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Lieferengpass: Die erste Tankstelle in Olfen sitzt komplett auf dem Trockenen

hzBenzinknappheit

Manfred Schwenniger will abheben. An der BFT-Tankstelle an der Funnenkampstraße landet er aber auf dem Boden der Tatsachen. Sprit gibt es nicht: weder für Autos und noch für sein Flugzeug.

Olfen

, 06.11.2018 / Lesedauer: 4 min

Blaue Mülltüten hängen über den Tankpistolen. Nur der Zapfhahn für Super plus ist nicht verhüllt. Aber das hat nichts zu sagen. „Das haben wir auch nicht mehr“, sagt Dieter Greuel. Der Angestellte der BFT-Tankstelle an der Funnenkampstraße zuckt mit den Schultern. „Schön ist anders“, sagt er. Der einzige Kraftstoff, den er an diesem Dienstag noch verkaufen kann, ist LPG: Flüssiggas. Das sei aber kaum gefragt. Auch nicht von Manfred Schwenniger.

Der Halterner geht das gesamte Tankstellengelände ab: sieben Tanksäulen für Benzin und Diesel: alle leer. „Ist da wirklich nichts zu machen?“ Der Mann aus Haltern kann es nicht glauben und fragt vorsorglich im Verkaufsshop nach. „Alles leer“, antwortet Greuel. Er warte jederzeit auf Nachschub. Wann der eintrifft? Da will er sich lieber nicht festlegen. Dieselnachschub habe die Tankstelle in der vergangenen Woche bekommen - „der ist leider schon wieder aufgebraucht“. Auf Super wartet er schon seit einer Woche - keine Ausnahme. Aus Lünen und Marl berichten Anwohner ebenfalls, dass Tankstellen auf dem Trockenen sitzen. Aus ganz Nordrhein-Westfalen gibt es Meldungen von den Lieferschwierigkeiten.

Niedriger Pegelstand ist schuld

Schuld ist der niedrige Pegelstand des Rheins. Deutschlands wichtigste Binnenwasserstraße sitzt zur Zeit stellenweise – wie auch manche Tankstellen – auf dem Trockenen. Weil es zu wenig regnet, können Tankschiffe seit Wochen nicht mehr voll beladen fahren. So werden auch weniger Kraftstoffe transportiert und auf die Tankstellen verteilt.

Die Bundesregierung hat inzwischen sogar einigen Bundesländern und Regierungsbezirken erlaubt, auf Treibstoff aus Tanklagern zurückzugreifen, der aus der Erdölreserve des Bundes stammt. Um den Markt wieder in Ordnung zu bringen und die Versorgungslücke zu schließen, wurden laut Erdölbevorratungsverband 70.000 Tonnen Benzin, 150.000 Tonnen Diesel und 56.000 Tonnen Kerosin freigegeben.

Andere Tankstellen in Olfen, Selm und Nordkirchen haben noch Sprit

Bei den anderen Tankstellen in Olfen, Selm und Nordkirchen ist der Mangel an diesem Dienstag nicht so spürbar. Allerdings sei das Problem bekannt. Frank Vernekohl von der Vernekohl Tankstelle an der Lünener Straße in Bork berichtet, dass er bereits vor drei Wochen eine Nachricht seines Lieferanten bekommen habe. Tenor: Der Nachschub an Sprit wird langsam knapp. Das läge zum einen natürlich an dem Niedrigwasser in Folge der Dürreperiode im Sommer. Zum anderen habe ein Unglück die Versorgung stocken lassen: Anfang September waren nach einer Explosion in einer Raffinerie bei Ingolstadt 16 Menschen verletzt worden. 100 Häuser kamen zu Schaden - und die Raffinerie musste ihre Produktion halbieren. Manche Tankstellen müssten deswegen warten.

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Manfred Schwenniger wartet nicht länger. Der Mann aus Haltern geht zurück zu seinem Auto und schließt den Kofferraum. Kurz ist noch der Blick frei auf drei Plastikbehälter: alle leer. „Ich wollte Dieselkraftstoff kaufen“, sagt er - nicht, um ihn zu Hause für noch schlechtere Zeiten zu horten, sondern um ihn zum Flugplatz Borkenberge zu fahren: zu seiner Cessna. Mit der wollte der Hobbypilot am Mittag eine Runde drehen über der Region - Schwennigers Blick wandert traurig in den wolkenlosen Himmel. Diesel wird er jetzt woanders kaufen. Aber die Lust am Fliegen ist ihm für diesen Nachmittag vergangen.

ADAC warnt davor, Spritvorrat im Auto zu lagern

Ob Hobbypilot oder vorsorglicher Autofahrer: „Jeder darf 200 Liter Diesel und 20 Liter Benzin in geeigneten Behältern zuhause - in der Garage oder im Keller - lagern“, sagt Tobias Scheffel Sprecher des ADAC in Dortmund. Der Mengenunterschied erkläre sich dadurch, dass Benzin deutlich brennbarer und damit gefährlicher sei als Diesel. Von der Idee, einen vollen Kanister Kraftstoff als Reserve im Auto zu haben, rät Scheffler aber dringend ab: „Viel zu gefährlich.“

An eine Spritverknappung wie zurzeit kann sich der ADAC-Sprecher selbst nicht erinnern. Die historischen Ölkrisen der 1970er-Jahre hätten andere Ursachen gehabt. Aber nicht zum ersten Mal werde die Erinnerung daran wach. Ich hatte heute schon vier Anfragen deswegen“, sagt der Mann vom Automobilclub und fügt schmunzelnd hinzu: „Wenn wir Autofahrer einmal nicht tanken können, ist das für viele von uns eine Oberkatastrophe.“

Christian Poppenborg, der Geschäftsführer der Raiffeisen Lüdinghausen eG, die in Olfen, Südkirchen, Drensteinfurt und Lüdinghausen Tankstellen betreibt, sieht die Situation indes weniger katastrophal. „Wir konnten langfristig planen“ sagt er. Nachschub sei deshalb zurzeit gesichert. Und weil andernorts Engpässe seien, verzeichne er Umsatzzuwächse. Langfristig planen: Das rät Poppenborg auch Heizölkunden. Denn Lieferungen „von jetzt auf gleich“ seien nicht zu garantieren.

Wann sich die Situation bundesweit entspannen wird, vermag zurzeit niemand verlässlich zu sagen. Dieter Greuel hofft, dass zumindest die Flaute an der Funnenkampstraße bald vorbei ist. An diesem Mittwoch öffnet die Tankstelle wieder um 6 Uhr. Ob es dann andere Kraftstoffe gibt als Schokoriegel, weiß er am Nachmittag zuvor aber noch nicht.

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