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„Das Schlimme ist, dass ich nun ein kaputtes Herz habe“

Werner verklagt Kamener Krankenhaus

Vor gut zwei Jahren hat sich Mark Nätebuschs Leben drastisch geändert. Wegen einer fehlerhaften Behandlung muss der 47-jährige Werner seither zahlreiche Medikamente für sein geschädigtes Herz nehmen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen der Ärzte.

Werne

, 11.05.2018
„Das Schlimme ist, dass ich nun ein kaputtes Herz habe“

Seit der seiner Meinung nach verpfuschten Behandlung im Hellmig-Krankenhaus in Kamen muss Mark Nätebusch (47) zahlreiche Medikamente für sein geschädigtes Herz nehmen. Das Ermittlungsverfahren gegen einen Krankenhaus-Arzt läuft noch. © Jörg Heckenkamp

Fast zwei Jahre liegt der Vorfall zurück. Doch sobald Mark Nätebusch davon erzählt, ist er gedanklich mitten in der Situation, die ihn das Leben hätte kosten können. Mark Nätebusch, der zur Zeit des besagten Vorfalls in Bergkamen und seit einem Jahr in Werne wohnt, will Gerechtigkeit. Und eine Entschuldigung. Und er kann nicht einfach hinnehmen, dass die – aus seiner Sicht – Kette von Fehlern ungesühnt zu einer Beeinträchtigung seines Lebens führt. „Das Schlimme daran ist, dass ich nun ein kaputtes Herz habe. Das hätte nicht sein müssen.“ Nätebusch hat eine Strafanzeige gestellt und ein Zivilverfahren angestrengt.

Sein Anwalt, Dr. Jörg Demmig aus Hamm, zitiert aus einem Gutachten. Darin komme Dr. Christoph K. Naber von der Klinik für Kardiologie am Elisabeth-Krankenhaus in Essen zu dem Schluss, „dass ein Defizit in der sorgfältigen und fachgerechten Betreuung des Patienten (…) zu erkennen sei“. Demmig fasst zusammen: „Dass, was falsch gelaufen ist, ist klar. Stellt sich die Frage, wer dafür haften wird.“Das ermittelt momentan die Staatsanwaltschaft in Dortmund. Ursprünglich gab es 15 Personen, die alle in Nätebuschs Fall verstrickt waren. „Gegen 14 ist das Ermittlungsverfahren eingestellt worden. Gegen einen Arzt wird weiter ermittelt“, sagt Staatsanwalt Henner Kruse auf RN-Anfrage. Verdacht: „Fahrlässige Körperverletzung.“

Starke Schmerzen in der Brust

„Ich hatte Schmerzen, die wurden immer schlimmer“, sagt Mark Nätebusch. Gedanklich ist er wieder an jenem 14. Juli 2016. Dieser Tag fing für ihn mit Rückenbeschwerden an. Während des Arztbesuches beim Orthopäden tauchte ein „Brennen und Stechen in der Brust“ auf. So gab es der 47-Jährige bei der Polizei zu Protokoll. Der Orthopäde riet zum Krankenhaus, falls es schlimmer würde. Wurde es. Mittags ließ er sich von seiner Lebensgefährtin, sein Sohn war ebenfalls dabei, ins Hellmig-Krankenhaus fahren. Dort sei es dann zu einer Folge von Fehleinschätzungen, Bagatellisierungen und Unterlassungen gekommen, die die rechtzeitige Behandlung des Hinterwand-Herzinfarktes von Nätebusch verhindert hätten.

Rechtsanwalt Demmig zitiert ein weiteres Mal aus dem Gutachten von Dr. Naber: „Es sei anzunehmen, dass durch die zeitgerechte und adäquate Behandlung (…) Beeinträchtigungen (…) gelindert bzw. verhindert hätten werden können.“ Der Anwalt will zunächst das Ergebnis der strafrechtlichen Ermittlungen gegen den noch verbliebenen Arzt abwarten. „Dann gehen wir zivilrechtlich vor.“ Sprich: Kampf um Schadenersatz.

Was nützt das Geld?

Doch was nützt das Geld, wenn bei richtiger Behandlung überhaupt keine Herzschäden aufgetreten wären? Diese Frage treibt Nätebusch immer wieder um. Er muss seitdem regelmäßig eine Fülle von Medikamenten nehmen. Der begeisterte Feuerwehrmann wird seinem Hobby bei der Freiwilligen Wehr in Bergkamen nie wieder wie vorher nachgehen können. „Ich bin nur noch eingeschränkt einsetzbar.“ Dennoch möchte er demnächst wieder in die Reihen der Blauröcke eintreten. Wenn auch mit dem Handicap Herz.

Klaus-Peter Wolter als Sprecher des Hellmig-Krankenhauses schreibt auf unsere Anfrage: „Unser wichtigstes Ziel ist es immer, Patienten medizinisch bestmöglich zu versorgen. Stellungnahmen aus einem Krankenhaus zu einem konkreten Fall stoßen grundsätzlich an Grenzen, weil unter anderem der Datenschutz auf unserer Seite zwingend einzuhalten ist. In diesem Fall gilt es außerdem, laufende Ermittlungen zu beachten und nicht zu stören. Wir unterstützen in jeder Weise gegenüber Behörden die Klärung der Vorwürfe.“