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Turnschuh-Kauf bringt Hoffnung für Angeklagten

Überraschung im Prozess um Bochumer Rentner-Mord

Im Prozess um den Mord an einem Bochumer Rentner-Paar gibt es seit Mittwoch überraschend doch wieder einen Hoffnungsschimmer für den bestreitenden Handwerker aus Recklinghausen. Auslöser dafür sind Nachermittlungen zu einem der wichtigsten Beweismittel – einem Paar Turnschuhe.

BOCHUM/RECKLINGHAUSEN

, 23.05.2018
Turnschuh-Kauf bringt Hoffnung für Angeklagten

Das Foto zeigt den Angeklagten neben seinem Verteidiger Jens Tuschhoff. © Werner von Braunschweig

Die Nike-Schuhe, die der Angeklagte (35) bei seiner Festnahme getragen hatte und an denen Opferblut geklebt haben soll, sorgen seit Prozessbeginn für Wirbel. Erst waren sie scheinbar verschwunden, dann plötzlich wieder da. Für die Staatsanwaltschaft war das „Modell Reax“ aber immer eine der tragenden Säulen für die Mordanklage. Und obwohl der 35-Jährige im Prozess stets beteuert hatte, dass er die vermeintlichen „Mörderschuhe“ ganz sicher erst mehr als zwei Monate nach der fraglichen Tat vom 10. Februar 2017 in einem Herner Schuhgeschäft gekauft hat, glaubten ihm Staatsanwaltschaft und Gericht diese Version nicht. Erst vor wenigen Wochen warfen ihm die Richter vor, sie in Sachen Turnschuhe in die Irre geführt zu haben, sprachen von einer „unwahren Schutzbehauptung“. Nicht zuletzt deswegen ergebe sich „ein hoher Grad der Wahrscheinlichkeit für die Täterschaft des Angeklagten“.

Jetzt gibt es plötzlich aber doch noch einmal Grund zum Zweifeln, ob der Angeklagte nicht vielmehr doch – so Verteidiger Jens Tuschhoff – „stringent die Wahrheit gesagt“ hat. Denn der Verkaufsstellenleiter des Schuhgeschäftes bestätigte, dass in der Herner Filiale im Jahr 2017 „definitiv“ nur ein einziges Paar Nike-Reax verkauft worden sind. Und weiter: Schuhgröße (41) und Kaufdatum (29. April) entsprechen den Angaben des Angeklagten.

Anwalt Tuschhoff erneuerte daraufhin seine These, dass entweder das DNA-Gutachten fehlerhaft oder aber das Blut durch späteren Sohlenkontakt mit der Fußmatte des Pkw des Sohnes des Rentner-Paars aufgenommen worden ist. Immerhin hatte auch der Sohn den Tatort gereinigt und war mit dem Angeklagten bis zu dessen Festnahme im Juli 2017 gut bekannt.

Laut Mordanklage soll der Handwerker das Ehepaar bei einem Raubüberfall zu Tode geprügelt haben. Die Frau (79) starb noch vor Ort, der zunächst erblindete Mann (78) drei Wochen nach der Tat. Urteil: frühestens Anfang August 2018.