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Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Prof. Dr. Christian Perings klärt auf

Das zählt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland: „Wenn Arterien durch Ablagerungen verstopfen und die Blutzufuhr zum Herzen eingeschränkt wird, kann das zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder einem peripheren arteriellen Verschluss führen“, erklärt Prof. Dr. Christian Perings, der seit 2007 die Medizinische Klinik I des Lüner St.-Marien-Hospitals leitet.

von Sebastian Schulte

, 05.06.2018
Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Prof. Dr. Christian Perings © Schulte

Jährlich sterben hierzulande mehr als 50.000 Menschen infolge eines Herzinfarkts, wie aus einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Eine der Hauptursachen für Arterienverkalkung – Mediziner sprechen von Atherosklerose – sind Fettstoffwechselstörungen wie beispielsweise ein erhöhter LDL-Cholesterin-Wert. Dieses „schlechte Cholesterin“ spielt bei der Bildung von arteriellen Plaques eine zentrale Rolle.

„Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinträchtigen das Leben vieler Patienten massiv“, weiß Christian Perings aus seiner langjährigen ärztlichen Erfahrung. Beispiel Schlaganfall: Fast zwei Drittel der insgesamt 1,76 Millionen Menschen in Deutschland mit mindestens einem Schlaganfall müssen laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts mit einer fortdauernden Behinderung leben. „Zu den gesundheitlichen Folgen kommt die Angst eines erneuten Infarkts oder Schlaganfalls“, ergänzt der Chefarzt.

Bis zu 80 Prozent der frühzeitigen Herzerkrankungen und Schlaganfälle sind vermeidbar. Eine Umstellung des Lebensstils – wie eine gesündere Ernährung mit weniger gesättigten Fetten, Natrium und cholesterinreichen Lebensmitteln, mehr Bewegung, gesundes Körpergewicht und kein Nikotin – kann das Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung reduzieren. „Wie Nonnen und Mönche müssen wir nicht leben“, schmunzelt Perings: Ein Glas Wein oder Bier am Tag sei sogar gut für die Gesundheit.

Veränderter Lebensstil

Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen diesen veränderten Lebensstil zu vermitteln, sieht Christian Perings als wichtiges Element seiner ärztlichen Tätigkeit – gemeinsam mit seinem Team aus zehn Oberärzten, 23 Assistenzärzten und zahlreichen Pflegefachkräften. 135 Betten – einschließlich der Intensivstation – stehen in der Medizinischen Klinik I für Patienten zur Verfügung. Mehr als 6500 von ihnen werden jährlich stationär aufgenommen, weitere 3000 pro Jahr ambulant behandelt. Perings: „Wir sind die größte Abteilung des St.-Marien-Hospitals.“ Mehr als 2500 Herzkatheter-Untersuchungen nehmen der Chefarzt und sein Team jährlich vor, hinzu kommen über 900 Eingriffe, bei denen Patienten Stents, Pumpen oder Implantate erhalten – Klinik-Routine für Christian Perings und seine Mitarbeiter.

Eine Herzkatheter-Untersuchung kann eine Erkrankung des Herzens, der Herzklappen oder der Herzkranzgefäße auf einem Bildschirm sichtbar machen. Bei einem Herzkatheter handelt es sich um einen feinen, biegsamen Kunststoffschlauch, der während der Untersuchung unter Röntgenkontrolle durch ein Blutgefäß bis zum Herzen vorgeschoben wird.

Ein Stent (Gefäßstütze) ist ein medizinisches Implantat, das Gefäße oder Hohlorgane offenhält. Es handelt sich meist um eine Spiraldrahtprothese in Röhrchenform aus Metall oder Kunstfasern mit dehnbaren oder mechanischen Eigenschaften zur Gefäßerweiterung.

Stolz verweist der Chefarzt auf eine Methode, die schon vor einigen Jahren gemeinsam mit Kollegen in Lünen entwickelt worden ist: die multiparametrische Stress-Echo-Kardiographie. Damit habe man in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Herzkatheter-Untersuchungen am St.-Marien-Hospital um mehr als zehn Prozent verringern können, zitiert der Hochschullehrer das Ergebnis einer begleitenden Studie. Eine Herzkatheter-Untersuchung empfinden manche Patienten als belastend. „Außerdem ist es möglich, mit einer Sicherheit von mehr als 90 Prozent vorherzusagen, dass in den folgenden drei Jahren eine solche Untersuchung beim Patienten nicht notwendig sein wird.“ Das Verfahren vereint drei verschiedene Untersuchungsmethoden des Herzens. Lünen gilt inzwischen als Ausbildungszentrum für Ärzte aus ganz Deutschland und der Schweiz für diese neuartige Methode. Zwei Oberärzte haben sich unter Perings Leitung auf das Verfahren spezialisiert.

Mini-Herzlungen-Maschine

Auch „Impella“ – eine Art Mini-Herzlungen-Maschine, die für 48 Stunden im Patienten implantiert wird – sorgt dafür, dass Patienten eine höhere Überlebenschance nach einem Herzinfarkt haben: „Das Gerät unterstützt das Herzzeitvolumen mit 2,5 bis 4 Litern pro Minute“, erläutert Christian Perings die Funktionsweise dieses „Kraftwerks“, das in die linke Herzkammer eingeführt wird. „Nach maximal drei Tagen entfernen wir es wieder aus dem Körper des Patienten.“

Christian Perings setzt auf ein fest etabliertes Team aus erfahrenen Spezialisten. „Wir liefern qualitativ hochwertige Medizin“, betont er. Einige seiner Mitarbeiter sind seit vielen Jahren dabei – „und wir sind gut aufeinander eingespielt“. Neue Kollegen – ob Ärzte oder Pflegekräfte – werden durch eine umfangreiche Dokumentation unterstützt, die von jedem Computer überall in der Klinik abrufbar ist. Für eine Qualitätssicherung haben Perings und seine Kollegen selbst hohe Standards entwickelt und in einer medizinischen Fachzeitschrift publiziert.

Durch die Zertifizierung der Brustschmerz-Ambulanz (Chest Pain Unit, CPU) durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie bietet die Medizinische Klinik I den Patienten außerdem eine qualitativ hochwertige Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen mit dem Symptom Brustschmerz – das gilt vor allem für den Herzinfarkt. Sechs Betten stehen dafür zu Verfügung.

Mehr als 2000 Patienten suchen die Klinik jährlich mit diffusen Brustschmerzen auf. „Das moderne Herzkatheter-Labor mit 24-Stunden-Bereitschaft ist sozusagen das ,Herz‘ unserer CPU“, schmunzelt Oberarzt Christoph Fedorowicz während eines Rundgangs durch die Klinik. Eine Herzinsuffizienz-Ambulanz (Heart Failure Unit) soll nach Worten seines Chefs Prof. Dr. Christian Perings in den kommenden zwei Jahren folgen.

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