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Vater soll Tochter missbraucht haben – zur Entlastung fordert er eine Intimvermessung

Missbrauchsprozess

So einen Antrag gibt es nicht alle Tage: Im Missbrauchsprozess gegen einen Familienvater aus Recklinghausen zieht der Angeklagte alle Register. Er fordert eine Vermessung des Intimbereichs.

Bochum

von Werner von Braunschweig

, 26.06.2018
Vater soll Tochter missbraucht haben – zur Entlastung fordert er eine Intimvermessung

Ein Familienvater aus Recklinghausen soll ein Kind missbraucht haben. © dpa

So einen Antrag gibt es auch nicht alle Tage: Im Missbrauchsprozess gegen einen Familienvater aus Recklinghausen zieht der Angeklagte alle Register, um Zweifel an den Vorwürfen zu säen. Am Dienstag beantragte der 35-Jährige vor dem Bochumer Landgericht seine eigene „fachgerechte Vermessung“ – zwischen den Beinen.

Der angeklagte Vater, der einen sexuellen Übergriff auf das Mädchen bei Prozessbeginn noch abgenickt, dieses Geständnis danach aber widerrufen hatte, verspricht sich von den Ergebnissen einer Vermessung eindeutige Entlastung.

Sollten die Maße seiner intimsten Körperregion erst einmal schwarz auf weiß feststehen, so würde jedem schnell klar werden, dass ein Kindesmissbrauch nahezu anatomisch unmöglich sei, hieß es sinngemäß in einem selbst verlesenen Antrag des 35-Jährigen.

Gefängnisarzt soll Vermessung abgelehnt haben

Weil der Gefängnisarzt sich zuletzt angeblich geweigert habe, bei ihm unten herum Maß zu nehmen, soll dies nun ein Rechtsmediziner nachholen. Zum Beweis seiner Unschuld sei diese Frage der Größe seines Genitals einfach zu wichtig.

Das Ergebnis eines Glaubwürdigkeits-Gutachtens hat den Druck auf den Familienvater derweil noch einmal erhöht. Eine Psychologin, die das Mädchen abseits von der Zeugenaussage bei Gericht zweimal intensiv befragt hatte, legte sich im Prozess fest, dass praktisch alles dafür spreche, dass das Kind am 12. Dezember 2017 tatsächlich schweren sexuellen Missbrauch erfahren hat. Die Aussage der Tochter sei „plastisch, nachvollziehbar und konkret“.

Tochter soll sich Porno auf dem Handy des Vaters angesehen haben

Eine Einflüsterung des erlittenen Missbrauchs durch andere Personen sei ebenso unwahrscheinlich, wie die vom Angeklagten behauptete Nacherzählung einer tatsächlich nur auf einem Handyvideo gesehenen Pornofilmchens. Dass seine Tochter einen solchen Film bei ihm auf dem Handy gesehen hat, will der Angeklagte gar nicht bestreiten. Dass er sich als Vater an seiner Tochter vergangen habe, sei jedoch absolut undenkbar.

Ob die Richter dem Antrag auf Intim-Vermessung des Angeklagten nachkommen, erscheint eher unwahrscheinlich. Sie ließen bereits durchblicken, dass die Klärung des angeklagten Missbrauchsvorwurfs keine Antwort auf eine Größen-Frage benötige.

Der Prozess wird fortgesetzt.