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Marcel Sieberg wurde von seiner Schwester geschlagen

Serie „Yesterday“: Radsport

Die Erinnerung an den Mai 1993 lebt. Sabrina Simmes, Schwester von Profi Marcel Sieberg, denkt noch heute gerne an einen Tag zurück, wie unsere Serie „Yesterday“ belegt.

Castrop-Rauxel

, 03.05.2018
Marcel Sieberg wurde von seiner Schwester geschlagen

Sabrina Simmes (l.) feierte 1993 ihren größten sportlichen Erfolg, der auch in der Zeitung stand. Ihr jüngerer Bruder Marcel Sieberg (r.), wurde später Radprofi und Tour de France-Teilnehmer. Fotos (2) Bischof/Montage Mühe

Für Sabrina Simmes war der Gewinn der C-Jugend-Landesmeisterschaft in Rhede der Höhepunkt ihrer kurzen Laufbahn als Radrennfahrerin. Im gleichen Jahr errang sie noch einen Prestige-Erfolg. Einen, an den sich ihr Bruder nicht mehr so gerne erinnert.

„Das war mein größter sportlicher Erfolg. So etwas vergisst man einfach nicht“, sagt Sabrina Simmes, die heute in Havixbeck im Münsterland wohnt, rückblickend auf das Ereignis, über das diese Zeitung am 4. Mai 1993 schrieb und den Artikel überschrieb mit „Landestitel für Sieberg“. Die damals 13-Jährige wurde NRW-Meisterin im Einer-Straßenfahren. „Das war ein tolles Erlebnis. So etwas bleibt natürlich hängen“, so Simmes. Schauplatz des Geschehens war damals Rhede. Simmes, die für den RC Velo Castrop-Rauxel 85 fuhr, behielt über die zwei Runden (20,7 Kilometer) am Ende die Nase vorn und sicherte sich den Titel.

„Es gibt da aber noch etwas, was ich zu meinen großen sportlichen Erfolgen zähle“, berichtet Simmes. Etwas, was sie noch heute – so sagt sie – gerne gegen ihren Bruder Marcel Sieberg ausspielen würde. Hintergrund: Beim Radrennen in Dortmund-Derne am 16. Juni 1993 gingen beide Sieberg-Geschwister an den Start. Und dabei wies Sabrina Simmes ihren jüngeren Bruder Marcel, der als Profisportler mittlerweile zahlreiche Tour de France-Teilnahmen vorweisen kann, in die Schranken. Vater Wilhelm Sieberg erinnert sich: „An diesem Tag war Sabrina zunächst Zweite und Marcel Dritter. Aber der damalige Sieger wurde später aus der Wertung genommen, da er zu alt war. Seine vermeintliche Sondergenehmigung gab es nicht.“

Etwas ganz Spezielles

Somit stand Sabrina Simmer nachträglich ganz oben auf dem Podest. „Das war ein großes Erlebnis. Meinen jüngeren Bruder einmal zu schlagen, war etwas ganz Spezielles für mich. Ich ziehe noch heute ihn gerne damit auf“, sagt Sabrina Simmes. Marcel Sieberg bleibt da nichts anderes übrig, als es hinzunehmen. „Ich ignoriere das meistens einfach ganz gekonnt“, so der Radprofi, der derzeit für das belgische Team Lotto Soudal fährt. Außerdem hätte seine Schwester ja damals auch einen Größenvorteil gehabt, der den Ausschlag gegeben hätte. „Ich habe erst später einen richtigen Schuss gemacht“, sagt der jetzt 1,98 Meter große Profi.

Auf die Frage, an was für Erfolge im Radsport sich Simmes noch erinnern könne, sagt die 38-Jährige lachend: „An keine weiteren, ich hatte ja auch keine so lange Laufbahn.“ Denn noch vor dem Abitur, im Alter von 16 Jahren, war Schluss mit dem Radsport. „Als Frau muss man Prioritäten setzen“, sagt Simmes, „und wenn man nicht zu den Besten des Sports gehört, macht es auch wenig Sinn, weiterzumachen.“

Dass die Schulausbildung ebenfalls eine Rolle bei der damaligen Entscheidung von Sabrina Simmes spielte, weiß Bruder Marcel Sieberg zu berichten. „Jungs sehen das mit der Schule wohl oft einen wenig entspannter als Mädchen. Ich war zwar nie schlecht, aber meine Schwester war natürlich viel besser als ich, was die Noten betrifft. Dafür habe ich mir damals mehr Zeit für das Training genommen.“

Dem Rad treu geblieben

Aber so ganz ist Sabrina Simmes vom Radsport dann doch nicht losgekommen, wenngleich sie keine Rennen mehr fährt. „Bis zur Geburt meines Sohnes Benjamin (heute 7 Jahre/Anm.d.Red.) bin ich privat noch auf das Rennrad gestiegen. Und wahrscheinlich werde ich das irgendwann auch wieder anfangen“, sagt die 38-Jährige.

Bis dahin stehen Radtouren mit Familie und dem Nachwuchs auf dem Programm. „Mein Sohn hat gerade ein gebrauchtes Mountainbike geschenkt bekommen. Das ist zwar kein Rennrad, aber hat ja auch zwei Räder“, sagt Sabrina Simmes lachend. Ohnehin eignet sich ein Mountainbike für die Baumberge in Havixbeck sowieso viel besser.

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