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Streit um Cavusoglu-Auftritt bei Gedenkfeier in Solingen

Solingen/Toronto. Vor 25 Jahren starben bei einem Brandanschlag von Rechtsextremisten in Solingen fünf Menschen türkischer Abstammung. Am Jahrestag hält der türkische Außenminister dort eine Rede. Grüne und Linke halten das für ein Wahlkampfmanöver. Die Bundesregierung hält dagegen.

Streit um Cavusoglu-Auftritt bei Gedenkfeier in Solingen

Der türkische Außenminister wird wohl im Mai in Solingen bei der Gedenkfeier zum 25. Jahrestag des Brandanschlags eine Rede halten. Foto: Swen Pförtner

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu will bei der Gedenkfeier zum 25. Jahrestag des Brandanschlags von Solingen reden - mitten im türkischen Wahlkampf.

Bundesaußenminister Heiko Maas stellte an diesem Montag aber klar, dass der Auftritt nicht unter das Wahlkampfverbot für ausländische Regierungsvertreter in Deutschland falle. „Das ist für uns keine Wahlkampfveranstaltung, denn sie hat einen ganz anderen Hintergrund“, sagte er am Rande eines G7-Außenministertreffens im kanadischen Toronto. „Das ist eine Veranstaltung, die regelmäßig stattfindet und dort wird der Opfer dieses schrecklichen Brandanschlags gedacht.“

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet appellierte an Cavusoglu, den Wahlkampf aus der Gedenkfeier herauszuhalten. „Das Gedenken an die Toten von Solingen darf nicht für Wahlkampfzwecke missbraucht werden“, sagte der CDU-Politiker. „Türken und Deutsche trauern gemeinsam um die Opfer, gerade am 25. Jahrestag.“

Grüne und Linke kritisierten den Auftritt des türkischen Ministers scharf. „Während wir noch über den Umgang mit türkischen Wahlkämpfern diskutieren, macht der türkische Außenminister Cavusoglu längst Nägel mit Köpfen“, sagte Grünen-Politiker Cem Özdemir der „Augsburger Allgemeinen“. „Solange nicht die gleichen Rechte für die Opposition gelten, sollten wir uns für dieses Schmierentheater nicht hergeben.“

Die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Sevim Dagdelen, sagte der Zeitung, es sei „beschämend“, dass die Bundesregierung eine Instrumentalisierung der Gedenkfeier „offensichtlich zugelassen“ habe. Die vereinbarte Ansprache des Außenministers sei „faktisch Wahlkampfhilfe für das islamistisch-faschistische Wahlbündnis von AKP und MHP durch die Hintertür“.

Die Stadt Solingen hatte am Montag die Rede Cavusoglus bei der Gedenkfeier am 29. Mai angekündigt. An diesem Datum starben 1993 in Solingen fünf Frauen und Mädchen der türkischstämmigen Familie Genc bei dem Anschlag. Vier rechtsradikale Männer wurden wegen Mordes verurteilt.

Maas wollte Cavusoglu am Montagnachmittag erstmals bei einem Besuch der Vereinten Nationen in New York treffen. Dabei wird der bevorstehende Wahlkampf Thema sein. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Wochenende angekündigt, auch im Ausland Wahlkampf machen zu wollen. Er nannte aber kein Land.

Die Parlaments- und Präsidentenwahlen in der Türkei sollen am 24. Juni stattfinden, also vier Wochen nach der Gedenkfeier in Solingen. Die 1,4 Millionen wahlberechtigten Türken in Deutschland können wahrscheinlich schon in der ersten Juni-Hälfte abstimmen.

Im vergangenen Juni hatte das Auswärtige Amt ein Auftrittsverbot für ausländische Amtsträger drei Monate vor einer Wahl oder Abstimmung in ihrem Land erlassen. Hintergrund war ein erbitterter Streit über geplante Wahlkampfauftritte vor dem türkischen Verfassungsreferendum im April 2017.

Ein Sprecher der Stadt Solingen sagte, auch vor fünf Jahren habe beim Gedenken an die Opfer des Mordanschlags ein Regierungsvertreter aus der Türkei geredet. Die Stadt werde um den Ansprache-Text vorab bitten, um ihn ins Deutsche übersetzen und diesen während der Gedenkfeier als Broschüre verteilen zu können. „Ich gehe davon aus, dass die türkische Regierung hohen Respekt vor der Familie Genc und den Opfern des Mordanschlags hat und das berücksichtigen wird.“

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