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Kanzlerlähmung

COTTBUS Es gibt Momente, in denen fällt es schwer, seinen Berufsstand ernst zu nehmen. Nach Borussia Dortmunds 2:0 (1:0) am Samstag in Cottbus etwa fragte ein Journalist bei Energie-Trainer Bojan Prasnikar doch allen Ernstes nach, „ob die Anwesenheit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel das Team völlig gelähmt“ habe.

von Von Sascha Fligge

, 17.02.2008
Kanzlerlähmung

Mladen Petric (r.) bejubelt seinen zehnten Saisontreffer.

Nun muss man wissen, dass der Slowene Prasnikar gegen den BVB 14 Akteure einsetzte, von denen drei die deutsche Staatsbürgerschaft besaßen. Eine ausgeprägte Affinität zum neuen Cottbuser Ehrenmitglied Merkel oder gar ein Erstarren in Ehrfurcht vor deren Erscheinung gilt als eher unwahrscheinlich.

Prasnikar flüchtete sich nach dem Fehlpassfestival (136 nicht angekommene Zuspiele bis zur 70. Minute) auf tief gefrorenem Boden nicht in Ausreden. „Wir hatten“, sagte er mit bosnischem Akzent, „Problem mit Ball und Platz.“ Nur zwei Möglichkeiten (Jelic/63.; Rost/73.) spielte sich der Tabellen-Siebzehnte heraus, doch selbst in diesen Szenen musste Dortmunds Torhüter Marc Ziegler nicht eingreifen. „Der BVB“, so Energie-Verteidiger Daniel Ziebig, „hat abgezockt gespielt. Drei Chancen, zwei Tore. Das sagt alles.“ In einem auf unterstem Liga-Niveau stehenden Spiel war einmal mehr Stürmer Mladen Petric die Lebensversicherung der Borussia. In der achten Minute nahm er Giovanni Federicos weiten Ball auf und drosch die Kugel in den linken Torwinkel – sechs Minuten vor dem Ende verwertete er Alexander Freis Ecke schließlich per Kopf zum erlösenden 0:2.

„Endlich“ war anschließend die Vokabel des Tages. „Endlich“, sagte BVB-Trainer Thomas Doll, „haben wir zu Null gespielt. Endlich waren wir bei Standards präsent. Vielleicht nehmen wir jetzt endlich Fahrt auf.“ Der Mann, dessen Team seit Monaten regelmäßig durch den Fußball-PISA-Test fällt und dabei stets dieselben Fehler macht, hat wieder Hoffnung.

Acht Heim-, aber nur noch sechs Auswärtsspiele muss Dolls Elf absolvieren. „Ein Vorteil“, betonte der Trainer und legte erstmals eine Zielplatzierung fest: „Rang 7 sollten wir erreichen!“

Lange überlegt

Wenige Stunden zuvor hätte sich Doll noch nicht festlegen wollen. „Ich habe tagelang überlegt, wie ich die Ausfälle von Dede und Rukavina kompensieren kann. Im Training hatte ich mich auf eine Dreierkette und ein Fünfer-Mittelfeld festgelegt. Aber das funktionierte nicht. Das war schlecht“, sagte er.

Nach langen Einzelgesprächen mit diversen Profis entschied sich Doll erst am Freitagabend für die 4-4-2-Variante. Offensivakteur Delron Buckley (Doll: „Er hat mich überrascht“) besetzte die linke Abwehrbahn, Youngster Mats Hummels („Er wirkte anfangs sehr nervös“) spielte eine ordentliche zweite Hälfte auf der rechten. In der Pause musste Doll zudem Manndecker Robert Kovac (Hüftschmerzen) durch Christian Wörns ersetzen. „Unser Arzt“, so Doll, „wedelt nur noch mit Spritzen herum.“

Immerhin deutet sich eine leichte personelle Entspannung an: Rukavina soll am Dienstag wieder ins Training einsteigen, Diego Klimowicz erhöht die Intensität – und Philipp Degen steht vor der Rückkehr ins Teamgefüge.

Einen Rückschlag erlitten hat indes Mittelfeldmann Jakub Blaszczykowski (Faserriss). Doll: „Er verspürt weiter ein Ziehen an der Oberschenkelrückseite. Wir müssen Geduld haben.“ Für die Spiele gegen Rostock und im Pokal gegen Hoffenheim fällt der Pole aus.

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