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Streit um Flugzeugwrack schwelt weiter

Abgestürztes Weltkriegsflugzeug in Oeding

Winfried Leusbrock ist fest entschlossen, das 1942 über Oeding abgestürzte Weltkriegsflugzeug und die darin befindlichen sterblichen Überreste des Bordfunkers Albrecht Risop zu bergen. Auf die Berichterstattung der Münsterland Zeitung vor einer Woche hat der Heeker Unternehmer viele Reaktionen erhalten.

OEDING

, 27.04.2018
Streit um Flugzeugwrack schwelt weiter

Der Gedenkstein für den Bordfunker Albrecht Risop am Ottenstapler Weg. © Robert Wojtasik

„Mein Telefon steht seitdem nicht mehr still“, sagt er. Verbände und Privatpersonen sicherten ihm Unterstützung bei seinem Vorhaben zu.

Einer dieser Unterstützer ist Uwe Benkel. Der Pfälzer hat sich mit dem Aufspüren abgestürzter Weltkriegsflugzeuge bundesweit einen Namen gemacht. Vor 30 Jahren gründete Benkel die ehrenamtliche Arbeitsgruppe Vermisstenforschung. Seitdem hat er nach eigenen Angaben 140 Wracks und Skelette von 50 Piloten ausgegraben. „Wir klären Schicksale, bergen Überreste und bringen junge Soldaten zurück zu ihrer Familie“, sagt der 57-Jährige. „Kein Soldat hat es verdient, in einem Acker zu stecken.“ Warum die Archäologen des Landesverbands Westfalen-Lippe (LWL) in Münster eine Bergung ablehnen, kann Benkel nicht nachvollziehen. Die Absturzstelle ist seiner Meinung nach kein würdevoller Ort.

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Dr. Christoph Grünewald sieht das anders. „Das ist ein würdiger Ort“, betont der Leiter der Außenstelle Münster der LWL-Archäologie für Westfalen. Die Absturzstelle sei in der offiziellen Karte des Landesvermessungsamts als Kriegsgrab eingetragen – und es gebe ja auch den wenige Meter entfernten Gedenkstein. „Das unterstreicht doch, dass es sich um einen Gedenkort handelt.“

Der LWL-Archäologe bekräftigt auf Anfrage auch noch mal die Entscheidung, die Genehmigung zur Bergung zu verweigern. „Es handelt sich nun mal um ein Bodendenkmal.“

Dieser Status gilt, obwohl die Absturzstelle am Otten-stapler Weg nicht in der Bodendenkmalliste der Gemeinde Südlohn aufgeführt ist. Möglich macht das eine Änderung des nordrhein-westfälischen Denkmalschutzgesetzes aus dem Jahr 2013. Demnach ist der Schutz von Bodendenkmälern auch dann gewährleistet, wenn diese lediglich erkannt, aber (noch) nicht förmlich unter Schutz gestellt sind.

Nur für Fachleute

„Eine Genehmigung für eine Bergung bekommt von uns außerdem nur jemand, der vom Fach ist und das auch nachweisen kann“, sagt Grünewald. Zwischen Uwe Benkel und der rheinland-pfälzischen Direktion Landesarchäologie ist es deshalb schon mal zum Streit gekommen. Die Behörde warf ihm und seinen Kollegen von der Arbeitsgruppe Vermisstenforschung unsachgemäße Ausgrabungen vor. Inzwischen, sagt Benkel, hätten die Archäologen aber festgestellt, dass es ohne die Privaten nicht geht. „Da werden jetzt immer mehr Genehmigungen ausgesprochen. Und es wird viel mehr gemeinsam gearbeitet.“ So ein Umdenken erhofft der Vermisstenforscher sich nun auch bei den NRW-Archäologen.

Streit um Flugzeugwrack schwelt weiter

Uwe Benkel von der Arbeitsgruppe Vermisstenforschung hat an rund 140 Bergungen mitgewirkt. © dpa

Winfried Leusbrock will nun erst mal weiter „alle Fakten sammeln“, sagt er. Abgesehen vom Okay der Archäologen sei er im Besitz aller erforderlichen Genehmigungen. Die Gemeinde Südlohn hat sich bekanntlich für eine Bergung ausgesprochen. Und mit dem Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr hat Leusbrock seit einigen Tagen einen weiteren Fürsprecher gewonnen. Die Kreisgruppe Borken sicherte ihm „volle Unterstützung“ zu.

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