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Verteidiger fordern Freispruch für Bottroper Apotheker

Gepanschte Krebsmittel

Kein Betrug, keine kriminellen Strukturen: Im Prozess um gepanschte Krebsmittel haben die Verteidiger Freispruch beantragt. Die Schuld des Bottroper Apothekers sei nicht bewiesen.

von Jörn Hartwich

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Essen

, 05.07.2018
Verteidiger fordern Freispruch für Bottroper Apotheker

© picture alliance / Bernd Thissen

„Wir sind genauso schlau wie vorher“, sagte Verteidiger Ulf Reuker in seinem Plädoyer vor dem Essener Landgericht. „Was die Beweisaufnahme ergeben hat, ist: könnte, könnte, könnte.“ Die Analyse der angeblich gestreckten Krebsmedikamente sei nicht eindeutig und müsse angezweifelt werden. Außerdem sei die Schuldfrage längst nicht geklärt. Sollten die in der Bottroper Apotheke hergestellten Arzneien tatsächlich unterdosiert gewesen sein, sei längst nicht klar, wer dafür verantwortlich war. Gleich mehrere Mitarbeiter des Angeklagten hätten bei ihren Zeugenaussagen vor Gericht schließlich die Aussage verweigert.

„Es ist nichts erwiesen“, sagte auch Verteidiger Peter Strüwe. Sein Mandant habe auch keine „kriminellen Organisationsstrukturen“ geschaffen. Von einem „Serienbetrüger“ könne deshalb keine Rede sein.

Über 50 Millionen Euro Schaden

Dem 47-jährigen Apotheker wird vorgeworfen, systematisch Krebsmedikamente gestreckt, aber voll abgerechnet zu haben. Der Schaden, der allein den gesetzlichen Krankenkassen entstanden ist, soll sich auf über 50 Millionen Euro belaufen. Die Staatsanwaltschaft hatte in diesem Zusammenhang von einer Bereicherung auf Kosten schwer kranker Menschen gesprochen und dreizehneinhalb Jahre Haft sowie ein lebenslanges Berufsverbot gefordert.

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Der Angeklagte war am 29. November 2016 festgenommen worden und sitzt seitdem ununterbrochen in Untersuchungshaft. Im Prozess vor dem Essener Landgericht hat er sich nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Das Urteil soll am Freitag gesprochen werden.