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Politiker-Gattin der alten Garde: Barbara Bush ist tot

Barbara Bush war Frau eines US-Präsidenten und Mutter eines anderen. Sie schrieb Bücher aus der Sicht ihrer Hunde und machte noch im Alter von 90 Jahren Wahlkampf für einen ihrer Söhne. Nun ist die Frau mit den schlohweißen Haaren gestorben.

von Von Johannes Schmitt-Tegge und Maren Hennemuth, dp

,

Houston

, 18.04.2018
Politiker-Gattin der alten Garde: Barbara Bush ist tot

George H.W. Bush, ehemaliger Präsident der USA, und seine Frau Barbara Bush im Jahr 1988 in Florida. Foto: Kathy Willens/AP/Archiv

Als Barbara Bush am 20. Januar 1989 an der Seite ihres frisch vereidigten Ehemannes George H. W. Bush zum Weißen Haus schritt, tat die First Lady plötzlich etwas Unerwartetes. Sie eilte auf einen Reporter zu, tippte ihn an und drückte ihm einen Kuss auf den Mund. Viele Jahre später sagte sie über die Szene, sie habe den Mann nicht gekannt, aber er habe so einen fröhlichen Gesichtsausdruck gehabt.

Diese souveräne, spontane und herzliche Art war es, mit der sie während der Amtszeit ihres Mannes die menschliche Seite der Bush-Präsidentschaft verkörperte. Ihr silberweißes Haar, die Perlenkette und ihr warmer, unprätentiöser Umgang brachten ihr schnell die Rolle als „Jedermanns Großmutter“ ein. Am Dienstag ist Barbara Bush im Alter von 92 Jahren gestorben.

Die Tochter eines millionenschweren Zeitschriftenverlegers aus einer Kleinstadt im Staat New York war gerade 16 Jahre alt, als sie ihrem zukünftigen Mann bei einer Tanzveranstaltung begegnete. Kurz bevor George als Pilot in den Zweiten Weltkrieg zog, verlobten sich die beiden - und heirateten im letzten Kriegsjahr 1945, nachdem er über dem Pazifik abgeschossen worden war und heimkehrte. Ihr Studium am renommierten Smith College im Staat Massachusetts hatte sie abgebrochen.

Von dort an widmete sie ihre Kraft und Zeit ganz der Familie und den politischen Zielen ihres Mannes. Das Paar zog oft um, Bush war Botschafter bei den Vereinten Nationen, Diplomat in China und CIA-Direktor, bevor er 1988 ins höchste Amt der USA gewählt wurde.

Ihre frühzeitig weiß gewordenen Haare färbte Barbara Bush bewusst nicht und verzichtete auf den Glamour einer Jacqueline Kennedy. Erst während ihrer Zeit im Weißen Haus wurde sie schönheitsbewusster: Sie trieb Sport, kaufte edle Abendroben und ließ sich mehrmals wöchentlich frisieren.

In kontroversen politischen Debatten hielt sich Barbara Bush eher zurück. Ihr Einfluss endete aber keineswegs bei der Gestaltung des Rosengartens: Bush engagierte sich in sozialen Projekten, etwa im Kampf gegen Obdachlosigkeit und Aids. In einem Krankenhaus für Krebspatienten wusch sie Kranke und kümmerte sich um die Sterbenden. Als First Lady machte sie sich dafür stark, Erwachsenen Lesen und Schreiben beizubringen.

1984 schrieb sie ein Kinderbuch über ihre Familie aus der Sicht ihres Hundes Fred. 1990 folgte ein weiteres Buch, in dem sie aus der Perspektive der Hündin Millie über einen Tag im Weißen Haus berichtete. Es wurde zum Bestseller.

Bush war Mutter von sechs Kindern, von denen eines im Alter von drei Jahren an Leukämie gestorben ist. Ihr ältester Sohn George W. Bush trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde 2001 US-Präsident. Bei der Vereidigung stand Mutter Barbara der Stolz ins Gesicht geschrieben.

Ihr zweitältester Sohn Jeb Bush verkündete im Juli 2015, ebenfalls Präsident werden zu wollen. Zwei Jahre zuvor hatte sich seine Mutter noch dagegen ausgesprochen. Es habe genug Bushs im Weißen Haus gegeben, sagte sie in einem Interview. Andere Familien müssten eine Chance haben. Sie unterstützte ihn dann aber doch.

Während des Vorwahlkampfes Anfang 2016 trat sie trotz ihres hohen Alters in New Hampshire auf. In einem Diner warb sie - mit Perlenkette um den Hals und Jeb-Sticker auf dem Oberteil - um Stimmen für ihren Sohn. Später zeigten Fernsehaufnahmen, wie sie ihren Rollator in dichtem Schneetreiben über einen vereisten Weg schob.

Jeb Bush galt am Anfang des Rennens als Favorit, die Umfragewerte des Ex-Gouverneurs von Florida sanken dann aber rasch. Er wurde zu einer beliebten Zielscheibe von Donald Trump, der ihn in Debatten und Reden gern beleidigte. Barbara Bush machte in einem Interview deutlich, wie wenig sie von dem umstrittenen Quereinsteiger hält. Sie habe die Nase voll von Trump, erklärte sie. Er sage nicht, wie er Probleme lösen wolle. Er beleidige nur und habe furchtbare Dinge über Frauen gesagt.

Bush hatte auch nach ihrer Zeit im Weißen Haus an einem konservativen Frauenbild festgehalten. 1990 kam es deswegen zum Disput, als sie am Wellesley College bei Boston die Festrede bei der Abschlussfeier halten sollte. 150 Studentinnen sprachen sich dagegen aus - Bushs abgebrochenes Studium und das Leben als Gefährtin eines erfolgreichen Mannes passten nicht ins moderne Frauenbild. Bush sprach dann aber doch dort. „Am Ende Eures Lebens werdet Ihr es nicht bereuen, nicht noch eine weitere Prüfung bestanden zu haben, nicht noch ein weiteres Gerichtsurteil gewonnen zu haben oder nicht noch einen weiteren Deal abgeschlossen zu haben. Ihr werdet die Zeit bereuen, die ihr nicht mit Eurem Ehemann, Eurem Kind, Freunden oder Eltern verbracht habt“, sagte sie in ihrer Rede.

Bushs Beliebtheit als bescheidene, großmütterliche Frau hatte den politischen Zielen ihres Mannes in die Karten gespielt.

Unvergessen bleiben ihre Treffen mit der „First Lady“ der Sowjetunion am Ende des Kalten Krieges: Ganz anders als ihre Vorgängerin Nancy Reagan gelang es Bush, mit der Frau des sowjetischen Staats- und Parteichefs Michail Gorbatschow warm zu werden. Als Raissa Gorbatschow sich bei einem Treffen 1990 sogar mit Hund Millie anfreundete, schwärmte Barbara: „Es war ein großartiger Besuch, bei dem wir unsere alte Freundschaft aufgefrischt haben.“

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