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Betrüger sammeln unter falscher Flagge

Falsche Spendensammler in Werne

Betrügerische Spendensammler sind ein Dauerproblem in Deutschland. Doch ihnen ist nicht leicht auf die Schliche zu kommen. Auch in Werne tritt das Phänomen immer mal wieder auf – ein Vorfall in der Innenstadt löste Irritationen aus.

Werne

, 01.06.2018
Betrüger sammeln unter falscher Flagge

Hospizvereine stellen sich normalerweise nicht rappelnd mit Sammelbüchsen in die Stadt. Die Polizei rät zur Skepsis. © dpa

Das Problem sei bekannt, hört man bei der Recherche immer wieder aus verschiedensten Quellen. Als Annette Alfermann von der Hospizgruppe Werne am Freitag vergangener Woche am Markt vorbei geht, sieht sie zwei Sammler (ein Mann und eine Frau) mit Spendenbüchse, die wohl für ein Kinderhospiz sammelten. „Das kam mir komisch vor, denn keine Hospizgruppe, die ich kenne, sammelt mit Büchse.“

Von Fußstreife der Polizei kontrolliert

Da sie selbst keine Zeit hatte, erzählte sie ihren Kollegen von ihrer Beobachtung. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Hospizgruppe, die namentlich nicht genannt werden will, sprach den Mann an. „Er sagte nur, das hätte alles seine Richtigkeit“, erinnert sich die Ehrenamtliche.

Danach seien sie auch noch von der Fußstreife der Polizei kontrolliert worden, wie auch ansässige Geschäftsleute in der Steinstraße bestätigten. Doch die Überprüfung ergab keine Straftat. Eine Anfrage bei der Polizei bestätigte, dass die Beamten keine Strafanzeige stellten und somit in diesem Fall wohl alles in Ordnung war.

„Man kann den Leuten schlecht in die Dose gucken“

Ohnehin gestaltet sich die Strafverfolgung in solchen Fällen schwierig. Selbst wenn die gesammelten Spenden weitergeleitet würden: „Man kann den Leuten schlecht in die Dose gucken und wissen, wie viel des Geldes am Ende bei uns landet“, erklärt Susanne Busche vom Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Lünen (AKJHD, auch für Werne zuständig).

Der AKJHD ist eine eigene Trägerschaft des Deutschen Kinderhospizvereines. Man habe da keine Handhabe: „Nicht wir sind in dem Fall die Betrogenen, sondern der Spender“, so ihre Kollegin vom AKJHD Kreis Unna, Nina Stahl. Busche stellte auch klar: sich hinzustellen und mit der Dose zu rappeln sei dennoch unüblich: „Unser Verein geht so nicht vor.“

Das Problem ist bei der Polizei ein Dauerthema

Ein vermeintlicher Straftatbestand in Fällen des Spendensammelns unter falscher Flagge, sei Betrug, sagt Kreispolizeisprecher Thomas Röwekamp. Auch bei der Polizei ist das Problem mehr oder weniger ein Dauerthema. Dass solche Fälle momentan vermehrt auftreten, könne man jedoch nicht sagen.

Der Polizist rät aber zur Skepsis gegenüber Sammelbüchsen. „Seriöse Organisationen gehen normalerweise nicht so vor. Wenn man etwas spenden will, sollte man das lieber direkt über die Organisation machen“, meint der Beamte.

Keine Handhabe: Aufklärungsarbeit als einziges Mittel

Stefan Kranz, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Kinderhospizvereins, ärgert sich. Schon in der Vergangenheit wurden Fälle rechtlich geprüft, zuletzt Ende letzten Jahres in Unna, erklärt er. „Uns sind da aber die Hände gebunden. Es ist ein Dilemma: In Nordrhein-Westfalen darf man ohne Anmeldung Spenden sammeln.“ Er würde es sehr begrüßen, die Gesetzgebung dort umzustellen, so Kranz.

Das beste Mittel gegen potenziell betrügerische Spendensammler sei Aufklärungsarbeit, meint Stefan Kranz. Da es grundsätzlich nicht verboten sei, mit der Dose zu rappeln, sollte man genau hinschauen.

Echte Vereine erkennen

Richtige Hospizvereine hätten in der Regel einen Stand mit Tisch und Info-Material und seien von Kopf bis Fuß mit Erkennungsmerkmalen ausgestattet. „Außerdem sagen wir konkret den Namen, im Sinne von ‚Wir sind der Verein...‘ und nicht ‚wir sammeln für den Verein...‘“, so der stellvertretende Geschäftsführer.

Sollte man sich unsicher sein, kann man beim AKJHD Lünen, unter Tel. (02306) 9106383 nachfragen.

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