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Wer übernimmt das „Schätzchen“?

Altgedientes Feuerwehrfahrzeug ausgemustert

Nach 33 Jahren im Dienst der Gemeinde fristet das Löschgruppen-Fahrzeug 8 nur noch ein Schattendasein in der Garage. Online werden jetzt Käufer gesucht und die Frist für ein Gebot endet in gut zwei Wochen.

Südlohn/Oeding

, 06.06.2018
Wer übernimmt das „Schätzchen“?

In Oeding wartet das alte Löschgruppenfahrzeug auf seinen neuen Besitzer. © Stephan Teine

Erstzulassung 1985, 22.949 Kilometer gelaufen, satte 86 Diesel-PS und TÜV bis April 2019. Für einen Gebrauchtwagen doch gar nicht mal so schlecht, oder? Interessenten können jetzt zuschlagen, denn die Gemeinde Südlohn bietet genau so ein Auto an: Gut, sie müssten noch die Blaulicht-Anlage abmontieren und über Verbrauch oder Schadstoffwerte dürften sie sich keine Gedanken machen. Doch wer wirklich für ein altes Löschfahrzeug schwärmt, den kann auch das nicht schocken.

In den 1980er hochmodern

Beim Gang durch das Gerätehaus wird der riesige Unterschied zwischen alter und neuer Technik deutlich: In der Halle topmoderne Löschfahrzeuge, jedes mehrere 100.000 Euro teuer und deutlich über zehn Tonnen schwer. Auf dem Hof in der Ecke, die ausgediente Technik aus den 1980er-Jahren: „Das glaubt man gar nicht, aber das war damals das Modernste, was man bekommen konnte“, sagt Udo Bußkamp, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Südlohn. Bis Mitte April war das alte LF8 beim Löschzug Südlohn noch im Einsatz. Da machte es aber ab und an schon mal technische Zicken. Deswegen wurde es dann auch ausgemustert. Noch in diesem Jahr soll für den Löschzug in Südlohn ein neuer Gerätewagen angeschafft werden. Damit ist der Fuhrpark dann einheitlich auf einem modernen Stand.

Und darum haben Feuerwehrliebhaber, Oldtimerfreunde und andere Interessenten noch bis zum 22. Juni Zeit, sich einen Kauf zu überlegen. So lange nimmt die Gemeinde noch Angebote an. Mindestgebot 3500 Euro müssen es aber sein, sonst gibt es auf keinen Fall einen Zuschlag. Hier gehts zur Webseite der Feuerwehr und zur Anzeige mit allen technischen Daten und allen Ansprechpartnern.

Wer übernimmt das „Schätzchen“?

Gemeindebrandinspektor Udo Bußkamp weint dem alten LF8 keine Träne nach. Für ihn ist nur wichtig, dass die Feuerwehr gut ausgestattet ist, um ihren Auftrag zu erfüllen. © Stephan Teine


Neue Autos bieten neue Technik

Klar, die neuen Autos haben enorme Vorzüge: „Wir schaffen es heute, mit weniger Leuten, die gleiche Arbeit zu leisten“, sagt Udo Bußkamp. Beispiel? Die Pumpen: Heute muss ein Maschinist die Pumpe nur noch anlassen. Der Druck wird danach automatisch geregelt – egal ob Wasser durch die Schläuche fließt oder nicht. Früher war da der Maschinist gefordert: Er musste per Hand steuern, direkt darauf reagieren, wenn zum Beispiel ein Schlauch geschlossen wurde. Das bedeutet umgekehrt aber nicht, dass Feuerwehrleute heute weniger zu tun haben.

Aufwendige Wartung

Insgesamt bieten die modernen Fahrzeuge einsatztaktisch viel bessere Möglichkeiten. Und die braucht die Feuerwehr: „Es gibt zwar heute weniger spektakuläre Einsätze als früher, allein weil ja viel mehr in Brandschutz investiert wird“, sagt Bußkamp. „Dafür ist der Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr auch längst nicht mehr selbstverständlich.“ Auch in den beiden Löschzügen Südlohn und Oeding. So fortschrittlich moderne Autos sind, so empfindlich sind sie auch: „So ein Auto hier“, Udo Bußkamp klopft gegen die Fahrertür des LF8 und schmunzelt, „das ist einfach nicht kaputt zu kriegen. Und im Ernstfall kann man das Meiste mit einem schweren Hammer reparieren.“

An diese Zuverlässigkeit kämen die neuen Autos nicht mehr heran. Sie müssen aufwendiger gehegt und gepflegt werden: „Früher hat es gereicht, dass die Bremse nicht fest rostet. Dafür musste man dann und wann mal eine Runde mit den Autos drehen“, sagt er. Heute gehören regelmäßige Bewegungsfahrten – auch unter Volllast – zum ständigen Programm. „Zum Beispiel, um die Abgasanlagen frei zu halten“, erklärt der Feuerwehr-Leiter.

Keine persönliche Bindung

Dem alten Auto weint Udo Bußkamp dennoch keine Träne nach – auch wenn er im Gespräch immer mal wieder fast schon liebevoll von einem alten „Schätzchen“ spricht. Auch wo der Mercedes seine nächsten Jahre verbringen wird, ist ihm relativ egal. „Da bin ich leidenschaftslos“, sagt er. Für ihn steht der aktive Dienst im Vordergrund. Deswegen sähe er es auch nicht gerne, wenn sich aktive Feuerwehrleute mit Feuerwehroldtimern beschäftigen würden. „Nee, mit so einem Kram fangen wir nicht an. Die Zeit, die die ehrenamtlichen Kameraden für die Feuerwehr opfern, soll doch besser in die neue Technik und die Ausbildung fließen, oder?“

Wer übernimmt das „Schätzchen“?

Feuerwehrliebhaber, Oldtimerfreunde und andere Interessenten haben noch bis zum 22. Juni Zeit, sich einen Kauf zu überlegen. So lange nimmt die Gemeinde noch Angebote an. Mindestgebot: 3500 Euro. © Stephan Teine

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