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Zeugin bricht in Tränen aus

Silvester-Bluttat

In der Silvesternacht 2017 hat ein Mann aus Recklinghausen mutmaßlich zwei Männer niedergestochen. Der Schock sitzt noch tief. Eine Zeugin brach am Mittwoch vor Gericht in Tränen aus.

Bochum/ Recklinghausen

von Jörn Hartwich

, 11.07.2018
Zeugin bricht in Tränen aus

Der Angeklagte versteckt sein Gesicht. Neben im stehen seine Verteidiger Björn Rüthers (li.) und Jörn Dieker. © Jörn Hartwich

Die 22-jährige Auszubildende war dabei, als zwei ihrer Freunde nach dem „Böllern“ angegriffen wurden. Einer erlitt eine lebensgefährliche Stichverletzung im Bauch, der andere wurde am Bein getroffen.

Das Trio hatte in der Wohnung einer Bekannten gefeiert, oben wohnte der Angeklagte. „Er wollte uns nicht wieder reinlassen“, sagte die Zeugin vor dem Bochumer Schwurgericht. „Er wurde laut. Ich dachte, der wollte auf mich losgehen.“

Vor den Augen zusammengebrochen

Weil ihr die Situation zu heikel geworden sei, habe sie sich schließlich abgewandt. Dann ging es auch schon rund. Einer ihrer Bekannten habe plötzlich laut aufgestöhnt. „Ich bin dann zurück“, berichtete die 22-Jährige unter Tränen. „Und dann habe ich ihn gesehen. Mit der Stichwunde. Er ist direkt vor meinen Augen zusammengebrochen.“

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Sie habe sofort versucht, die Blutung am Bauch zu stillen, wählte gleichzeitig den Notruf. Ihr anderer Freund war ebenfalls verletzt. Ihm lief das Blut das Bein herunter.

Gereizte Stimmung

Der Angeklagte hatte den Abend offenbar in einem Schrebergarten verbracht. Ohne seine Partnerin. Die war in seiner Wohnung geblieben. Als er wieder zu Hause war, detonierte draußen ein Böller. „Das hat ihn genervt“, sagte die 54-Jährige den Richtern. „Seine Stimmung war sehr gereizt.“

An Schlafen war dann auch nicht mehr zu denken. Der Angeklagte sei nach unten gegangen, um sich zu beschweren. Kurz darauf sei es im Hausflur laut geworden.

Seltsame Äußerungen des Angeklagten

Als er schließlich wieder hochgekommen sei, habe er ein blutiges Messer in der Hand gehalten – zwischen Zeigefinger und Daumen. „Er hat es mir gegeben“, sagte die 54-Jährige den Richtern. „Und dabei gesagt: Leg das hin. Das ist ein Beweismittel.“ Seltsam auch, wie der 70-Jährige das Auftauchen der Polizeibeamten kommentiert haben soll: „Gut, dass die jetzt da sind.“

Der Angeklagte ist 1981 vom Landgericht wegen Totschlags zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die aktuelle Anklage lautet auf zweifachen versuchten Totschlag. Er selbst hat sich zu den neuen Vorwürfen noch nicht geäußert.