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Schalker Spezialist: Derby bleibt in meinem Herzen

hzStambouli im Exklusiv-Interview

In seinem zweiten Schalke-Jahr hat sich Benjamin Stambouli hervorragend entwickelt. Im Exklusiv-Interview spricht der 26-Jährige über die Bedeutung seiner Familie, sportliche Ziele und die Sehnsucht nach seinem ersten Bundesliga-Tor.

Gelsenkirchen

, 27.03.2018

Wie geht es Ihrem Oberschenkel?
Schon viel besser. In Wolfsburg hatte ich leichte Probleme beim Sprinten. Wenn Du im Fußball nicht sicher bist, dass Du 100 Prozent geben kannst, sollte man besser raus gehen. Denn der Erfolg der Mannschaft steht für mich über allem. Und Pablo (Insua, die Red.) hat es nach seiner Einwechslung gut gemacht.


Wie ist es Ihnen gelungen, so schnell die deutsche Sprache zu lernen?
Deutsch ist eine schwierige Sprache, und ich mache auch noch Fehler. Aber es ist sehr wichtig für mich, diese Sprache zu beherrschen, um mich gut einzubringen im Mannschaftskreis und alles zu verstehen.


In welcher Sprache reden Sie mit Trainer Domenico Tedesco?
Ich versuche, mit ihm deutsch zu sprechen. Aber manchmal wechselt er auch ins Englische oder Französische, wenn es um Taktik geht. Da heißt es sehr konzentriert zu sein (lächelt).


Aber Sie fluchen noch auf Französisch, wenn Sie etwas ärgert?
Ja, das ist richtig (lacht).


In ihrem zweiten Schalke-Jahr sind Sie viel besser und öfter für Schalke im Einsatz. Woran liegt das?
Ich brauchte Zeit, um mich an die Bundesliga, eine neue Umgebung, an viele andere Dinge zu gewöhnen. Hinzu kam der schwache Saisonstart in der vergangenen Spielzeit. Das hat es für einen neuen Spieler nicht einfacher gemacht.


Aber jetzt sind Sie durchgestartet…
Wir haben eine neue Spielidee, einen neuen Trainer und sind viel besser in die Saison gekommen.


Sie stammen aus einer fußballbegeisterten Familie. Großvater, Vater, Onkel waren Spieler und Trainer. War es von Anfang an klar, dass Sie auch Fußball-Profi werden?
Nein. Mein Bruder spielt zum Beispiel überhaupt keinen Fußball. Aber der Rest der Familie ist fußballverrückt. Wenn wir zum Beispiel beim Essen sitzen, wird nach fünf Minuten mit Salz- und Pfefferstreuern hantiert und zum Beispiel über Raumaufteilung auf dem Fußballplatz diskutiert. Das ist in unserer Familie so drin. Deshalb war es nicht einfach für mich, meine Familie und Frankreich zu verlassen. Aber jetzt fühle ich mich stärker.


Ist Ihre Familie auch bei Schalker Heimspielen vor Ort?
Meine Mutter und mein Vater oft, mein Onkel und mein Großvater teilweise. Als Junge hatte ich es nicht so gern, aber jetzt ist es ein Traum und eine zusätzliche Motivation für mich, wenn meine Familie zuguckt.


Sie machen den Eindruck, dass Sie sich viel mit Fußball beschäftigen. Denken Sie schon ein bisschen wie ein Trainer?
Ja, das kann schon sein. Ich bin der Meinung, dass jede Mannschaft, die erfolgreich sein will, zwei, drei Spieler braucht, die während einer Partie auf unerwartete Entwicklungen reagieren und Korrekturen oder Hilfestellungen anbringen können. In der Halbzeit ist dann der Trainer gefragt. Mit Domenico Tedesco ist es für mich ein Vergnügen, sich über Fußball auszutauschen. Er sieht so viele Dinge, die andere nicht sehen.

 
Wo sehen Sie die größten Unterschiede zwischen der Ligue 1 und der Bundesliga?

In Frankreich wird ruhiger gespielt, während in der Bundesliga das Tempo sehr hoch ist und auch viel auf Konterfußball gesetzt wird. Außerdem gibt es in der Bundesliga keine leichten Gegner. Wenn ich daran denke, wie stark zuletzt unsere Gegner wie Mainz oder Wolfsburg um jeden Ball gekämpft haben, spricht das schon für sich. Ich mag das.

 
Welche Erinnerungen haben Sie noch an ihr erstes Heimspiel auf Schalke? Es ging sofort gegen die Bayern.
Die Atmosphäre in der Arena ist immer etwas Besonderes. Meine Familie war dabei. Sie sagten mir hinterher: Du hast sehr viel Glück, hier Fußball zu spielen.

 
In einem Kreisel-Interview im Frühjahr 2017 hatten Sie nach eigener Aussage ein Leistungsniveau von 70 Prozent. Wo stehen Sie jetzt?
Deutlich höher. Ich habe viele gute Spiele gemacht, aber auch einige nicht so gute. Wenn ich jetzt noch konstanter werde und endlich auch mein erstes Tor für Schalke schieße, bin ich vielleicht bald bei 100 Prozent (lacht).

 
Immerhin haben Sie beim legendären 4:4 in Dortmund zwei Treffer vorbereitet.
Stimmt, für Burgstaller und Caligiuri. Das war fast so, als hätte ich selbst ein Tor geschossen. Dieses Derby war eines der bisher emotionalsten Spiele meiner Karriere. In meinem Kopf und Herz bleiben diese 90 Minuten für immer.

 
Warum ist Schalke in dieser Saison so stark?
Das Trainerteam hat eine neue Dynamik hereingebracht. Es sind viele Details, zum Beispiel taktische Verbesserungen. Aber das Wichtigste ist für mich: Die Mentalität im Team stimmt.

 
Was wären Ihnen lieber: DFB-Pokalsieger oder die Qualifikation für die Champions League?
Oh, das ist eine sehr schwierige Frage. Am liebsten beides. Aber von der Bedeutung her eher der DFB-Pokal. Das ist ein Titel, daran erinnern sich die Fans auch noch in 20 Jahren.