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„Tanz ins Leben“: Komisch, verblüffend und gefühlvoll

Berlin. Kleine Geschichten voll Witz und Gefühl, die Millionen begeistern: Damit punktet das britische Kino seit Jahren. Auf Hits wie „Billy Elliot“ und „Best Exotic Marigold Hotel“ folgt nun „Tanz ins Leben“.

„Tanz ins Leben“: Komisch, verblüffend und gefühlvoll

Imelda Stauntons „Tanz ins Leben“ ist kein leichtes Unterfangen. Foto:  Daniel Deme/EPA/Archiv

Sandra ist selig. Denn sie darf sich nach dem Ritterschlag für ihren Gatten „Lady Sandra“ nennen. Und sie freut sich, dass er in Rente geht.

Nach 35 Ehejahren, die sie nur dem Wohl von Mann und Tochter gewidmet hat, darf Sandra nun in sicherem Luxus schwelgen. Doch: Pustekuchen! Sie erwischt den Gatten in den Armen einer Anderen. Kurzentschlossen zieht sie zu ihrer Schwester Bif. Die lebt in London in bescheidenen Verhältnissen. Sandras Weg in ein neues Leben ist hart gepflastert.

Zunächst ist der Zusammenprall der gegensätzlichen Schwestern sehr komisch: Während Bif handfest und mit Humor jede Klippe meistert, mutiert Sandra (Imelda Staunton) zur nörgelnden Nervensäge voller Selbstmitleid. Dann aber geht sie mit Bif in den Senioren-Tanzclub. Dort trifft sie Charlie (Timothy Spall). Er wird nicht allein ein Partner für Walzer und Rock 'n' Roll. Dazu entdeckt Sandra, dass andere Leute wirklich gewichtige Probleme haben - was die Mittsechzigerin das Leben neu sehen lässt. Nun ändert sich der Erzählton: Zum trockenen Witz kommen eine von viel Lebensweisheit geprägte Nachdenklichkeit und viel Gefühl.

Seit seiner 1996 mit einem Silbernen Bär der Berlinale für die beste Regie ausgezeichneten Shakespeare-Adaption „Richard III.“ hat der britische Regisseur Richard Loncraine keinen großen Erfolg mehr gehabt. „Tanz ins Leben“ aber bringt ihn zurück: Pointierte Dialoge, überraschende Handlungsumschwünge, eine reiche Emotionalität, die nie ins Sentimentale kippt, und dazu eine genauer Blick auf die soziale Realität zeichnen den Film aus.

Damit reiht er sich in die nun schon lange Folge von britischen Kinohits ähnlicher Qualität ein, beispielsweise „Mein wunderbarer Waschsalon“, „Billy Elliot - I Will Dance“ und „Best Exotic Marigold Hotel“. Wie in diesen weltweit erfolgreichen Komödien mit Tiefgang wird auch „Tanz ins Leben“ wesentlich von der mitreißenden Kraft und dem exzellenten Können großer Schauspielerpersönlichkeiten geprägt.

Angeführt wird das Darstellerensemble von Imelda Staunton. Wie schon 2004 als „Vera Drake“, wofür sie unter anderem den Darstellerpreis des Internationalen Filmfestivals Venedig und eine Oscar-Nominierung erhielt, agiert die 63-Jährige schlichtweg brillant. Mit kleinen Blicken, fast unmerklichem Zucken der Mundwinkel und einer Körpersprache, die verblüffend genau zeigt, dass sich die Frau in ihrer Haut nicht wohl fühlt, gibt sie der Sandra eine Präsenz, der sich wohl niemand entziehen kann.

Neben Imelda Staunton glänzen Celia Imrie und Timothy Spall („Mr. Turner - Meister des Lichts“, „Die Party“). Beide haben in ihren Rollen als zupackende Schwester und als verständnisvoller Freund bei allem schlagfertigen Witz auch sehr eindringliche Momente voller Tragik. In oft sehr kurzen Szenen gelingt es ihnen auf bewegende Weise, eine große Spannbreite des menschlichen Daseins zu spiegeln.

In den letzten Filmminuten werden die Erwartungen an ein rundum froh stimmendes Wohlfühl-Kino ein wenig zu heftig erfüllt. Das aber trübt das Vergnügen an diesem Kinomärchen nicht. Und verdeckt auch nicht den hinter manchem Wortwitz und allerlei Situationskomik steckenden Kern der Erzählung: die Frage, was das Leben wirklich lebenswert macht.

Tanz ins Leben, Großbritannien, 111 Min., FSK o.A., von Richard Loncraine, mit Imelda Staunton, Celia Imrie, Timothy Spall

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