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Brief an Toni Kroos

Sie sind ein Teamspieler, zuverlässig, pflichtbewusst, immer fair, nicht nur auf dem Rasen... – in dieser Woche schreibt Hermann Beckfeld an Fußballer Toni Kroos.

Brief an Toni Kroos

Toni Kroos und sein Sohn Leon. © dpa

Lieber Toni Kroos,

ich schreibe es gleich vorweg: Sie sind mein absoluter Lieblingsspieler in der Nationalelf, und dafür gibt es viele Gründe. Ich kenne keinen anderen Fußballprofi, der so erfolgreich auffallend unauffällig spielt wie Sie, der selbst in kniffligen Situationen geniale, unglaublich genaue Pässe schlägt und sich in der Defensive für Drecksarbeit nicht zu schade ist; ein Teamspieler, zuverlässig, pflichtbewusst, immer fair, nicht nur auf dem Rasen.

Mir imponiert Ihr Respekt vor den Gegnern, die Bescheidenheit, Ihre eher leisen Töne nach eigenen tollen Leistungen und natürlich Ihr unbedingter Wille zum Erfolg. Kein zweiter Nationalspieler hat so eine Bilanz vorzuweisen. Als erster ostdeutscher Spieler wurden Sie 2014 Weltmeister. Als bisher einziger deutscher Spieler gewannen Sie dreimal die Champions League, in Kiew könnte heute mit Real Madrid der vierte Titel dazukommen.

Viele halten Sie wegen Ihrer disziplinierten Spielweise, auch wegen Ihrer Zurückhaltung außerhalb des Platzes für langweilig, für dröge. Ich habe Interviews gelesen, gehört, da verblüfften Sie mit Schlagfertigkeit, Humor und erfrischender Ehrlichkeit. Sie gaben zu, nächtelang vor dem Bildschirm zu sitzen, um kein wichtiges Basketballspiel der NBA zu verpassen. Sie erzählten nicht böse gemeinte Anekdoten über Ihren Nachbarn Cristiano Ronaldo, der selbst nach einem 0:4-Debakel gegen Lokalrivale Atletico rauschende Feste feierte. Sie ließen erkennen, dass Sie mit der Münchner Schickimicki-Gesellschaft nichts anfangen können; dass Sie sich von den Bayern-Managern nicht richtig wertgeschätzt fühlten. „Die Trainer vertrauten mir, aber das hätte sich auch im Gehalt niederschlagen müssen.“

Deshalb wechselten Sie zu den Königlichen nach Madrid, stehen bei Real noch bis 2022 unter Vertrag.

Im vorpommerschen Greifswald geboren, kommen Sie aus einer sportlichen Familie. Mutter Birgit wurde zehnmal DDR-Meisterin im Badminton, Vater Roland, Ihr einstiger Jugendtrainer, ist heute für die A-Jugend von Hansa Rostock verantwortlich und Bruder Felix, Mannschaftskapitän von Union Berlin, verdiente sein Geld zuvor bei Hansa Rostock und Werder Bremen. „Alle schreiben, dass Felix in meinem Schatten steht. Dabei halte ich seine Karriere für beachtlicher als meine. Er hat sich mit seinem riesigen Ehrgeiz und Fleiß hochgekämpft in die Bundesliga.“

Es war bestimmt nicht einfach für Sie, mit 16 Jahren Familie und Heimat zu verlassen, um zu den Bayern zu wechseln. Der Verein lieh Sie an Bayer Leverkusen aus. Dort sammelten Sie Spielpraxis, wurden danach in München Stammspieler. Was für ein Pech. Im Viertelfinale der Champions League verletzten Sie sich schwer, mussten beim Finale gegen Borussia Dortmund zusehen.

Das Spiel Ihres Lebens machten Sie im WM-Halbfinale gegen Brasilien. Beim legendären 7:1 schossen Sie zwei Treffer, gaben zwei Torvorlagen, wurden zum „Man of the Match“ gewählt; mehr geht nicht.

Lieber Toni Kroos,

so viele Titel, so viele Millionen, und doch sind Sie bodenständig geblieben. An erster Stelle steht nicht der Fußball, da steht Ihre Familie. Mit Ehefrau Jessica haben Sie zwei Kinder, Tochter Amelie und Sohn Leon. Während sich andere Real-Stars ins Nachtleben stürzen, bleiben Sie lieber daheim. Voller Stolz erzählen Sie die Geschichte vom Abschied von den Bayern, als Jessica versprach, Ihnen überallhin zu folgen, egal wo Sie in der nächsten Saison spielen werden. Zu Ihren Leverkusener Zeiten wohnten Sie beide in Köln, wo sich Ihre Jessica sehr wohlfühlte. Zu gern haben Sie ihr jetzt den Wunsch erfüllt, dort ein Haus zu kaufen.

Mit besten Grüßen

Hermann Beckfeld