelmühle begonnen. Mit der neuen Berkelpromenade wird dort das Stadtlohner Vorzeigeobjekt zur Regionale verwirklicht.

Schon mehrere Projekte in Stadtlohn umgesetzt

Mit ihrer „Pflege mit Plan“ GmbH haben sich die Investoren in den vergangenen drei Jahren in Stadtlohn bereits einen Namen gemacht. Der Anbieter für ambulante Versorgung betreibt schon seit 2015 in dem ehemaligen Hotel Tenbrock auf der anderen Straßenseite zwei Senioren-Pflegewohngemeinschaften mit jeweils elf Plätzen. Weitere Senioren-Wohnprojekte am Arfkamp in Stadtlohn und in Ottenstein sowie eine Tagespflege am Pfeifenofen kamen hinzu. Heute bietet die „Pflege mit Plan“ 35 Senioren ein Zuhause und beschäftigt 65 Mitarbeiter.

Und die Nachfrage wächst immer weiter. „Unser Konzept, den Menschen ein möglichst selbstbestimmtes Leben in einem sicheren und unterstützenden Umfeld bieten zu können, stößt auf Interesse. Die Warteliste ist lang.“ Aus diesem Grund schmiedeten die drei Inhaber der „Pflege mit Plan“ seit Anfang 2018 die Neubaupläne für ihr neuerworbenes Grundstück in der Nachbarschaft der Berkelmühle.

Erst moderner, dann münsterländischer Entwurf

„Der erste Entwurf lehnte sich an die moderne Architektur des geplanten Smartels an. Das fand im Rathaus keinen guten Anklang. Das Smartel sollte der Platzhirsch bleiben“, sagt Dirk Wörmer im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. Und er sagt auch: „Das konnte ich auch verstehen.“ Der zweite Entwurf sei dann eher münsterländisch traditionell ausgefallen. Da erst habe das Planungsamt grundsätzliche Bedenken gegen die zu massive Bebauung des Grundstücks geäußert. Dirk Wörmer: „Dabei haben wir von Anfang an mit dem Volumen geplant, das uns einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglicht.“

Dittmann und Wörmer fühlen sich von der Stadt hingehalten. „Wir sind schon etwas enttäuscht“, sagt Berthold Dittmann. „Die Stadt müsste doch eigentlich Interesse an der Schaffung der offensichtlich dringend gesuchten Wohnplätze haben. Und auch an der Schaffung von mehr als 30 neuen Arbeitsplätzen.“ Dirk Wörmer ergänzt: „Wir sind doch Stadtlohner, die etwas für Stadtlohner tun wollen. Und wir haben längst bewiesen, dass wir die Sache ordentlich machen und uns das Vertrauen verdient haben.“

Das will der Erste Beigeordnete Günter Wewers gar nicht bestreiten. Er betont: „Wir haben die Investoren nicht hingehalten. Die massive Bebauung, die fast das ganze Grundstück beansprucht, droht die Berkelmühle und die Berkelpromenade optisch zu erdrücken.“

Auflagen der Stadt machen Pflege-WG unwirtschaftlich

Nach den Auflagen der Stadt wären am Ende nur 16 statt 24 Wohnplätze möglich gewesen, sagt Berthold Dittmann. Damit ist das Vorhaben aber aus Sicht der Investoren unwirtschaftlich. Dirk Wörmer, Berthold Dittmann und Michael Avermann haben sich daher entschieden, dass auf ihrem Grundstück an der Berkel erst einmal alles beim alten bleibt. Der Bedarf für neue Seniorenwohngemeinschaften wird an anderer Stelle in Stadtlohn gedeckt. „Pflege nach Plan“ hat sich bereits ein neues Grundstück gesichert, auf dem nun in zwei Bauabschnitten insgesamt 24 Wohnplätze in zwei Senioren-WGs geschaffen werden. Wo genau, das können Dirk Wörmer und Berthold Dittmann noch nicht verraten – „es fehlt noch eine Unterschrift.“

Und was wird nun aus der alte Kneipe Berger? Statt des Abrissbaggers kamen die Dachdecker, die Schäden reparierten, die Sturm Friederike im Januar ins Dach gerissen hatte. Dirk Wörmer: „Wir haben das Gebäude gesichert. Die alte Kneipe Berger wird jetzt gelegentlich gastronomisch genutzt, zu Karneval oder Silvester. Oder im Sommer für eine Beachparty.“ Berthold Dittmann sagt: „In den nächsten zwei bis drei Jahren wird das Gebäude vor allem leer stehen.“

Verkaufsabsichten gebe es aber nicht. Dittmann: „Wir warten ab, wie sich die Dinge hier entwickeln.“ Denn eines steht für ihn nach den Erfahrungen mit den Pflegewohngemeinschaften auf der anderen Straßenseite fest. „Die zentrale Lage ist für die Senioren und ihre Angehörigen einfach ideal.“

Stadt hatte Interesse an dem Grundstück

Ursprünglich hatte auch die Stadt Interesse an dem Grundstück gehabt, um ausreichend Platz für ihre Berkelpromenaden-Pläne und für das Smartel zu haben. Sie konnte es aber nicht erwerben. Günter Wewers: „Uns ist es aber gelungen, auf er östlichen Seite das ehemalige Grundstück Lembeck zu erwerben. Mit dieser Fläche können wir unsere Berkelpromenadenpläne umsetzen.“