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Volksbühne muss sich auf lange Hängepartie einstellen

Berlin. Das Experiment ist gescheitert, aber was kommt jetzt? Nach dem Abgang des geschmähten Volksbühnen-Chefs Chris Dercon ist alles offen. Fest steht nur: Mit der Nachfolge wird es dauern.

Volksbühne muss sich auf lange Hängepartie einstellen

Intendant gesucht: Die Volksbühne in Berlin. Foto: Paul Zinken

Die Berliner Volksbühne muss sich nach der Trennung von ihrem umstrittenen Intendanten Chris Dercon auf eine lange Hängepartie einstellen.

Im verantwortlichen Ausschuss des Abgeordnetenhauses fand Kultursenator Klaus Lederer (Linke) am Montag breite Unterstützung für seinen Kurs, die Nachfolgefrage in aller Ruhe zu klären.

Auch Volksbühnen-Interimschef Klaus Dörr mahnte Geduld an. „Schnellschüsse richten nur Schaden an“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. „Für die qualifizierte Vorbereitung einer Intendanz braucht man anderthalb bis zwei Jahre.“

Lederer sagte, zunächst gehe es darum, das Theater überhaupt wieder arbeitsfähig zu machen. Sämtliche Mitarbeiterverträge sollten deshalb wie vereinbart weiterlaufen. „Die Mitarbeiter sind jetzt das Pfund, die Basis dafür, dass die Volksbühne wieder anfangen kann.“

Dercon, als Nachfolger des langjährigen Theaterchefs Frank Castorf von Anfang an umstritten, hatte in der vergangenen Woche überraschend seinen Rücktritt erklärt. Nach Darstellung von Lederer im Kulturausschuss war die Trennung unvermeidbar. So habe es schon im November Anzeichen gegeben, dass Dercons Konzept finanziell nicht aufgehe. Dennoch habe der Belgier in keiner Weise gegengesteuert.

„Es gab keinerlei Ansatz, keine Idee, wo es hingehen sollte“, so Lederer. Zwar wies er Berichte zurück, die Bühne stehe kurz vor dem Ruin. Zugleich schloss er jedoch nicht aus, dass zusätzliche öffentliche Mittel für eine Konsolidierung nötig sein könnten. Der Grünen-Abgeordnete Daniel Wesener forderte einen schriftlichen Bericht zu Finanzlage des Hauses.

Vertreter der Opposition gaben dem Regierungschef Michael Müller, dem früheren Kulturstaatssekretär Tim Renner (beide SPD) und Lederer eine Mitschuld an dem Debakel. „Von Seiten der Exekutive ist alles getan worden, dass das Konzept Dercon scheitert“, sagte der CDU-Abgeordnete Robbin Juhnke. Lederer wies die Vorwürfe zurück.

Der kurzfristig berufene Interimschef Klaus Dörr brachte eine Führungsstruktur mit mehreren Personen ins Gespräch. Angesichts „der Bedeutung der Ära Frank Castorfs“ halte er es fast für ausgeschlossen, dass ein einzelner Intendant die Aufgabe  schaffe.

„Ich kann mir vorstellen, dass man in Osteuropa, wo bedeutende Regisseure aus politischen Gründen Probleme mit ihrer Arbeit haben, wichtige Künstler für die Volksbühne finden kann“, so Dörr zur „Süddeutschen“.

Dercon hatte mit teuren Gastspielen, vor allem aber mit der erhofften Bespielung des früheren Flughafens Tempelhof viel Geld verplant. Dörr kündigte jetzt eine Kehrtwende an. „Wir müssen nach und nach ein Repertoire aufbauen und die Voraussetzungen für den Neuaufbau des Ensembles schaffen“, sagte er.

Bis dahin müsse improvisiert werden. „Ich will nicht pathetisch werden, aber es geht jetzt darum, dieses Theater zu retten.“ Er werde unter anderem „auf befreundete Theater zugehen und fragen, ob sie Möglichkeiten der solidarischen Unterstützung sehen.“

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