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Lokale Betäubung genügt Tierschützern nicht

Bauern und Tierschützer streiten über Ferkel-Kastration

Männliche Ferkel werden kurz nach der Geburt ohne Beträubung kastriert. Das ist ab 2019 verboten. Tierschützern reicht jedoch auch eine örtliche Betäubung nicht aus. Denkbar sind auch noch andere, zum Teil verrückt klingende Alternativen wie „Schnupper-Mitarbeiter“ in Schlachthöfen.

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Münster

, 23.04.2018
Lokale Betäubung genügt Tierschützern nicht

Die Meinungen, wie Ferkel kastriert werden sollen, gehen weit auseinander © dpa

In der Debatte um den künftigen Umgang mit der Ferkel-Kastration fordern Bauern und Tierschützer eine rasche Entscheidung. Vom kommenden Jahr an dürfen männliche Ferkel nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden. Über das Thema wird ab Mittwoch auch beim Treffen der Agrarminister von Bund und Ländern in Münster beraten.

Ferkel werden kastriert, um den von vielen Verbrauchern als störend empfundenen Ebergeruch beim Erhitzen des Fleisches auszuschließen. Bisher war es üblich, dass Landwirte die Tiere kurz nach ihrer Geburt ohne Betäubung kastrierten. Diese seit Jahren nur geduldete Praxis wird mit Beginn des nächsten Jahres nicht mehr erlaubt sein.

Tierschützer fordern Verbot der lokalen Betäubung bei Tieren

Diskutiert werden nun unterschiedliche Wege, um den Interessen von Tierschutz und Verbrauchern gerecht zu werden. Der Deutsche Tierschutzbund fordert in diesem Zusammenhang ein Verbot der der Lokalanästhesie bei Kastrationen, weil die Tiere dabei eventuell weiter Schmerzen erleiden müssten. Verbandssprecherin Lea Schmitz sagte: „Aus Tierschutzsicht ist dieses Verfahren abzulehnen.“

Landwirtschaftsorganisationen, Tiermedizin und Fleischindustrie fordern dagegen die Anerkennung der Lokalanästhesie bei der Ferkelkastration, wie aus einem in der vergangenen Woche veröffentlichten Positionspapier hervorgeht. Erwartet wird, dass sich auch das nordrhein-westfälische Umwelt- und Landwirtschaftsministerium für diese Methode stark machen wird.

Ohne Kastration müssten Mitarbeiter zur Qualitätskontrolle an den Schlachttieren schnuppern

Eine Alternative könnte auch die Jungebermast sein - dabei wird auf eine Kastration ganz verzichtet. Allerdings gilt das Halten von nicht kastrierten männlichen Masttieren als nicht ganz einfach, weil sie aggressiver sind als kastrierte Tiere.

Außerdem muss das Fleisch dann in den Schlachthöfen gezielt auf den möglicherweise auftretenden Ebergeruch untersucht werden. Das geschieht durch speziell ausgebildete Mitarbeiter, die an den Schlachttieren schnuppern. Auf den Schlachthöfen sind die Kapazitäten dafür begrenzt.

Denkbar wäre auch eine Impfung gegen Ebergeruch oder die Ferkelkastration unter Vollnarkose. Kastrationsverfahren unter Vollnarkose sind allerdings oft aufwendig und entsprechend teuer.

Das in der Biohaltung praktizierte Verfahren mit Isofluran darf nur ein Tierarzt vornehmen, das Mittel ist eigentlich für Schweine auch nicht zugelassen, wird aber ausnahmsweise seit einigen Jahren verwendet.

Impfstoff ist eigentlich nicht für Schweine zugelassen - wird aber verwendet

Bei dem als „4. Weg“ bezeichneten Verfahren wird auf eine Vollnarkose verzichtet und den Ferkeln ein Lokalanästhetikum gespritzt. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert, dass Studien zufolge bei dieser Methode Schmerzen bei der Kastration nicht ausgeschlossen sind.

Die Befürworter aus Landwirtschaft, Tiermedizin und Fleischindustrie beziehen sich dagegen auf andere Studien, nach denen das Verfahren sehr wohl Schmerzen beim Tier wirksam ausschaltet.

dpa