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Auch in NRW stimmen Türken über Erdogan-Zukunft ab

Deutsch-Türken wählen türkischen Präsidenten

1,4 Millionen Bürger mit türkischem Pass können in NRW bei den Parlaments- und Präsidentenwahlen ihre Stimme abgeben. Sie könnten letzlich entscheidend sein, wie es mit Erdogan weitergeht.

NRW

07.06.2018
Auch in NRW stimmen Türken über Erdogan-Zukunft ab

In Essen gibt die Wahlberechtigte Hatice Güner ihre stimme ab. Ähnliche Szenen spielen sich in ganz NRW bis zum 19. Juni ab. © dpa

In Nordrhein-Westfalen haben die Wahllokale zur Stimmabgabe für die Parlaments- und Präsidentenwahlen in der Türkei ihre Türen geöffnet. Mit einem größeren Andrang in mehreren Wahllokalen hat am Donnerstag in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern die Stimmabgabe türkischer Wahlberechtigter begonnen. Gut 500 000 Bürger mit türkischem Pass können sich in NRW beteiligen.

Deutsch-Türken stimmen zuerst ab

Die türkischen Generalkonsulate in Köln/Hürth, Essen, Münster und Düsseldorf organisieren die Stimmabgabe in NRW. Die Wahl läuft bis zum 19. Juni - an bundesweit mehr als einem Dutzend Standorten. In Deutschland sind gut 1,4 Millionen Bürger mit türkischem Pass wahlberechtigt, davon lebt etwa ein Drittel in NRW.

In der Türkei wird erst am 24. Juni gewählt. Die Wahlen sind von außerordentlicher Bedeutung. Mit ihnen soll die von Präsident Recep Tayyip Erdogan betriebene Einführung des Präsidialsystems abgeschlossen werden, das den Staatspräsidenten mit deutlich mehr Macht ausstattet.

Wählerin Nuscan Aksoy sagte in Köln, sie habe für die islamisch-konservative AKP und Präsident Erdogan gestimmt, weil unter ihm wirtschaftlich und kulturell vieles vorangekommen sei.Eine kurdischstämmige 47-Jährige gab dagegen an, die oppositionelle HDP zu unterstützen. „Wir wollen eine Demokratie wie in Deutschland. Aber mit Erdogan geht die Türkei in eine Diktatur.“

Deutsch-Türken machen mehr als fünf Prozent aus

Experten zufolge herrscht bei den Türken in Deutschland Unsicherheit und Misstrauen. Es gebe große Angst, offen über Politik zu sprechen, sagte Nordrhein-Westfalens Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU) am Mittwoch in Köln. Osman Okkan vom KulturForum TürkeiDeutschland sprach von „geduckter Stimmung“ und weit verbreiteter Sorge vor Denunzierung. Viele befürchteten, als angebliche Anhänger der verbotenen PKK oder der Gülen-Bewegung zu Terroristen gestempelt zu werden, und hielten sich mit Meinungsäußerungen zurück.

Bei einem knappen Ergebnis könnten die Stimmen der insgesamt gut drei Millionen wahlberechtigten Auslandstürken - sie machen mehr als fünf Prozent aller türkischen Wähler aus - entscheidend sein.

dpa