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Seniorin erstochen: Prozessauftakt in Bochum

Tochter bestreitet, ihre Mutter getötet zu haben

BOCHUM Es muss ein schrecklicher Anblick gewesen sein. Vor knapp sechs Monaten fand die Polizei in einer Wattenscheider Wohnung die Leiche einer Seniorin. Seit Montag steht die Tochter vor Gericht. Sie gilt als psychisch krank.

Tochter bestreitet, ihre Mutter getötet zu haben

Die Angeklagte stritt zum Prozessbeginn die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ab. Foto: Jörn Hartwich

Es war der 31. Oktober 2017, als die Polizei die Wohnung der Seniorin betrat. Nachbarn hatten den Notruf gewählt, weil sie die alte Dame schon länger nicht mehr gesehen hatten. „Uns kam sofort der Verwesungsgeruch entgegen“, erinnerte sich eine Polizistin im Prozess vor dem Bochumer Schwurgericht. „Die Frau saß im Wohnzimmer auf der Couch, sie war schon sehr stark verwest.“

Die Obduktion hatte später ergeben, dass die Seniorin zum damaligen Zeitpunkt bereits zwei Wochen lang tot war. Sie war nach einem Messerstich in die Brust nach innen und außen verblutet. Die Tatwaffe soll eine Schere gewesen sein.

Seniorin war mit Decken und Handtüchern „eingepackt“

Der Verdacht fiel damals schnell auf die 53-jährige Tochter, die sich die völlig vermüllte und heruntergekommene Wohnung zumindest zeitweise mit ihrer Mutter geteilt haben soll.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie ihrer Mutter nach einem Streit erstochen und die Wohnung anschließend verlassen hat. Vorher soll sie die Seniorin aber noch in Decken und Handtücher „eingepackt“ haben.

Tochter behauptet, ihre Mutter habe sich selbst verletzt

Zum Prozessauftakt hat die 53-Jährige die Vorwürfe allerdings vehement bestritten. „Was der Staatsanwalt da vorgelesen hat, sind hammerharte Vorwürfe“, sagte sie. „Aber sie treffen mitnichten zu.“ Ihre Mutter habe sich damals vielmehr selbst mit der Schere verletzt, aber nicht ernsthaft.

„Es floss kein Blut“, sagte die 53-Jährige. Sie habe aber trotzdem ein Pflaster auf die Wunde geklebt, ihre Mutter in eine Decke gewickelt und die Wohnung am nächsten Tag verlassen. Sie habe auch nicht noch einmal nach ihr gesehen. „Sie wollte alleine sein. Sie hat mich immer angeschrien, wenn ich zu ihr ins Wohnzimmer gekommen bin.“

Angeklagte gilt als schuldunfähig

Nach einem vorläufigen psychiatrischen Gutachten litt die 53-Jährige zur Tatzeit unter einer schweren Psychose. Vor Gericht gilt sie als schuldunfähig. Ihr droht die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie.

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