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Dortmunds blaues Wunder

DORTMUND Betretene Gesichter auf der Südtribüne. Fassungslosigkeit auf der BVB-Bank. Zorn und Aggression auf dem Rasen. Borussia Dortmund hat beim 2:3 (1:2) im 131. Revierderby gegen den FC Schalke 04 am Sonntagabend drei Punkte und drei Spieler verloren. Kein guter Tag.

von Von Sacha Fligge

, 10.02.2008

Für Gerald Asamoah war es ein Ohren betäubender. Als Konsequenz der Rassismus-Affäre des Hinspiels wurde Schalkes Stürmer bei jedem Ballkontakt offen angefeindet. Inbrünstig. Von jedem BVB-Fan, der buhen oder auf Fingern pfeifen konnte. Sie alle verstummten erst, als Asamoah längst jubelte.

Die 18. Minute: Martin Amedicks Befreiungsschlag wird abgeblockt, BVB-Torhüter Marc Ziegler patzt beim Herauslaufen – Asamoah schiebt aus 18 Metern ein. Langsam, quälend langsam, kullert die Kugel in Richtung Tor. Abwehrchef Robert Kovac, noch quälender und langsamer, kann sie nicht aufhalten – 0:1. Drei Minuten später egalisiert der BVB. Alexander Frei, früh für den an der Schulter verletzten Diego Klimowicz in die Partie gekommen, serviert Giovanni Federico den Ball in den Lauf, Schalkes Rafinha scheitert beim Klärungsversuch, und der Borussen-Regisseur erzielt sein viertes Saisontor – 1:1 (21.).

Schwacher Gagelmann

Zu diesem Zeitpunkt hätten beide Teams in einem rassigen, hektischen, aber nie hochklassigen Duell bereits dezimiert sein müssen: S04-Kapitän Marcelo Bordon hatte Mladen Petric den Ellenbogen ins Gesicht geknallt – Schiedsrichter Gagelmann bestrafte die Aktion gnädig mit Gelb (17.). Auch Dedes Ellenbogen-Attacke gegen Asamoah hatte er übersehen (12.). Schwach!

Trotzdem flog einer: BVB-Manndecker Martin Amedick. Und zwar mit dem Kopf in einen von ihm selbst verursachten und von Rakitic ausgeführten Freistoß – Eigentor, 1:2 (31.). Zuvor hatte der zögerliche Ziegler abermals Unsicherheiten gezeigt. „Ein insgesamt fehlerbehaftetes Spiel“, urteilte Schalkes Trainer Mirko Slomka.

Immerhin: Seine Akteure rannten gegen besonders im Abwehrzentrum (Amedick/Kovac) konfuse Borussen wie Hamster im Rad. Und träumten, während sie fleißig Kilometer machten, wohl vom Sieg. Auch Gagelmann träumte weiterhin: Er übersah kurz vor der Pause Bordons elfmeterreifes Foul an Sebastian Kehl (42.).

Dede fliegt vom Platz

Mit dem in der Winterpause verpflichteten Alexander Bade zwischen den Pfosten (Ziegler hatte sich ebenfalls an der Schulter verletzt/Diagnose steht noch aus) startete der BVB in die zweite Hälfte. Und schien zumindest anfänglich wie ausgewechselt. Druckvoller, konzentrierter, aggressiver.

Als Petric einen Konter über Tinga und Frei mit dem Kopf zum 2:2 verwertete, erbebte die Südtribüne regelrecht (50.). Drei Minuten später rettete Schalkes Manuel Neuer gegen Federico. Auch Frei scheiterte an dem vom Boulevard bereits als „Flutschfinger“ verhöhnten Jung-Torhüter (62.). Es war noch lange nicht das Ende ...

"Zu streng bewertet"

In Überzahl – Dede hatte Rakitic übel mit beiden Beinen voran verletzt und Rot gesehen (76.) – kam Asamoahs großer Moment: Eine Hereingabe des unbeliebtesten Spielers im ganzen Stadion knallte Fabian Ernst ins Gehäuse – 2:3 (82.), sein erstes Tor für den S04. Die BVB-Fans erstarrten, Schalke verfiel in Ekstase. Kein guter Tag für Schwarzgelb.

Kein guter Tag für Doll. Dortmunds Trainer kritisierte nach dem Schlusspfiff Schiedsrichter Gagelmann scharf. Der hatte Dedes Einsatz gegen Rakitic seiner Ansicht nach „zu streng bewertet. Denn Dede wollte ihm nur den Ball wegspitzeln“. Doll weiter: „Gagelmann hat meine Spieler ausgelacht und nicht für voll genommen. Er sollte sich mal hinterfragen.“ Übrigens: Nicht nur er...

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