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Virtuelles Wimmelbuch: Spielbergs „Ready Player One“

London. Mit „Ready Player One“ kehrt Erfolgsregisseur Steven Spielberg zum Popcorn-Kino zurück. Der Schöpfer von „E.T.“ und „Indiana Jones“ zeigt eine düstere Zukunft, in der sich Menschen in eine virtuelle Welt fliehen. Dort dreht sich allerdings alles um die 80er Jahre.

Virtuelles Wimmelbuch: Spielbergs „Ready Player One“

Samantha (Olivia Cooke) und Wade (Tye Sheridan) auf der Suche nach den drei Easter Eggs. Gefährlich!. Foto: Warner Bros GmbH

Die Zukunft sieht nicht gut aus. Im Jahr 2045 ist die Welt trostlos, kaputt und überbevölkert. Menschen leben auf engstem Raum in Slums, die aus gestapelten Containern und Wohnwagen bestehen. Ihr einziges Glück besteht darin, sich in die virtuelle Realität zu flüchten.

In einem digitalen Universum namens Oasis kann jeder sein, was er will und wo er will. Surfen im Hurricane, Snowboarden auf den Pyramiden oder Glücksspiel im Weltraum? Oasis ist der perfekte Ersatz für die triste Realität. In dieser Welt der unbegrenzten Möglichkeiten tobt sich Erfolgsregisseur Steven Spielberg in seinem neuen Fantasy- und Science-Fiction-Epos „Ready Player One“ aus.

Die Jungstars Tye Sheridan („X-Men: Apocalypse“) und Olivia Cooke („Ouija“) spielen die Hauptrollen in dem visuell überwältigenden Abenteuer nach dem gleichnamigen Kultroman von Ernest Cline („Fanboys“). In Gestalt ihrer Spielfiguren, der Avatare Parzival und Art3mis, versuchen sie in der Oasis eine Schatzsuche zu lösen, die der Gründer der virtuellen Welt, James Halliday, kurz vor seinem Tod ausgerufen hat: Wer drei sogenannte Easter Eggs in Form von drei Schlüsseln findet, erbt Hallidays gigantisches Vermögen und die Oasis gleich mit.

Neben Parzival, Art3mis und deren Freunden hat es aber auch Konzernboss Nolan Sorrento auf die drei Schlüssel abgesehen. Seine Firma Innovative Online Industries (IOI) stellt die Hardware für die virtuelle Realität her und versklavt Menschen, die ihre Schulden dafür nicht abbezahlen können, weil sie in der Oasis gescheitert sind. Der Australier Ben Mendelsohn, der besonders Star-Wars-Fans als Bösewicht Orson Krennick aus „Rogue One“ bekannt ist, glänzt als skrupelloser Schurke, der seine Armee durch die virtuelle und reale Welt jagt, um ans Ziel zu kommen.

Die Idee mit drei Schlüsseln stammt aus dem Videospiel „Adventure“, das Gamer in den 80er Jahren auf der Konsole Atari 2600 spielten. Es gilt als das erste Spiel überhaupt, in dem ein Easter Egg versteckt wurde. Halliday, den Oscar-Preisträger Mark Rylance („Bridge Of Spies“) als obernerdiges, schüchternes und gutherziges Genie à la Bill Gates oder Steve Jobs herrlich verkörpert, ist nämlich ein Kind der 70er und 80er und war besessen von der Popkultur dieser Zeit - von Filmen, Games und Musik.

„Ready Player One“ kombiniert seine düstere Zukunftsvision folglich mit viel Nostalgie. Zu dystopischen Bildern der realen Welt läuft launige Rock- und Popmusik von Van Halen, Duran Duran oder Tears For Fears. Und wer Hallidays Rätsel lösen will, sollte mit Filmklassikern wie „Shining“, „Bill & Ted's verrückte Reise durch die Zeit“ und „Ferris macht blau“ vertraut sein. Wie schon im Roman zelebriert Cline, der 1972 geboren wurde, auch in seiner Drehbuch-Adaption die zahlreichen Einflüsse seiner Kindheit und Jugend.

Verglichen mit dem Roman wurde einiges verändert oder weggelassen. So wurde aus der ersten Herausforderung - im Buch eine Kombination aus dem Game-Klassiker „Dungeons of Daggorath“ und dem Film „WarGames“ - ein spektakuläres Autorennen durch Manhattan. Parzival fährt im umgebauten DeLorean aus „Zurück in die Zukunft“, Art3mis auf dem Motorrad aus dem japanischen Anime „Akira“. Während des Rennens werden sie von einem T-Rex und dem Riesenaffen King Kong attackiert.

Schon im Trailer suchten Fans nach jedem noch so kleinen Detail und diskutierten im Internet darüber. Auf Kenner und Liebhaber von Filmen und Videospielen (nicht nur der 80er) wirkt „Ready Player One“ wie ein großes Wimmelbilderbuch von Ali Mitgutsch oder Martin Handfords „Wo ist Walter?“. Überall ist etwas zu entdecken - häufig mehr, als das Auge bei dem Tempo des Films erfassen kann.

Wer mit der Videospiele-Optik und dem Kult der 80er allerdings nichts am Hut hat, dem droht eine visuelle Überreizung. Aber für Gamer, Nerds und Kinder der späten 70er und 80er hat Altmeister Spielberg ein buntes, bombastisches und rasantes Popcorn-Spektakel geschaffen, das trotz der Länge von fast zweieinhalb Stunden sehr kurzweilig ist.

Die ursprüngliche Botschaft des Romans, die Warnung vor einem Zerfall der Gesellschaft, der Zerstörung der Welt und der Macht der großen Unternehmen, gerät dabei etwas in den Hintergrund. Übrig bleibt nur Hallidays Warnung. „Die Menschen müssen mehr Zeit in der realen Welt verbringen“, fordert er aus gutem Grund, denn: „Der einzige Ort, an dem es etwas Anständiges zu essen gibt, ist die Realität.“

Ready Player One, USA 2018, 140 Min., FSK ab 12, von Steven Spielberg, mit Tye Sheridan, Olivia Cooke, Mark Rylance, Ben Mendelsohn

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