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Einsatzkräfte können Acht-Minuten-Frist nicht immer einhalten

Freiwillige Feuerwehr Werne

Eigentlich müssen Städte ab 25.000 Einwohnern auch hauptamtliche Kräfte beschäftigen. Die Freiwillige Feuerwehr in Werne will aber ehrenamtlich bleiben. Dafür muss sie bestimmte Vorgaben erfüllen. Jetzt fordert sie eine bessere Anbindung an ihr Gerätehaus am Konrad-Adenauer-Platz – weil sie nicht immer schnell genug am Einsatzort sein kann.

Werne

, 16.02.2018
Einsatzkräfte können Acht-Minuten-Frist nicht immer einhalten

Die Feuerwache des Löschzugs Mitte am Konrad-Adenauer-Platz: Nach Meinung von Wehrführer Thomas Temmann ist ihre Lage nicht optimal. © Helga Felgenträger

Das Thema Brandschutz in Werne kommt immer mal wieder auf den Tisch – spätestens dann, wenn die Feuerwehr ihren Jahresbericht vorlegt.

Wichtigste Frage: Kann die Feuerwehr Werne, die ausschließlich aus ehrenamtlichen Kräften besteht, die Vorgaben des sogenannten Brandschutzbedarfsplans einhalten? Ist sie rechtzeitig zur Stelle, wenn es heikel wird? Und zwar innerhalb von acht Minuten mit insgesamt neun Einsatzkräften – so wie es der Brandschutzbedarfsplan vorsieht?

Jein, lautet die Antwort. Im Jahr 2017 klappte das nach Angaben der Freiwilligen Feuerwehr Werne in 85,7 Prozent der erforderlichen Fälle. „Das ist kein schlechter Wert“, sagte Wehrführer Thomas Temmann am Donnerstag auf Anfrage. Die vollen 100 Prozent schaffe auch keine hauptamtliche Wehr. Aber…

Einsatzkräfte können Acht-Minuten-Frist nicht immer einhalten

Die Feuerwehr muss bei vermeintlich brenzligen Einsätzen innerhalb von acht Minuten mit insgesamt neun Einsatzkräften vor Ort sein. Bei harmlosen Einsätzen ist die Einhaltung dieser Frist nicht erforderlich. In Werne konnte die Wehr sie 2017 in acht erforderlichen Fällen nicht einhalten. © Nina Dittgen (Grafik)

Bei der Freiwilligen Wehr sind 144 ehrenamtliche Kräfte aktiv – verteilt auf zwei Löschzüge (Mitte und Stockum) und zwei Löschgruppen (Langern und Holthausen). Eigentlich müssen Städte ab 25.000 Einwohnern – Werne hat knapp 30.000 – auch hauptamtliche Kräfte beschäftigen.

Weil die Bezirksregierung der Stadt aber eine Ausnahmegenehmigung erteilt, spart die Verwaltung rund 1,5 Millionen Euro an Personalkosten im Jahr. Das ehrenamtliche Engagement ist groß und kann, wie es der stellvertretende Bürgermeister Ulrich Höltmann im jüngsten Sozialausschuss erwähnte, nicht genug gewürdigt werden.

Feuerwehr braucht neue Sondergenehmigung

Jetzt muss der Brandschutzbedarfsplan für die nächsten fünf Jahre fortgeschrieben werden. Im September 2017 hatte die Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Aufsichtsbehörde die Genehmigung, auf hauptamtliche Kräfte zu verzichten, vorläufig verlängert – allerdings nur bis April 2018.

„Nächste Woche haben wir einen Termin bei der Bezirksregierung“, sagt Temmann. Er gehe davon aus, dass der Genehmigung weiterhin nichts im Wege steht. Die Vorgabe, dass die Wehr in mindestens 85 Prozent der Fälle innerhalb von acht Minuten vor Ort sein muss, konnte sie 2017 schließlich einhalten – wenn auch nur knapp. „Aber“, sagt Temmann, „das muss auch so bleiben.“

„Niveau der Einsätze ist hoch, Lage des Gerätehauses nicht optimal“

Ganz ohne Bedenken ist der Wehrführer nicht, als er der heimischen Politik am Mittwoch im Sozialausschuss den aktuellen Jahresbericht vorstellt. „Das Niveau an Einsätzen ist schon sehr hoch“, hieß es da.

Insgesamt kommt die Feuerwehr für das vergangene Jahr auf 348 Einsätze, 272 fuhr allein der Löschzug Mitte. Einen Tag später sagt Temmann im Gespräch mit unserer Redaktion: „Da sind die Strukturen in Werne sehr unglücklich.“ Holthausen, Stockum und Langern könnten mehr machen, das Gerätehaus in der Stadtmitte am Konrad-Adenauer-Platz sei aber nun einmal am besten ausgestattet.

Gleichzeitig ist die Lage der Wache alles andere als optimal: Schüler auf dem Weg zum Busbahnhof, verschachteltes Parken, die Einfahrt des Parkdecks am Horne-Center, Ampelschaltung, Busse, Tempo 30. „Und da, wo Tempo 30 ist, können wir trotz Einsatz ja auch nicht 100 fahren. Das ist für uns manchmal schwierig“, sagt er und bittet die Verwaltung, die Anfahrt zum Feuerwehrgerätehaus in den nächsten Monaten zu überdenken.

Rückbau der B54 als Chance fürs Gerätehaus?

Eine durchaus gute Gelegenheit, das Gerätehaus besser anzubinden, ist nach Meinung der Feuerwehr der anstehende Rückbau der B54. „Die vorgegebenen acht Minuten brechen uns manchmal das Kreuz“, sagt Temmann. Müsste die Feuerwehr nicht erst am Busbahnhof vorbei, sähe das vielleicht anders aus.

Personaltechnisch sei man vergleichsweise gut aufgestellt. Nur zwischen 7 und 17 Uhr werde es manchmal eng. Dann müssen die Mitarbeiter des Stadthauses übernehmen, die in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv sind. „Das waren mal zwölf, jetzt sind es mit dem neuen Solebadtechniker zehn.“ Werden Mitglieder der Feuerwehr bei freien Stellen in der Werner Stadtverwaltung bevorzugt? „Bei gleicher Qualifikation – ja“, räumt Thomas Temmann ein.

Die Wehr muss sich organisieren, wenn sie in Werne ehrenamtlich bleiben will. „Und wir wollen ja alle, dass es möglichst so bleibt“, sagt SPD-Politiker Höltmann.

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