Diese Website speichert Cookies auf Ihrem Computer. Diese Cookies werden verwendet, um Ihre Website zu optimieren und Ihnen einen persönlich auf Sie zugeschnittenen Service bereitstellen zu können, sowohl auf dieser Website als auch auf anderen Medienkanälen. Mehr erfahren über die von uns eingesetzten Cookies finden Sie in unserer Datenschutzrichtlinie
Anzeige

Tourauftakt in Bad Segeberg: Fans feiern Fanta 4

Bad Segeberg. Die Fantastischen Vier im Land der Apachen: Die Stuttgarter Hip-Hop-Veteranen machen zum Start ihrer Open-Air-Tour Halt am Kalkberg. Mit typischem Fanta-Sound heizen sie ihren mehr als 10.000 Fans ein - und sind dabei ungewohnt politisch.

Tourauftakt in Bad Segeberg: Fans feiern Fanta 4

Die Fantastischen Vier im Winnetou-Land. Foto: Axel Heimken

Die Hand deutet den typischen Kopfschmuck an, dann hallt der Indianerschrei durch die Reihen der Fans: Michi Beck von den Fantastischen Vier ​wandelt beim Tourauftakt seiner Band am Kalkberg in Bad Segeberg auf den Spuren von Karl May.

„Ich wollte immer hierher - mit Old Shatterhand, Winnetou und so, aber Stuttgart ist leider so weit weg“, ruft er. Fast drei Jahrzehnte hat es am Ende gedauert, jetzt sind sie endlich da.

Dort, wo normalerweise Indianerhäuptlinge und Cowboys bei den Karl-May-Spielen gemeinsam das Böse bekämpfen, stehen am Freitagabend die Hip-Hop-Urgesteine vereint auf der Bühne. Dabei wirken die Fantas selbst ein bisschen wie die „Indianer der Hip-Hop-Szene“ - eine vom Aussterben bedrohte Erscheinung, etwas Einzigartiges, das es angesichts einer immer raueren, skandalumwobeneren Hip-Hop-Szene so eigentlich gar nicht mehr geben dürfte.

In einer Zeit, in der Gangster-Rapper mit gewaltverherrlichenden und teils menschenverachtenden Texten Schlagzeilen machen, stellen die Stuttgarter Rap-Veteranen einen charismatischen Gegenentwurf dar, der Menschen aller Altersklassen und Gesellschaftsschichten anzusprechen scheint. Anders kann man es sich nicht erklären, dass bei dem Tourauftakt mehr als 10 000 Fans aus drei Generationen ausgelassen tanzen und feiern.

„Das haben wir 1992 und 93 hoch und runtergehört“, ruft eine Frau beim Klassiker „Die da !?“, mit dem die Band 1992 den ersten Charterfolg im Genre Deutsch-Rap hatte. Währenddessen tanzt unmittelbar neben ihr eine Gruppe jüngerer Fans, die zur besagten Zeit vermutlich noch nicht einmal auf der Welt war. Die Fantas machen Musik für die Massen, familienfreundlichen, tanzbaren Hip-Hop, der trotzdem fast niemals belanglos zu sein scheint.

Während an dem Abend zahlreiche Ohrwürmer gute Laune und Nostalgiegefühle aufkommen lassen, schlägt die Band schließlich auch immer wieder politische Töne an. Vor allem das erst kürzlich veröffentlichte Album „Captain Fantastic“ strotzt vor gesellschaftskritischen Botschaften, die sich unter anderem die populistischen Strömungen in der Welt und die Verrohung der Debattenkultur vornehmen.

„Populisten haben das Sagen, alles geht den Bach runter. Morgen macht alles zu, nur die Fantas sind noch da“, heißt es zu Beginn des Liedes „Tunnel“, das mit „Endzeitstimmung“ und „Affen mit Waffen“ zu den Aushängestücken der neuen Fanta-Agenda zählt. Und auch im direkten Gespräch mit dem Publikum beziehen die Jungs klar politische Stellung. „15 Prozent haben die AFD gewählt - theoretisch sind das also auch 15 Prozent der Leute hier“, beklagt Thomas D, was vom Publikum mit lauten Buhrufen quittiert wird.

Trotz dieser ungewohnten Seriosität versäumt es die Band um Thomas D, And.Ypsilon, Michi Beck und Smudo nicht, mit viel Witz und Humor die Bühnenpausen aufzulockern. So richtet sich etwa Michi Beck an den abwesenden Clueso, mit dem die Truppe den WM-Hit „Zusammen“ aufgenommen hat. „Nächstes Mal kannst du ruhig hochkommen. Feigling!“, ruft er im Anschluss an den Song, während es aussieht, als würde er durch den Boden der Bühne mit ihm sprechen.

Am Ende des Abends passt alles zusammen: Die Songauswahl, die Energie der Fantas, die Laune der Fans. Nur das Wetter will beim Tourauftakt noch nicht so wirklich mitspielen. Statt des erhofftem Picknick-Feelings gibt es einen grauen Himmel und herbstliche Temperaturen. Typischer „nordischer Sommer“, wie die Fantas es nennen.

Trotzdem tun sich die Fans bei der Zugabe schwer, die Vier endgültig gehen zu lassen. „Vielen Dank, dass ihr uns troy geblieben seid“ rufen sie, bevor sie den gleichnamigen Song zum Abschied spielen. Treu - das waren ihnen wohl die meisten der Anwesenden in den letzten 30 Jahren. Dann verschwinden die Fantas. Am Montag gehört die Bühne dann - pünktlich zum Probenstart der Karl-May-Spiele - wieder Winnetou.

Weitere Tourtermine: 08.06. Ladenburg - Festwiese, 23.06. St. Wendel - Open Air, 13.07. Rosenheim - Sommerfestival, 19.07. Füssen - Barockgarten, 20.07. Bonn - Kunstrasen!, 21.07. Kassel - Auestadion

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Hamburg. Eigentlich wollte Shakira schon 2017 im Rahmen ihrer Welttournee nach Deutschland kommen. Eine Stimmbandentzündung zwang den Popstar jedoch, die Tour zu verschieben. Nach Monaten der Ungewissheit feierte sie am Sonntag ihr Bühnen-Comeback.mehr...

Nürburg/Nürnberg. Nach Jahren mit Gewitter-Verletzten und zuletzt einem Terroralarm stehen bei „Rock am Ring“ wieder Musiker im Fokus. Entspannt ging es auch bei „Rock im Park“ zu. Und auch das Wetter spielte mit.mehr...

New York. Das digitale Dauerrauschen kann selbst rastlose New Yorker anstrengen. Bei Max Richters achtstündigem Konzert „Sleep“ versuchen 150 Zuschauer, innerlich für eine Nacht abzuschalten. Selbst in den fluffigen Betten können sich einige nur schwer vom Leuchten der Displays lösen.mehr...