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Wal-Verwandtschaften nach Erbgut-Entschlüsselung enthüllt

Frankfurt/Main. Sie sind die Giganten der Ozeane und im Vergleich zu ihnen waren selbst die Dinosaurier eher klein: Mit bis zu 30 Metern Länge sind Blauwale die größten Tiere der Erde. Die Entschlüsselung des Erbguts mehrerer Wale barg nun ein paar Überraschungen.

Wal-Verwandtschaften nach Erbgut-Entschlüsselung enthüllt

In der sechsjährigen Studie sequenzierten die Forscher das Erbgut von insgesamt sechs Walarten. Foto: epa efe Caetano Barreira/EFE/epa

Deutsche und schwedische Forscher haben das Erbgut des Blauwals und fünf weiterer Walarten entziffert und sind dabei auf überraschende Walverwandtschaften gestoßen.

Denn auch während der Artbildung paarten sich verschiedene Furchenwale, zu denen auch der Blauwal gehört, über die entstehenden Artgrenzen hinweg, wie die Wissenschaftler im Fachblatt „Science Advances“ berichten. Durch die Entschlüsselung des Erbguts lasse sich die Evolutionsgeschichte der größten Tiere der Erde detailliert nachvollziehen, so die Wissenschaftler um Axel Janke, Evolutionsgenetiker am Senckenberg-Institut und an der Universität Frankfurt.

Bei der Aufspaltung der Furchenwale, die vor 10,5 Millionen Jahren begann, gab es gleich zwei ungewöhnliche Faktoren: Es war keine natürliche Barriere zwischen den entstehenden Arten vorhanden und Tiere der Arten paarten sich auch noch miteinander. „Arten bilden sich gewöhnlich durch reproduktive Isolation, die durch genetische oder geografische Barrieren entsteht“, sagte Fritjof Lammers vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. Artbildung mit Genfluss, also mit Paarung über die Grenzen hinweg, sei in der Natur selten. Für Furchenwale scheine dies aber nicht zu gelten. Geografische Grenzen gibt es für die Wale in den Weiten der Ozeane ohnehin nicht.

Selbst heute noch werden Kreuzungen von Finn- und Blauwalen gesichtet, heißt es in der Studie. Im Erbgut konnten Forscher solch eine Verbindung jedoch noch nicht nachweisen.

Die Wissenschaftler wollten laut Janke mit ihren Untersuchungen unter anderem feststellen, wie unter diesen Umständen Biodiversität entsteht. So habe sich etwa der Grauwal eine andere Nahrungsquelle erschlossen und ernähre sich als „bottom feeder“ von Krebstieren am Boden von Küstengewässern.

In der sechsjährigen Studie sequenzierten die Forscher das Erbgut von insgesamt sechs Walarten: Blau-, Sei-, Grau-, Grönland-, Zwerg- und Buckelwal. Darunter wurden fünf laut Janke bislang als Furchenwale angesehen, Grauwale hätten nicht dazu gezählt. Sie hätten aufgrund ihres Aussehens aber eine Sonderstellung innerhalb der Bartenwale gehabt. „Die haben sie nun nicht mehr, nach den genetischen Analysen“, sagte Janke. „Wir schlagen vor, auch die Grauwale in die Gattung Balaenoptera aufzunehmen. Damit wären alle Furchenwale vereint und um eine Art reicher.“ Diese Wale haben tiefe Hautfalten, die sich von der Unterlippe bis zum Bauch erstrecken können.

Eine positive Nachricht haben die Forscher zudem: „Durch den Walfang ist die Genvariabilität nicht verloren gegangen. Sie sind auf gutem Weg sich wieder erholen“, erläutert Janke. Die Arten seien aufgrund ihrer überraschend hohen Genvariabilität fähig, Krankheitserregern, Parasiten oder Umweltveränderungen gut zu widerstehen.

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