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Von der Flipperkugel zu den Spaceinvaders

Arcade weckt Spieltrieb der Vredener mit alten Automaten

„Daddeln wie in alten Zeiten“, so lautete das Motto der Arcade am Wochenende. Hier konnte auch die Generation Smartphone noch Neues lernen.

Vreden

15.04.2018
Von der Flipperkugel zu den Spaceinvaders

Der Flipperautomat zog die Besucher der Arcade als Klassiker mit der polierten Stahlkugel in den Bann. (5) Piccin

Frank ist im Stress. Es ist kurz vor 15 Uhr, die ersten Gäste lauern bereits durch die Eingangstür. Sie fachsimpeln über das, was sie zunächst nur aus der Entfernung sehen. Es handelt sich um Geräte aus unterschiedlichen Epochen der Unterhaltungs- und Spielautomation. Die Retro-Nerds Münsterland um Initiator Frank haben am Wochenende ihre erste Arcade veranstaltet. Ein kostenloses Spielen für jedermann.

Wie es häufig so ist, kurz vor knapp geht etwas schief. Jemand hat die Stromleitung erwischt, die Spielautomaten sind ohne Strom. Schnell ist der Fehler erkannt und die Lichter und Bildschirme flackern wieder auf. Hier etwas gewerkelt, dort die letzte Schraube festgezogen, dann durchatmen. Eine vermasselte Generalprobe ist oft auch ein gutes Omen für eine gelungene Premiere. „Wollen wir sie reinlassen?“, fragt Frank seine Mitstreiter. Unbedingt.

Eric kriegt es wieder hin

Die zwei Räume sind vollgestellt mit liebevoll restaurierten Automaten, die zum Teil über 80 Jahre alt sind. Wie „Peppy der Clown“. Aus den 30er Jahren stammt dieses Gerät. Der Spieler bewegt mittels Tastendruck die Gliedmaße der Puppe zur Musik. „Das war damals revolutionär“, betont Eric. Man müsse immer den zeitlichen Kontext in Betracht ziehen. Frank bezeichnet Eric als den „Automaten-Gott“. Immer wenn es etwas zum Restaurieren gibt, macht er sich auf den Weg ins niederländische Alkmaar. Über 400 Kilometer hin und zurück. Doch es lohnt sich: Eric bekommt so gut wie alles wieder ans Laufen.

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Arcade in Vreden

Alte Spielautomaten haben am Wochenende die Vredener auf der Arcade fasziniert.
15.04.2018
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„Als ich 15 war, war ich mit einem Freund und dessen Vater unterwegs. Der war Aussteller. Er zeigte auf einen Flipperautomaten und meinte, probiere es mal, den flott zu kriegen. So hat die Liebe angefangen“, erzählt der Niederländer. Als gelernter Elek-trotechniker hat er viele Schätzchen wieder auf Vordermann gebracht. Das Geheimnis liege darin, die Spielmechanik zu verstehen: „Wenn man weiß, was das Gedächtnis des Spiels ist, dann kann man es reparieren.“ So lange es etwas Mechanisches und analog ist. Von Monitoren lässt er die Finger. Gerade die Einfachheit – aus heutiger Sicht betrachtet – der Automaten fasziniert den Bastler: „Das ist deren Kraft. Ein Kind stellt sich daran und weiß sogleich, was es machen muss.“

Strahlende Gesichter

Auf der Arcade in Vreden gibt es den Lohn für Frank, Eric und Co. Strahlende Gesichter aus allen Altersstufen drücken auf Knöpfen herum, rütteln am Joystick, steuern das Lenkrad oder schießen auf digitale Tontauben. „Das ist so geil! Ich komm‘ mir vor wie ein Teenager“, sagt Katja, als sie eine Runde „Space Invaders“ spielt. Ihre Begleitung Jens stimmt mit ein: „Wie in alten Zeiten…“

Vermehrt findet sich auch die jüngste Generation ein. Heike ist mit ihrem Mann und den Zwillingen da: „Es ist toll, dass man alles kostenlos ausprobieren kann.“ Ansonsten überlässt sie lieber den Jungs das Feld. Den „Grand National Race“, ein mechanisches Pferderennspiel aus den 70ern, und die Flipperautomaten fand sie dann aber doch ansprechend.

Dass gerade die Kleinsten sich an den Geräten austoben, findet Frank toll. Klaus pflichtet ihm bei: „Es ist total klasse, die Sachen aus der Jugend noch einmal in den Händen zu halten. Ich habe bewusst die Kinder mitgebracht, um ihnen die Videospiele von damals zu zeigen.“ Es sei auch schon vorgekommen, dass die Jüngsten aus der Generation Smartphone vor dem großen Bildschirm stehen und versuchen, mittels Wischbewegungen voranzukommen. Die Lacher waren auf ihrer Seite.

Direkt nebeneinander

Thomas ist mit seinen beiden Söhnen da. Die Sieben- und Neunjährigen seien in einem Alter, in dem sie für die alten Spiele noch zu begeistern sind: „Ich kann mit den Spielen von früher mehr anfangen. Und die Kinder finden es auch toll. Als 15-, 16-Jährige würden sie eher vor der Playstation sitzen.“

Etwas älter als die beiden ist Linus. Er kommt aus Münster und ist von einem Freund zur Arcade nach Vreden eingeladen worden. „Am besten gefällt mir aber der lokale Multiplayer-Modus. Normalerweise findet das heute nur noch online statt“, sagt Linus. Früher sei es üblich gewesen, dass mehrere Personen gleichzeitig an einem Spiel teilnehmen konnten – direkt nebeneinander.

Unerwartet großer Andrang

Mittlerweile ist kaum ein Gerät mehr frei. „Ich habe nicht mit so vielen Leuten gerechnet“, freut sich Frank. Wohl aber mit Ausfallerscheinungen. So streikt der Motorradrennen-Automat nach wenigen Durchläufen und auch ein weiteres Relikt aus vergangenen Dekaden wird vorsorglich vom Stromnetz genommen. Kleinere Malaisen beheben Frank und die Retro-Nerds mit wenigen Handgriffen. Zwischen Fachsimpelei, Wartung und Gästebegrüßung bleibt auch für sie immer mal wieder Zeit, selbst eine Runde in die Tasten zu hauen. Der rege Zulauf lässt wohl nur einen Schluss zu: Die Arcade wird mindestens ein Extra-Leben erhalten.

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